Zum Artikel Wohnberechtigungsschein im Gegenpol Juni '98

Laut Gegenpol-Meldung gibt es den gemeinsamen Wohnberechtigungsschein (WBS) nun auch für schwule und lesbische Paare. Okay, das ist ein nicht zu unterschätzender Fortschritt. Hierzu fällt mir ein Zitat von Christa Schenk ein: "Ich werde keine Reform ablehnen, nur weil sie mir nicht weit genug geht." (Im Original in anderem Zusammenhang geäußert.) Freuen wir uns also über das kleine Reförmchen. Aber kann das alles sein? Haben denn diejenigen, die bereits über einen gemeinsamen Haushalt verfügen, den WBS am nötigsten und nicht etwa die, die noch gar keinen Haushalt haben? Die sozial Schwachen fallen wie so oft mal wieder unter den Tisch und Gleichstellung endet mal wieder am Geldbeutel.

Woher sollen Untermieter, Wohnheimbewohner, bei Eltern oder Verwandten Wohnende, nicht zu vergessen Menschen, die mangels Alternativen Wohnraum ohne Mietvertrag bewohnen oder im Extremfall Obdachlose ihren auf Dauer angelegten gemeinsamen Haushalt hernehmen? Was, wenn (private) Vermieter, Eltern etc. wegen Überbelegung oder "moralischer Bedenken" den Einzug einer 2. Person verweigern, so daß der gemeinsame Haushalt gar nicht erst zustande kommt?

Mich würde mal interessieren, ob die Beauftragten für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Regelung dem Wohnungsamt gegenüber in dieser Form zugestimmt haben und wirklich keine weiteren Forderungen gestellt haben. Ich jedenfalls verstehe unter Gleichstellung mehr.

Sylvia
(Dresden, 23.06.98)

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