Gegenpol-Fragebogen zur Bundestagswahl 1998

Am 27. September hat Deutschland die Qual der Wahl. Zur Wahl des Deutschen Bundestags treten in diesem Jahr so viele unterschiedliche Parteien an wie nie zuvor. Die Wahl fällt also schwer in einer Zeit, in der Wahlversprechungen immer orakelhafter ausfallen und sich manchmal der Eindruck aufdrängt, die Spitzenkandidaten wüßten selbst nicht, was im Parteiprogramm als Ziel für die nächste Legislaturperiode angestrebt wird - von realisierbaren Konzepten für die Zukunft der Bundesrepublik ganz zu schweigen.

Trotzdem ist dieser 27. September ein wichtiger Termin auch für uns Schwule und Lesben, da hier vielleicht die Weichen für eine neue Politik im Sinne der rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichberechtigung von Homosexuellen gestellt werden können. Quasi als kleine "Wahlhilfe" haben wir nachfolgenden kleinen Fragebogen erarbeitet, den wir den Dresdner Direktkandidaten der "großen" Parteien zur Beantwortung vorgelegt haben und der eigentlich von allen angeschriebenen auch beantwortet wurde. Deshalb möchten wir uns auch recht herzlich bei allen Kandidaten bedanken, die uns trotz unserer sehr kurzfristigen Anfrage ihre Antworten rechtzeitig zukommen ließen. Die Antworten sprechen für sich und müssen wohl nicht weiter kommentiert werden. Stefan Schönfelder (Bündnis 90/Die Grünen) und Manfred Müntjes (SPD) haben den Fragebogen leider nicht rechtzeitig erhalten, so daß diese beiden Kandidaten keine Möglichkeit hatten, unsere Fragen zu beantworten.

Natürlich sind wir uns als Redaktion darüber im Klaren, daß Homosexuelle ihre Wahlentscheidung nicht nur an der Schwulen- und Lesbenpolitik einer Partei orientieren (sollten). Das kann nur ein Entscheidungskriterium unter vielen anderen sein. Zwar ist das ein für uns sehr wichtiger Prüfstein bei einer Partei, aber es sollte wohl noch andere Punkte geben, an denen sich die Politik einer Partei messen lassen muß; besonders wenn man sich die Gesamtkonstellation in der heutigen Gesellschaft und die Zukunftsängste vieler Menschen vor Augen führt. Schwulenpolitik kann und wird diese Probleme wohl nicht ändern.

(Myrko)

Schwule und Lesben vor der Wahl