Helmut Grabowski

1. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation von Homosexuellen in Deutschland ein?
Ich gehöre der Generation an, die noch miterlebt hat, daß Homosexualität kriminalisiert wurde und in bestimmten Fällen unter Strafe stand. Verglichen damit, hat sich die Situation erheblich verbessert. Trotzdem kann es nicht befriedigen, daß ein offenes Bekenntnis zur Homosexualität nach wie vor ein gewisses "Ausgrenzungs-Risiko" in sich trägt. Andererseits halte ich jede Form der Sexualität für einen Teil der Intim-Sphäre, deren öffentliches "Zur Schau Stellen" anders Veranlagte zumindest unangenehm berühren kann.

2. Wie setzt sich Ihre Partei vor der Wahl mit dem Thema Homosexualität auseinander, sind Lesben und Schwule für Sie eine interessante Wählergruppe?
Homosexualität ist in den Diskussionen in meiner Partei kein "großes Thema". Die Tatsache aber, daß es innerhalb meiner Partei eine Interessengruppe der Homosexuellen, die "SchwuSos" gibt, zeigt doch eine zumindest tolerante Grundhaltung in der SPD zu diesem Thema.

3. Was wird sich im Falle Ihrer Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl für Homosexualle verändern? / Was wollen Sie in der Opposition in diesem Bereich bewegen?
Ich werde mich stets für Toleranz gegenüber anderen Gewohnheiten und Veranlagungen einsetzen, erwarte aber andererseits Sensibilität der betreffenden Personen bzw. Personengruppen im öffentlichen Auftreten. Ungerechtfertigten Anfeindungen, Verleumdungen und Diskriminierungen, z.B. durch Vertreter fragwürdiger Ideologien werde ich entgegentreten. Wesentlich ist und bleibt für mich, daß es sich im Fragen der Intim-Sphäre handelt, die einen Schutzanspruch genießt.

4. Ein Schwuler / eine Lesbe als Kanzler - pro oder contra?
Auch ein Spitzenpolitiker hat Anspruch auf Freiheit seiner Intim-Sphäre. Ich sehe allerdings große Probleme im sogenannten "Protokoll-Bereich", die allein auf nationaler Ebene nicht zu lösen sind.

Der Fragebogen - SPD