from 1 to 8 of August

Canal Parade

Wer vom Berliner CSD begeistert war, hätte an der Canal Parade in Amsterdam am Nachmittag vor der feierlichen Eröffnung der Gay Games viel Spaß gehabt. Nur das gemeinschaftliche Hinterherlaufen fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, da der Umzug auf bunten Booten durch die Grachten der Stadt führte.

Die Brücken, an denen die rund hundert Boote mit den schrillen Amsterdamer Schwestern durchfahren würden, waren schon Stunden früher besetzt. Insgesamt wurden für die Show der Boote 200.000 Besucher erwartet. Aber auch die älteren Damen und Herren der angrenzenden Häuser setzten sich in gemütlicher Runde auf ihre erhöhten Haustreppen und tranken Sekt, während alle Welt an ihnen vorbeituckte...


"Die Bogenschützen-Mannschaft" Level B

Welcome to Amsterdam!

In einer spektakulären Eröffnungszeremonie in der imposanten Arena (Stadion) am Rande der Stadt begrüßte der Bürgermeister Amsterdams Schelto Patijn die 14.000 Teilnehmer der 29 Sportarten und die über 30.000 Besucher der fünften Gay Games: Friendship '98. Die im 4-Jahres Rhythmus ausgetragene schwullesbische Olympiade fand damit erstmals auf dem europäischen Kontinent statt. 1994 hatte New York unter dem Motto Unity '94 ihre wohl wärmste Woche. Die Zahl der teilnehmenden Staaten stieg in diesem Jahr von 45 auf beachtliche 66 Länder.

Let the Games begin!

Allen wurde durch die Worte der Vorsitzenden des Gay Games Kommitees bewußt, an welchem Ereignis der Gleichberechtigung sie in diesen Tagen teilnehmen würden.

Tatsächlich lief mir ab und zu ein kleiner Schauer über die Haut.

In einem riesigem Stadion sitzend gemeinsam mit Tausenden Lesben und Schwulen und weiteren Minderheiten einen Rückblick auf die junge Vergangenheit der Gleichberechtigungsbewegung zu werfen, eigene Erfahrungen kurz aufleuchten zu lassen und dann zu realisieren, daß sich eine ganze Stadt darauf freut, mit den sonst von anderen beschimpften, belächelten oder für pervers gehaltenen Homosexuellen zu feiern!


"Die Bogenschützen-Mannschaft" Level C

We are changing the world.

Natürlich bestand die Eröffnung nicht nur aus Ansprachen. Allein der Einlauf der Sportler in das Stadion aufgereiht nach Ländernamen und Städten war ein Mega-Event. Die Stimmung war am Kochen. Im Stadion selbst brachten Dana International und vor allem die Weather Girls mit ihrem absoluten Hit It's raining men die Menschen auf den Tribünen zum Klatschen und Singen.

Während Mutter und Tochter (Weather Girls) mit einer Plattform auf eine schwebende Bühne fuhren, tanzten unter den beiden hunderte von Männern in weißer Matrosenuniform.

Im Verlauf des Liedes gab es den absoluten Massenstrip der männlichen Schönheiten - bis auf ihren Slip.

Zum Glück wurden während der gesamten Veranstaltung die Hauptakteure auf Großprojektionswänden gezeigt, so daß man im Wechsel mit den Weather Girls auch die Männer aus der Nähe betrachten konnte.

Die perfekte Light Show suchte ihresgleichen.

You are welcome!

In der ganzen Stadt traf man auf eine sehr angenehme, friedliche Atmosphäre.

Ich möchte die homophile Stadt hier nicht hochstilisieren, schließlich gab es hier und da auch gewohnte antischwule Äußerungen.

Man muß aber auch einräumen, daß einige Lesben und Schwule in der Woche den Bogen bisweilen stark überspannt haben.

ABBA revival

Während der gesamten Woche gab es jeden Abend mitten in Amsterdam auf einem großen Platz ein Open Air Konzert.

Kostenlos konnten dort alle Leute, die Lust und Laune hatten absolut in

Partystimmung kommen. Heteros und Homos aus aller Welt tanzten zum Beispiel zu den live-nachgesungen Hits von ABBA.

Auf einen Abend haben sich besonders viele gefreut. Die Weather Girls gaben ihr Konzert.

Die Straßenbahnen hatten es sehr schwer, sich durch den Massenauflauf, der sich bis auf die Straße erstreckte, einen Weg zu bahnen.

Das Verkehrschaos war Wegbegleiter zu den Spielen und den Parties. Wenn den Straba-Fahrern abends danach war, auch etwas Stimmung zu verbreiten, knipsten sie einfach die gesamte Innenbeleuchtung aus und nach dem Jubelkreisch aller Insassen wippte man zu Madonna-Rhythmen aus den knacksenden Lautsprechern bis zur nächsten Haltestelle. Wer da nicht auftaute war selber schuld.

friendship through culture and sport

Zur selben Zeit konnte man andernorts ebenfalls kostenlos schwullesbische Filme sehen - die wahrscheinlich ersten großen Homo-Filmnächte in Europa. In Originalsprache gab es eine Woche lang unter anderem Stonewall, Beautiful Thing, Thin Ice und Happy Together zu sehen. Da aber die wenigsten zum Beispiel Koreanisch verstanden (Happy Together), gab es immer englische Untertitel.

Überhaupt verlief die ganze Woche sehr englisch. Das typische Holländisch hörte man selten, sozusagen ein englischer Urlaub in Holland.

Are you ready? Attention! Go!!

Ja, auch wir Dresdner vom Level B beim Volleyball entlehnten uns aus dem Angelsächsischen einen Schlachtruf.

Während der 4 anstrengenden Volleyballspieltage hatten wir eine absolut gute Stimmung im Team.

Schweißgebadet lagen wir uns am Ende in den Armen, auch wenn wir nur die Hälfte unserer Spiele gewonnen hatten.

Ich glaube, daß einige heterosexuelle Volleyballmannschaften stark beeindruckt gewesen wären, was zwölf Knickhändchen auf dem Spielfeld zustande bekommen! Wobei zwei davon immer importiert waren, da uns leider der sechste Dresdner fehlte.

Aber auch bei anderen Sportarten ging es heiß her. Inwieweit wieder Rekorde aufgestellt worden sind, bin ich nicht genau informiert. Es gab allerdings wieder viele SpitzensportlerInnen, die sich konsequent jahrelang auf die Gay Games vorbereitet haben, unter anderem für das Bodybuilding, Schwimmen und die Leichtathletik.

Auch die Behinderten konnten sich in ihren Leistungen messen. So zum Beispiel beim Rollstuhltischtennis oder beim Rollstuhltanzen.

Schwerhörige oder Taube bekamen durch GebärdensprecherInnen Unterstützung für die Verständigung beim Sport, auf den Konzerten und Parties.

Den schnell einsetzenden Muskelkater konnten wir durch abendliche Dance-Parties nicht bekämpfen, da wir schon früh aufstehen mußten, aber auch weil die extrem teuren Eintrittspreise diverser Themenparties abschreckten.

Statt dessen betätigten sich viele des Nachts anderweitig sportlich, entweder in der Sauna, beim Bierglas Heben oder beim nächtlichen Nachhauseweg, da die Straßenbahnen nur bis halb eins fuhren...

proud to be your friend.

Nach diesem Motto patroullierte die Polizei verstärkt zu den Gay Games Tagen in Amsterdam. Wobei die Schwulen durch die vielen Lesben zur Genüge beschützt wurden.

Ich hörte nur von einer Begebenheit, als jemand von einem Taschendieb behelligt wurde und eine Lesbe diesen dann in Kürze außer Gefecht setzte...

culture

Außer den sportlichen Events waren aber auch die Theater und Galerien auf rosarot eingestimmt. Die Woche war viel zu kurz, um alles mitmachen zu können.

Jeden Tag stellten wir uns die selbe Frage: Was machen wir heute? In der täglich neu erschienenen Gay Games Zeitung: The Daily Friendship gab es die vielfältigsten News und Ausgehtips. Vergleiche anzustellen wäre hier nur Hohn.

Trotz des riesigen Angebotes fanden sich viele Participants (Sportteilnehmer der Gay Games) in den großen Parks der Stadt ein: relaxen, in der Sonne liegen, ein paar Karten an die Freunde nach Hause schreiben, andere Leute beobachten...

Auch im Vondelpark fanden sich einige der 42 Chöre und Bands aus aller Welt ein, die verteilt in der ganzen Stadt ihre Lieder zum besten gaben.

The Games are closed.

Vielen Dank und großen Respekt an die vielen hundert Amsterdamer, die in jahrelanger Vorbereitung die Gay Games ermöglicht haben. Vielen Dank an die freiwilligen Helfer, erkennbar durch die gelben Friends T-Shirts, welche mindestens eine Woche lang ihre Zeit für eine unvergeßliche Mischung aus Freundschaft, Sport, Kultur und den unterschiedlichsten Sprachen und Anschauungen opferten.

Auch einen großen Dank an die unterstützenden Firmen: ABSOLUT VODKA, AVIS, durex, LEVIS, Red Bull, Puschkin Red,... und nicht zuletzt an den Hauptsponsor KLM royal dutch airlines.

See you in Sydney 2002.

Mit diesen Worten verabschiedete sich der Bürgermeister Amsterdams von den zum letzten Mal zusammengekommen Participants and Visitors im Stadion.

Nach der Abschlußzeremonie im der ArenA gab es noch eine gewaltige closing party in den Docklands (Schiffshafengelände).

Grace Jones und Jimmy Sommerville waren live auf der Bühne, dazwischen gab es von einigen lokalen DJs unbekannte, aber sehr tanzbare Beats zu hören.

Vor allem die Amerikaner zeigten dabei viel Haut. Einer hatte mehr Muskeln als der andere.

Tatsächlich habe ich in dieser Woche die ersten tuckigen Asiaten erlebt, bin vor dem Charme der Amerikaner geflüchtet und habe wieder viel für mein Englisch getan.

www

Wer noch mehr Details erfahren, weitere Bilder sehen oder nachschauen möchte, welche Mannschaft mit welchem Ergebnis in Amsterdam kämpfte, kann dies unter http://www.gaygames.nl erfahren.

Maik

Gay Games Amsterdam 1998