Schwul-Lesbische Filmtage - Teil II

Nach etwas verhaltenem Start in Dessau und Magdeburg gehen die Schwul-Lesbischen Filmtage im Dezember in Sachsen in die zweite Runde. In Dresden und abschließend in Leipzig, wo dieses Filmfest in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindet, präsentieren die Freunde der lesbisch-schwulen Kinematographie Halle e.V. in Kooperation mit den lokalen Filmtheatern und Vereinen ein umfangreiches und überwiegend neues Kinoprogramm, das nicht nur für Schwule und Lesben interessant sein dürfte. Welche Filme das sind kann man im Programmheft nachlesen, welches die Filmfreunde auch in diesem Jahr kostenlos in den beteiligten Städten verteilt haben.

Im Vorfeld der Filmtage hat Gegenpol mit Manuela Lachmann von den Filmfreunden ein kurzes Interview geführt. (my)

Interview mit Manuela Lachmann

Gegenpol:

In diesem Jahr können Besucher in Sachsen-Anhalt und Sachsen zum 8.Mal die Schwul-Lesbischen Filmtage besuchen. Wie ist dieses Filmfest entstanden?

Manuela Lachmann:

Im Entstehungsjahr 1992 sah das Festival verständlicherweise noch ganz anders aus. Der einzige - bis heute erhaltene - Spielort für die Filme war das Programmkino 188 in Halle. Begründer und Initiator war Dieter Koetz, der noch heute Vorstandsvorsitzender ist, sich nun nach sieben Jahren aus der Organisation zurückziehen möchte. In den Folgejahren änderte sich an der Organisation nichts, schon immer fanden sie im Oktober oder November statt und eben im Kino 188. Eine wichtige Entscheidung wurde 1997 getroffen, als sich mehrere Leute zusammenfanden und einen Verein gründeten, der in Zukunft die Filmtage organisieren wollte. Bis dahin liefen die Finanzanträge und Abrechnung über das bbz Lebensart in Halle. 1997 änderten die Verantwortlichen dann auch erstmals den lokalen Charakter der Filmtage. Sie schickten das Programm in die Region, nach Dessau, Magdeburg und Quedlinburg. Vom Know-How sollten auch Schwule und Lesben in kleineren und anderen Städten profitieren. Eine Intention, mit der die Filmtage sich freilich auch nach New York, London oder Moskau hätten ausbreiten können, aber na ja... Wir befinden uns im Jahr 1999 und anstelle der Schwul-Lesbischen Filmtage mit zwei Wochen Spielzeit im Hallenser Programmkino geht nun sechs Wochen lang ein Programm durch Sachsen und Sachsen-Anhalt auf Tour.

Gegenpol:

In Kooperation mit regionalen Vereinen und Kinos präsentieren die Filmfreunde in diesem Jahr ihr Programm auch in drei sächsischen Städten. Wie gelang die Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern, die ja teilweise bisher eigene Filmveranstaltungen organisierten?

Manuela Lachmann:

Unterschiedlich. Mit Chemnitz z.B. kooperieren wir schon das zweite Jahr, womit grundsätzliche Sachen bereits geklärt waren. Erleichternd kam hinzu, daß Bea Kunath, die selbst Filme dreht und in den Jahren zuvor Filmtage in Chemnitz organisiert hatte, unsere ständige Ansprechpartnerin vor Ort war. Diese Art ständige Vertretung gab es in Dresden und Leipzig nicht. Hier führten wir Verhandlungen mit den Kinos und suchten nach weiteren Kontakten vor Ort. In Dresden sind dies Gerede e.V., Bernhard Reuter vom k.i.d. und Gegenpol, in Leipzig gab es Kontakte zur Lesbenbeauftragten, der Schaubühne, weiteren Kinos, der Stargayte-Sauna und zur Dok-Woche. Aus meiner Einschätzung müssen wir diese Kontakte auf jeden Fall weiter ausbauen, um das Projekt im nächsten Jahr fortsetzen zu können. Dazu braucht es eben auch Zeit. Die Idee zu dieser Tour stammt im übrigen von Michael Berninger, Vorsitzender des Vereins.

Gegenpol:

Welche Höhepunkte oder Neuheiten darf der Filmfreund erwarten?

Manuela Lachmann:

interner Link "Gendernauts" steigt in den aktuellen Geschlechterdiskurs ein und liegt damit absolut vorn bei den drängenden Fragen nach dem "Wer bin ich?". Ich habe gehört, daß es am 6.Dezember, wo wir den Film um 18 Uhr in Dresden zeigen, einen Vortrag zu diesem Thema an der UNI Dresden geben wird. Außerdem rechnen wir ja noch mit Monika Treut am 8.12. in Dresden und 9.12. in Leipzig. Ihr Kommen hängt davon ab, wann sie vom Festival aus Brasilien zurückkommt. An Neuheiten empfehle ich Euch, die Spielfilme im Programmheft zu studieren. Da kann sich jeder/jede selbst heraussuchen, was interessant ist, denn neu sind sie alle. Wer Bruchstückhaftes, Mosaikähnliches mag, der sollte auf keinen Fall unser Kurzfilmprogramm verpassen. Die HappyEndFilme zeigen wir häppchenweise, jeweils am Sonntag, nachdem Ihr die Appetithappen vom Brunchbuffet gekostet habt. Für FreundInnen des längeren Genusses bieten wir zwei Hommagen, eine an Derek Jarman, die andere an Tilda Swinton.

Gegenpol:

Rußland ist eines der Themen bei den Filmtagen. Die Regisseurin des Films "an die freundinnen" wird in Chemnitz, Halle, Dresden und Leipzig anwesend sein. Was erfährt der Kinobesucher über die schwul-lesbische Szene dieses osteuropäischen Landes? Welche Erfahrungen konntet Ihr selbst bei den Vorbereitungen zu diesem Thema machen?

Manuela Lachmann:

interner Link "an die freundinnen" ist meines Wissens nach wie vor der einzige Film über Lesben in Rußland. Über Schwule läßt sich mehr in der Literatur finden. Durch den Film bekommt man ein Stimmungsbild, wie sich frauenliebende Frauen in Rußland sehen, die ihr Coming Out während der Breshnewära erlebten und 1990 davon erzählen. Ich bin überzeugt, daß sich seit dieser Zeit viel verändert hat, gerade unter jungen Leuten. Darüber läßt sich dann mit unseren Gästen Natalja Sharandak und Karl-Heinz Steinle reden. Vielleicht auch über das erste Schwul-Lesbische Filmfestival in St.Petersburg. Zur Frage der Recherche, bei der ich auf verschiedenen Wegen versucht habe, etwas Brauchbares zu entdecken, bedauere ich, daß sie in den Anfängen steckenblieb.

Gegenpol:

Im vergangenen Jahr besuchten rund 1200 Filmfreunde Euer Festival. Mit welcher Resonanz rechnet Ihr diesmal?

Manuela Lachmann:

Wir sind sehr gespannt, wie die Filmtage angenommen werden, besonders in den Städten, wo der Kontakt fast ausschließlich per Telefon bzw. e-mail erfolgte. Um finanziell, die Summen der UnterstützerInnen mitgerechnet, auf ein tragbares Ergebnis zu kommen, braucht jede Vorstellung im Schnitt 30 BesucherInnen.

Gegenpol:

Filmfreunde 2000. Wie sieht Eure Zukunft aus, welche Pläne gibt es für das neue Jahrtausend?

Manuela Lachmann:

Das ist auch für mich die interessante Frage, denn aus meiner Sicht ist mehr ungewiß als gewiß. Nach den Filmtagen wird es eine Mitgliederversammlung geben. Da werden wir Bilanz ziehen, ob das diesjährige Modell erfolgreich war. Eine Fortsetzung hängt nicht zuletzt auch davon ab, ob sich genügend Leute finden, die sich an der Organisation beteiligen wollen und können. In dem Sinne möchte ich allen Interessierten ans Herz legen, uns während der Filmtage Feedback zu geben und sich zu melden, wenn er, wenn sie Lust zum Mitmachen hat. Wir werden im übrigen ein Logbuch mittouren lassen, in dem auch Gedanken zu den Filmtagen 2000 niedergeschrieben werden können.

Gegenpol:

Vielen Dank für das Gespräch

Weiter-Link Filmball und Kriminacht
interner Link Filmfest-Beiträge in der November-Ausgabe des GEGENPOL

zurücklehnen und entspannen