Roselstolz

Ende April kommt "Zucker", das neue Album von Rosenstolz in die Läden und einige Wochen später geht das Duo dann auf Tour quer durch Deutschland.

Aus diesem Anlaß haben wir uns vor einigen Wochen mit AnNa in Berlin verabredet. Der kurze Pressetermin wurde zu einem ausgedehnten Kaffeeplausch. Nach über einer Stunde hatten wir ein volles Tonband in der Tasche und können nun (fast) jede Frage zu Rosenstolz beantworten. Aber lest einfach selbst unser Interview.

Außerdem haben wir die neue Platte für Euch probegehört. Und last but not least gibt es auch dieses Jahr wieder eine Verlosungsaktion mit Freikarten für die Konzerte in Sachsen...

MaN

Interview

Mitte März haben wir AnNa in Berlin-Friedrichshain im Café Hundertwasser getroffen. Bei einem Milchkaffee erzählte sie uns über Rosenstolz, die neue Tournee und natürlich auch jede Menge über sich und Peter...

Wie sah Euer Leben vor Rosenstolz aus?

Ich habe einen Job gelernt, tatsächlich! Ich habe als Chemielaborantin gearbeitet und später als Musikalienantiquarin in einem Antiquariat im Nikolaiviertel in Berlin. Dann habe ich, weil wir von der Treuhand aufgelöst wurden, mal kurz als Schuhverkäuferin in Steglitz gejobbt. Ist sehr witzig, aber Marilyn hat das schließlich auch gemacht. Länger als sieben Monate habe ich das nicht ausgehalten, aber da gab's uns dann auch schon.

Peter hat mal Sozialpädagogik studiert, das heißt, er hat sich eingeschrieben. Er hat sonst auch Musik gemacht. Das war noch in Braunschweig. Dann hatte er Glück im Unglück, daß mit seinem Zivildienst das Studium erst mal dahingestellt war. Das waren ja noch zwanzig Monate zu dem Zeitpunkt. Er hat auch mal nebenher gejobbt, in einem Friseurladen. Er ist aber kein Friseur. Er hat zwar tatsächlich Haare gewaschen, aber nur ein halbes Jahr. Beim Starfriseur Udo Walz. Den Job gibt es inzwischen gar nicht mehr, Shampooneur hieß das. Da war man nur dazu da, Kaffee zu bringen, nett zu sein und Haare zu waschen... Damit konnte er nicht so umgehen, könnte ich auch nicht. Ja, und dann gab es ja schon Rosenstolz.

Wie habt Ihr Euch denn kennengelernt?

Mehr oder weniger durch einen Zufall. Er kam mit seinem Freund, der ja auch aus dem Osten stammt, nach Berlin. Hier gleich in der Nähe, wo ich auch gewohnt habe, hatten wir einen gemeinsamen Bekannten und bei der Schlüsselübergabe ist es dann passiert. Geschichten, die das Leben schreibt, so banal, wie es nur geht. Da haben sich die beiden unterhalten: "Was willst Du in Berlin?", "Ich suche eine Sängerin", und da sagte er: "Was für ein Zufall, ich kenne eine". Und dann haben wir uns halt kennengelernt.

Wie hat es dann angefangen mit Rosenstolz? Habt Ihr Euch im Hinterzimmer ein Studio zusammengebaut und Tapes verschickt?

So ähnlich war es schon. Nur mit einem Studio, so weit war es noch lange nicht. Wir waren uns nur beide sicher, daß wir Musik machen wollten, auch wenn wir noch Jobs hatten.

Tatsächlich war es in der Küche, dort standen in der ersten Wohnung das Keyboard und das Vierspurgerät. Wir sind dann später ins Wohnzimmer gerückt. Es war ein ziemlich heruntergekommenes Haus mit Außenklo. Richtig klassisch.

Habt Ihr vorher schon einzeln in anderen Bands gespielt?

Ja, Peter hat vorher schon seine Musik gemacht. Er hat auch früher mal ein Märchenmusical geschrieben, das wurde dann zweimal aufgeführt. Das war ganz lustig.

Ich habe in einer Art Straßentheater gesungen. Aber ich hatte auch nicht soviel Zeit vorher, halt Rosenstolz jahrelang im Chor und dann eine Lehrerin. Ich hatte Unterricht, das Straßentheater lief und dann haben wir uns auch schon getroffen.

Stimmt es wirklich, daß Ihr anfangs nur in schwulen Clubs gespielt habt?

Größtenteils ja. Das lag vornehmlich daran, daß uns anfangs niemand wollte. Wir haben natürlich auch Tapes verschickt. Bei mir im Antiquariat habe ich die Kassetten auch verkauft und wir haben es sogar fertiggebracht, über einen Freund die Kassetten bei City Music hinzustellen oder auch in Alternativplattenläden und bei Prinz Eisenherz. Vereinzelt haben es dann auch Leute gekauft.

Wir haben dann natürlich gesucht, wer uns helfen kann, aufzutreten. Über die Galerie Bellevue sind wir dann zu Lidstrich gekommen. Das war damals der einzige, der uns eine Chance gegeben hat. Wir konnten dann im SchwuZ auftreten, was zu dem Zeitpunkt das Grauen für mich war. Ich war die erste wirkliche Frau, die auf der Bühne stand, das war schwierig. Und das gerade bei den wirklich eingefahrenen Berliner SchwuZ-Tunten... Da hatten wir Spaß teilweise, das erste Mal sind wir noch richtig schön ausgebuht worden. Das gab sich dann aber schnell. Wir wurden weitervermittelt, zum Beispiel ans Waldschlößchen in Göttingen. In Hannover haben wir oft in der "Schwulen Sau" gespielt, das haben wir dann aber selbst organisiert. Bald kamen auch andere Veranstalter dazu und nun haben wir halt diese Schiene und noch eine weitere Schiene, was auch sehr schön ist. Wir machen jetzt ja vieles quer durch den Gemüsegarten. Man fragt uns oft, ob wir schwule Musik machen. Diese Frage finde ich abartig. Natürlich machen wir keine schwule Musik, wir machen die Musik für uns. Wenn sie Leute jeglicher sexueller Neigung interessant finden, dann ist das klasse.

Aber mittlerweile seid Ihr ja sehr erfolgreich. Mit dem "Schlampen"-Album ist ja dann damals der Knoten geplatzt.

Denke ich schon. Naja, aber wir sind immer noch outstanding. Wir waren gestern in Hamburg beim "Echo" und da kannte uns keine Sau. Die meisten kennen zwar unseren Namen, aber wenn wir einzeln unterwegs sind, erkennt man uns fast nie. Das hat auch viele Vorteile.

Aber von Durchbruch kann man so nicht reden. Wir machen das ja schon lange und in Berlin war es längst soweit. Wir haben uns das ja schließlich erspielt. Wir fühlen uns jetzt auch nicht als Popstars.

Auf der Bühne muß ein bißchen Starrummel sein, aber anschließend ist das dann auch wieder vorbei.

Hat der Erfolg Euer Leben verändert?

Nein. Wir sind eigentlich ein "Familienunternehmen". Unser Fotograf arbeitet für uns von Anfang an, der kennt Peter seit 15 Jahren. Die Managerin ist seit fünf Jahren dabei, es ist immer das selbe Team und der jeweils private Freundeskreis ist komplett der selbe geblieben. Und warum soll man sein Leben an dem Erfolg ausrichten, wenn man sowieso nur wenig Zeit zum Leben hat?

Euch gibt es nun schon acht Jahre. Habt Ihr Pläne für die Zukunft?

Nicht wirklich. Erstmal werden wir die Tour machen und sehen, was mit der Platte passiert. Nächstes Jahr gibt es dann vermutlich keine Platte, vielleicht eine Tour im Herbst. So weit denken wir nicht. Wir werden weitermachen, solange wir können. Es ist ein Geschenk, daß wir so leben dürfen.

Was wärst Du geworden, wenn Du keine Musik gemacht hättest?

Das steht überhaupt nicht zur Frage. Ich wäre generell immer Sängerin geworden. Vielleicht nicht beruflich, aus Existenzgründen. Aber gesungen habe ich schon, seit ich denken kann.

Im April kommt Euer neues Album in die Läden. Wie beschreibst Du die Platte spontan in wenigen Sätzen?

Sie ist sehr ehrlich und sehr nahe. Näher als die anderen. Sie ist superschön produziert, das hat Peter gemacht. Sie ist etwas reifer, von den Texten und auch von den Themen. Das liegt wahrscheinlich daran, daß wir einfach älter werden. Es gibt ein paar Songs, die man vielleicht nicht erwartet hätte, ansonsten ist es ein typisches Rosenstolz-Album.

Über "Nirwana" freuen sich viele Fans sicher tierisch, denn das ist einer unserer ersten Songs, die wir je geschrieben haben. Der hat es bisher nie geschafft, auf eine Platte zu kommen.

"Vom Wesen der Liebe", dieses Märchending, das ist so wie zurück zu den Wurzeln.

"Schlange" ist mein Lieblingslied, das klingt ganz anders, als der Rest, ist aber trotzdem noch als Rosenstolz-Song zu erkennen.

Die anderen sind das, was man von uns erwartet. Aber das liegt nicht daran, daß wir es jetzt für unsere Fans so gemacht haben, sondern daß wir einfach immer noch wir sind. Ist ja auch ganz schön so.

Wie entsteht Eure Musik?

Meistens ist die Musik zuerst da. Peter hat dann den Song schon geschrieben und wir texten dann darauf. Manchmal ist es aber auch umgekehrt. Wie es dann musikalisch umgesetzt wird, brauchen wir uns nicht mehr zu erklären. Da kennen wir uns gut genug.

Die Ideen kommen immer aus dem Leben, aus dem, was man sieht, was man fühlt oder träumt.

Auf Euren Alben ist von Anfang an jeweils ein Song, der einen Monatsnamen als Untertitel trägt. Was steckt dahinter?

Irgendwann wird es eine Jahresplatte mit allen diesen Balladen geben.

Meistens sind es die Balladen, die uns im Moment am wichtigsten waren. Es ist aber eigentlich als Schnapsidee geboren worden. Der erste Song hieß wirklich "Januar", weil dieses Lied für mich von der Stimmung her einfach Januar war. Dann kamen wir auf die Idee, das fortzuführen. Das passierte aber erst, nachdem "Januar" schon da war.

Was erwartet uns auf Eurer Tournee?

Gute Frage, das wüßte ich auch gern. (lacht) Wir sind gerade am Vorbereiten. Wir werden die Platte natürlich nicht eins zu eins übertragen, das wäre langweilig. Es gibt ältere Lieder, es gibt andere Arrangements. Es gibt neue Kostüme, die werden ziemlich klasse, die Zeichnungen habe ich schon bekommen.

Wir fahren erstmalig mit eigener Produktion. Es wird überall das gleich Bühnenbild geben, das gleiche Licht und den gleichen Sound. Das ist streßfreier für uns und das Publikum. Früher hat jeder örtliche Roselstolz Veranstalter die Technikfirma angemietet. Jetzt fahren wir mit einer Firma, die das für alle macht. Da ist dann auch sicher, daß alles da ist, was wir angefordert haben.

Mittlerweile sind wir vierzehn Leute. Wir haben auch wieder die Musiker, die beim letzten Mal mit dabei waren. Neu dazugekommen sind Techniker und was man sonst so braucht. Ich habe jetzt zum ersten Mal eine Garderobiere. Ist aber auch nötig, damit ich nicht nachts um vier im Hotel stehe und meine Klamotten waschen muß. Das gab es bis zum letzten Jahr. Dann war keine Zeit mehr für Autogramme und manche Fans waren sauer...

Was passiert nach dem Konzert, wenn das Publikum langsam verschwindet?

Ab ins Bett! Normalerweise haben wir vor Ort eine kleine Pressekonferenz für die Tagespresse, dann gehen wir, wenn es machbar ist, raus und geben noch Autogramme und anschließend packen wir schnell unsere Sachen.

Man geht ins Bett und dann werden stundenlange Telefonate mit denen zuhause geführt. Meine Freunde wissen inzwischen, daß sie es während der Tour zu erwarten haben, daß nachts um drei oder um vier das Telefon klingelt...

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für Eure Tour!

MH/MaN

Rosenstolz live:

Natürlich kann man Zucker aus der Konserve genießen. Aber warum sollte man sich darauf beschränken, wenn man ihn auch frisch haben kann?

Im Mai und Juni gehen Rosenstolz auf Tour durch Deutschland und die Schweiz. In Sachsen werden sie mehrere Konzerte geben: am 6. Juni in Chemnitz (Kraftwerk) und am 17. Juni in Leipzig im Clara-Zetkin-Park (open air).

Schließlich gibt es noch den Auftritt am 18. Juni in Dresden. AnNa's Kommentar dazu während unseres Interviews: "Bei Euch gibt es doch dieses unglaublich geile Konzert in der 'Jungen Garde'! Die ist wirklich toll. Da freuen wir uns jetzt schon drauf..."

Wir auch. Und deshalb verlosen wir zweimal zwei Freikarten für dieses Open air. Für diejenigen, denen der Weg bis Dresden zu weit ist, haben wir noch zweimal zwei Karten für Leipzig und dreimal zwei Karten für Chemnitz parat. Wenn Ihr Karten für eines der Konzerte gewinnen wollt, dann schreibt einfach eine Postkarte an den GEGENPOL, PF 100 408 in 01074 Dresden, vermerkt darauf das Kennwort "Zucker" und notiert die Stadt, in der Ihr Rosenstolz sehen wollt.

Und wenn Ihr bei unserer Verlosung kein Glück habt - Karten gibt es natürlich auch an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder unter der Ticket-Hotline 0180 / 55700.

Rosenstolz - Mit