Schirmherrschaft: Rosa von Praunheim

"Please notice, this exhibition contains explicit sexual material" war politisch korrekt an der Eingangstür zur Ausstellung in New York zu lesen, um Beschwerden der Besucher vorzubeugen. Seither war die englische Version der jetzt in Leipzig vorgestellten Ausstellung in den Goethe-Instituten San Francisco, Los Angeles, Sydney, London und Prag zu sehen. Derzeit wird sie in Belgrad präsentiert. Beschwerden gab es kaum.

Lesben und Schwule bei einer Gedenkfeier Lesben und Schwule der DDR-Arbeitskreise Homosexualität bei einer Gedenkfeier im KZ Buchenwald 1985
Foto: Matthias Kittlitz

Wer waren die Männer, die sich im 19. und 20. Jahrhundert für die Rechte Homosexueller einsetzten? Welche Ereignisse prägten die Bewegung? Wie sahen homosexuelle Männer aus? Das sind einige der Fragen, denen in der Ausstellung nachgegangen wird.

Auf 22 Ausstellungstafeln wird mit knappen Texten und mittels zahlreicher Bilder die Geschichte der Homosexuellenbewegung in Deutschland von den Anfängen bis in die Gegenwart dargestellt.

Unter den Gründern der weltweit ersten Homosexuellenorganisation, des Wissenschaftlich-humanitären Komitees 1897, war auch der Leipziger Max Spohr. Spohr hatte sich schon in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts als Verleger für Publikationen über Homosexualität eingesetzt, bevor er in seinem Verlag die erste wissenschaftliche Zeitschrift, das Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen (1899-1923) erscheinen ließ. In den 20er Jahren trat die Gruppe "Wir", in der auch der Schriftsteller Bruno Vogel mitwirkte, in Leipzig für die Rechte der Homosexuellen ein. Und 1982 war wiederum Leipzig jene Stadt, von der in der DDR landesweite Impulse für eine homosexuelle Emanzipationsbewegung ausgingen. Insofern wurden auch in Leipzig einige Kapitel schwuler Geschichte in Deutschland begonnen.

Es gibt einen Begleitkatalog zur Ausstellung, in dem vom Ausstellungsmacher Dr. Rainer Herrn weiterführende Daten und Fakten über die Homosexuellenbewegung in Deutschland übersichtlich und verständlich zusammengestellt wurden.

Magnus Hirschfeld und sein Lebensgefährte Karl Giese im Exil in Niza um 1934.
Rechte: Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Die Ausstellung wird am 24. August 2000 um 17.30 Uhr mit einer Talk-Runde eröffnet, Gäste sind u.a. Christina Schenk, MdB (PDS), Prof.Dr. Rüdiger Lautmann, Soziologe aus Hamburg, Eduard Stapel, Dipl.-Theologe u. Dipl.-Journalist, Mitglied des Bundesvorstandes des LSVD und Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen Anhalt, Kathrin Sohre, Beauftragte für gleichgeschlechtliche Lebensweise der Stadt Leipzig, Jörg van Essen, MdB (FDP) und Hans-Georg Stümke (angefragt). Die Kirschblüten, Leipzigs schwuler Chor, werden die Eröffnung mitgestalten. Zu sehen ist die Ausstellung im Neuen Rathaus Leipzig in der Unteren Wandelhalle.

Finanziert wurde die Produktion der Ausstellung vom Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales des Landes Niedersachsen, die Präsentation in Leipzig ist eine Initiative der AIDS-Hilfe Leipzig e.V. in Zusammenarbeit mit den Beauftragten für gleichgeschlechtliche Lebensweise der Stadt Leipzig, unterstützt vom Kulturamt Leipzig, der Stargayte-Sauna Leipzig, dem Förderkreis AIDS-Hilfe Leipzig e.V., dem Hörgerätezentrum Gromke Leipzig und anderen.

Hans Probst, AIDS-Hilfe Leipzig

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