Thom Fitzgeralds Filmdebüt

Diese Hochzeit ist eine einzige Katastrophe. Die Braut verheddert sich ständig im Kleid, die Stimmung scheint auf dem Tiefpunkt und dann baggert der Bräutigam von Rosemary auch noch unverfroren den Film: Überraschungsgast an: William, Rosemarys Bruder, ist nach zehn Jahren plötzlich wieder aufgetaucht. Aus dem übergewichtigen Teenager von damals ist ein attraktiver, offen schwuler Mann geworden...

Thom Fitzgerald, der inzwischen mit "Beefcake" einen semidokumentarischen Spielfilm über den Schöpfer des verklemmt schwulen Fotoakt-Magazins "Athletic Models Guild" der 50er Jahre vorgelegt hat, schuf mit seinem Kinodebüt "The hanging Garden" einen künstlerisch sehr ungewöhnlichen Film. Die Zeitebenen verschwimmen immer wieder, Erinnerungen verklären sich zu surrealen Träumen und vermischen sich mit der Gegenwart. Dem Zuschauer wird zunächst etwas Geduld und Aufmerksamkeit abverlangt, bis er sich in das Gesehen und die Struktur hineingefunden hat. Dafür entschädigen poetische Film: Bilder (nicht nur wegen der heftigen Farbenpracht und immer wiederkehrenden Blumenmetaphern) und der Blick in eine reichlich hoffnungslose Familie.

"In meinem Herzen schuf ich 'The Hanging Garden', um allen unglücklichen Menschen zu sagen, daß es möglich ist, so zu werden, wie man möchte, egal wie sehr man sich und sein Leben im Moment vielleicht haßt", erklärt der 1968 geborene Thom Fitzgerald die Beweggründe zu seinem Film. Der junge William haßt sein unglückliches Teenagerdasein so sehr, daß er sich im Garten des Elternhauses an einem Baum erhängt. Daß er ein Jahrzehnt später quicklebendig wieder auftauchen kann, gehört zu den Geheimnissen des Regisseurs und zum surrealen Konzept dieses Films.

Axel Schock

The Hanging Garden
Buch und Regie Thom Fitzgerald
Mit Chris Leavins, Kerry Fox,
Seanna McKenna, Troy Veinotte
Kanada 1997, 90 Min

The Hanging Garden