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Du beteiligtst Dich aktiv an der Vorbereitung des Sächsischen CSD 2000. Was hat Dich dazu bewegt?

Ich beteilige mich, weil ich in Dresden die Szene nutze und sämtliche Infos, wie z.B. Eure Zeitschrift oder andere Zeitschriften, und einfach das Bedürfnis habe, meinen Teil dazu beizutragen. Und außerdem bin ich noch relativ "frisch" in der Szene und habe noch den Idealismus, etwas zu verändern. Ich komme aus Hamburg und da ist das sehr schwierig, da ist alles ganz groß und kommerziell.

Kai-Pierre Thieß Kai-Pierre Thieß - Pressesprecher des Sächsischen CSD 2000

An Dresden finde ich so schön, daß man hier noch selbst teilhaben kann.

Welche Aufgabe hast Du im Vorbereitungsteam?

In der Anfangsphase wirkte ich in vielen verschiedenen Bereichen mit. Doch im weiteren Verlauf habe ich gemerkt, daß mir die Öffentlichkeitsarbeit am besten liegt, deshalb habe ich mich jetzt darauf spezialisiert. Dabei bin ich langsam in die Rolle des Pressesprechers reingerutscht und das gefällt mir auch ganz gut.

Wer beteiligt sich außer Dir noch an der Vorbereitung?

Es sind vor allem Vertreter der Vereine, die den CSD organisieren. Dazu gehören das Frauenzentrum sowieso, die AIDS-Hilfe Dresden, der Lederclub Dresden, GEREDE, die RosaLinde aus Leipzig und die CheLSI aus Chemnitz. Kommerzielle Vertreter, außer dem Blue One, haben uns kaum unterstützt.

Der CSD in Dresden soll der Sächsische CSD sein. Kann er diesem Anspruch gerecht werden?

Wir denken, daß er diesem Anspruch gerecht werden kann, da sich Personen und Gruppen aus ganz Sachsen, z.B. auch aus Leipzig und Chemnitz, beteiligen werden. Es wird natürlich keine riesengroße Party mit 10.000 Menschen wie in anderen Städten, es wird kleiner sein, aber sächsisch.

Wie viele Besucher werden erwartet?

Zur Demonstration rechnen wir mit mindestens 500, zur Samstagabendveranstaltung mit 700 Personen.

Der CSD wurde vor 31 Jahren ins Leben gerufen, um gegen Ausgrenzung und Diskriminierung zu protestieren. Sind solche Proteste heute noch zeitgemäß?

Auf jeden Fall. Sicherlich nicht mehr in dem Maße, wie es war, als die Bewegung begann. Aber die Probleme sind einfach neu, und durch die Demonstration wollen wir aufmerksam machen auf soziale Mißstände, die heutzutage noch existieren. Mittlerweile sind wir zum Glück schon soweit, daß wir uns um Forderungen wie die Homo-Ehe kümmern können, was vor 31 Jahren überhaupt nicht denkbar gewesen wäre. Wir sind einfach weiter, aber es gibt trotzdem neue Probleme, auf die wir die Gesellschaft aufmerksam machen sollten. Wir wollen einfach sagen: Leute hier sind wir, heute verstecken wir uns nicht und ihr müßt uns heute angucken.

Der CSD soll also nicht nur Partywochenende sein, sondern auch politische Ziele verfolgen. Wie wollt Ihr das erreichen?

Erst mal werden wir auf der Demonstration unseren Forderungen Ausdruck verleihen, die dort natürlich sehr öffentlichkeitswirksam präsentiert werden. Im Anschluß auf dem Straßenfest haben verschiedene Parteien, Initiativen und Vereine eigene Stände, wovon wir uns ein internes Gesprächsforum erhoffen. Und abgesehen davon wird am Sonntagmorgen noch der traditionelle Politbrunch stattfinden, der sich nun vollkommen auf die politische Problematik bezieht.

Wen wollt Ihr mit dem CSD erreichen? Wer soll mitdemonstrieren, wer soll sich angesprochen fühlen?

Angesprochen fühlen sollen sich primär natürlich alle Homo-, Bi- und Transsexuellen, für die es sonst nicht so möglich ist, sich zu zeigen. Wir wollen Ihnen einfach die Möglichkeit bieten, öffentlich aufzutreten. Es ist ja auch eine ganz andere Sache, ob man das mit Verkleidung tut, oder ob man Herr XY im Anzug ist, aus der Bank. Zum anderen soll die gesamte Bevölkerung angesprochen werden, die Familien, die Hausfrau genauso wie der Bänker, wir wollen jeden ansprechen, wir wollen jeden motivieren mitzugehen und für mehr Akzeptanz und Toleranz und gegen Diskriminierung einzustehen.

Viele Lesben und Schwule nutzen den CSD, um sich bei den Abendveranstaltungen zu amüsieren, nehmen jedoch nicht an den öffentlichen Aktionen wie Demonstration oder Straßenfest teil. Ist das in Euren Augen in Ordnung, oder wünscht Ihr Euch mehr?

Auf jeden Fall wünschen wir uns mehr, weil unsere Arbeit als Vorbereitungsteam natürlich nur Sinn macht, wenn die Angebote auch genutzt werden. Wir arbeiten alle ehrenamtlich, aus reinem Idealismus heraus, und unser Erfolg besteht darin, möglichst viele zu motivieren, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Vielleicht nutzen es viele Homosexuelle deshalb nicht, weil sie einfach zu enttäuscht oder verbittert sind und denken, es läßt sich nichts verändern. Wir sind der Meinung, daß durchaus etwas verändert werden kann, aber nur wenn wir alle zusammen dafür eintreten und beispielsweise den CSD dafür nutzen.

Im vergangenen halben Jahr habt Ihr das nun anstehende Ereignis vorbereitet. Wie verlief die Arbeit, gab es Probleme?

Die Vorbereitung war mit vielen Problemen verbunden. Das lag zum größten Teil daran, daß nur wenige Leute bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet hatten und wir durch mangelhafte Dokumentation vom Vorjahr im Grunde wieder von vorne anfangen mußten. Ein großes Problem hat uns die Samstagabendveranstaltung bereitet. Der Finanzplan der von uns beauftragten Agentur war nicht tragbar, und so mußte kurzfristig eine andere Lösung gefunden werden. Der Abend wurde dann an Ralf Koppetzki abgegeben, der finanziell in der Lage ist, die Veranstaltung durchzuführen, und der über einschlägige Erfahrungen im Party-Bereich verfügt. Ansonsten lief alles recht gut, und wir sind auch recht glücklich über die gute Kooperation mit den Ämtern, was ja durchaus hätte schlechter laufen können.

Warum beteiligen sich so wenig kommerzielle Anbieter am CSD? Ist er für sie nicht interessant?

Ich denke, er ist für sie momentan noch nicht reizvoll. Bei einem CSD in Hamburg, Köln oder Berlin ist es für jeden kommerziellen Anbieter sicherlich interessant, sich zu präsentieren. Viele haben Angst, daß der Sächsische CSD einfach zu klein ist, daß sie dadurch in eine bestimmte Ecke gedrängt werden könnten mit ihrem Unternehmen. Das finden wir sehr schade, und gerade da sind wir bemüht, das zu ändern.

Die Gegenpol-Redaktion bedankt sich für dieses Gespräch und wünscht Euch viel Erfolg bei der Durchführung des CSD und daß Eure Arbeit durch zahlreiches Erscheinen des Publikums gewürdigt wird.

Interview - CSD 2000