Jan Mücke 

1. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation von Homosexuellen in Deutschland ein?
Die Situation von Homosexuellen in unserer Gesellschaft ist erfreulicherweise in den neunziger Jahren von erstaunlich zunehmender Toleranz und Akzeptanz, auch der öffentlichen und veröffentlichten Meinung, gekennzeichnet. Demgegenüber besteht jedoch ein Defizit in der rechtspolitischen Anerkennung dieser Lebenswirklichkeit. Es bestehen leider immer noch Diskriminierungen in der Berufswelt, im Familienrecht und der Sexualerziehung. Das muß dringend geändert werden. Der Staat ist nicht der Zensor der privaten Lebensentwürfe.

2. Wie setzt sich Ihre Partei vor der Wahl mit dem Thema Homosexualität auseinander, sind Lesben und Schwule für Sie eine interessante Wählergruppe?
Für Liberale sind Schwule und Lesben selbstverständlich eine interessante Wählergruppe. Wir haben eigens dafür einen Abschnitt unseres Wahlprogramms entwickelt. Die F.D.P. hat traditionell einen hohen Wähleranteil in dieser Bevölkerungsgruppe, weil wir uns schon seit Jahren für Schwule und Lesben engagieren. Leider scheitern wir noch zu oft am konservativen Weltbild unseres derzeitigen Koalitionspartners. Wer das ändern will, muß uns stärker machen.

3. Was wird sich im Falle Ihrer Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl für Homosexualle verändern? / Was wollen Sie in der Opposition in diesem Bereich bewegen?
Die F.D.P. setzt sich für die Schaffung eines Rechtsinstituts der "Eingetragenen Lebenspartnerschaft" ein. Sie soll vor einem Standesbeamten erklärt werden können und ist weitestgehend an das Familienrecht des BGB angelehnt. Es umfaßt aber auch die Gleichstellung mit allen Rechten und Pflichten im Sorgerecht, Kindschaftsrecht, Erbrecht, Mietrecht, Versicherungsrecht, Ausländerrecht und im Sozialrecht. Darüber hinaus muß eis künftig eine Reform der Sexualerziehung geben, die die Darstellung der Homosexualität als gleichberechtigte Form von Sexualität zum Ziel hat. Außerdem fordere ich die Ergänzung bestehender Antidiskriminierungsbestimmungen im beruflichen Bereich, so muß zum Beispiel die Diskriminierung schwuler Soldaten, denen durch die Bundeswehr grundsätzlich die Tauglichkeit als Vorgesetzter abgesprochen wird, ein Ende haben.

4. Ein Schwuler / eine Lesbe als Kanzler - pro oder contra?
Ganz klar Pro - die sexuelle Orientierung ist kein Eignungskriterium für das Amt des/r Regierungschefs/in. Leider kenne ich noch keine/n entsprechende/n Kandidaten/in. Rufen Sie mich an, wenn Sie eine/n haben.

Arno Schmidt

1. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation von Homosexuellen in Deutschland ein?
Ich bin kein Experte, jedoch empfinde ich die Situation als fast normal und entspannt für diese gesellschaftliche Gruppe; die Akzeptanz ist meines Erachtens vorhanden und auch gesetzgeberisch wurden in den letzten Jahren Schritte nach vorn getan.

2. Wie setzt sich Ihre Partei vor der Wahl mit dem Thema Homosexualität auseinander, sind Lesben und Schwule für Sie eine interessante Wählergruppe?
Wir akzeptieren ihre Lebensweise voll! In der verbleibenden Problematik sind sie für uns interessant in Hinsicht auf eine weitere Liberalisierung und akzeptable Reformen.

3. Was wird sich im Falle Ihrer Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl für Homosexualle verändern? / Was wollen Sie in der Opposition in diesem Bereich bewegen?
Das ist heute nicht abzusehen, da man für Veränderungen Mehrheiten braucht. Auf keinen Fall wird es rückwärtsgewandte Strategien geben. Fakt ist, daß die F.D.P. Motor von Veränderungen war und sein wird, das weiß ich aus meiner Zeit als Bundestagsabgeordneter.

4. Ein Schwuler / eine Lesbe als Kanzler - pro oder contra?
Das ist mir völlig egal, Hauptsache er/sie versteht sein/ihr Handwerk.

Der Fragebogen - FDP