... findet im Chemnitzer Schauspielhaus in Christopher Durangs gleichnamiger Komödie noch jedes Töpfchen sein passendes Deckelchen

Die Suche nach einer Beziehung gestaltet sich in unserem heutigen multimedial-modernen Zeitalter der weltweit mobilen Kommunikation paradoxerweise für viele schwieriger denn je. Und so versuchen nicht wenig permanent gestreßte Singles Monat für Monat über eine Kontaktanzeige endlich ihre Sehnsucht nach dem Traumpartner zu stillen. Eine von ihnen ist die etwas ausgeflippte aber recht selbstbewußt wirkende Prudence (Ute Baggeröhr), die nach zahlreichen wilden Jahren nun endlich den ganz normalen Mann fürs Leben sucht, der ihr via Blind-date in Gestalt des bisexuellen Anwalts Bruce (Rocky-Horror-Star Daniel Schröder) Schicksal spielt.

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"Bruce" - Daniel Schröder

Dieser hat von seinem tuntigen Lover Bob (köstlich: Andreas Möckel) sowie dessen nerviger Mutter gehörig die Nase voll und sucht ebenfalls per Anzeige zur Abwechslung nun eine Frau, um so vielleicht ein geregeltes Leben führen zu können. Machohaft und obercool, insgeheim aber völlig unbeholfen, nervös und voller Hoffnungen, treffen sich die beiden nun in einer jener angesagten Schicki-Micki-Bars, in denen das Personal (im Dauereinsatz: Bernd Herold) auch mehr mit sich selbst als mit seiner Arbeit beschäftigt ist.

Der Abend endet im Desaster und die beiden Partnersuchenden landen völlig frustriert am nächsten Tag wieder auf der Couch ihrer Psychiater. Diese halten allerdings vom Zuhören recht wenig, sonder lassen lieber Taten walten, sprich baggern ebenfalls besessen auf der Suche nach der großen Liebe ihre Patienten an: der narzistische, seine Potenz ständig selbstüberschätzende Stuart Framingham (Roy Borm) die verzweifelte Prudence und die mannstolle, divahafte Charlotte Wallace (Elvira Grecki) den am Boden zerstörten Bruce. Da ihre Bemühungen allerdings zunächst auf wenig fruchtbaren Boden stoßen, raten sie den beiden Patienten, natürlich nicht ganz uneigennützig, erneut eine Anzeige aufzugeben und ihr Glück so noch einmal zu versuchen.

Wie es das Schicksal aber will, verabreden sich Bruce und Prudence zufällig ein zweites Mal zu einem Date, womit nun die turbulentesten und haarsträubendsten Verwicklungen ihren Lauf nehmen, bis sich am Ende in jener Schicki-Micki-Bar aus allen beteiligten Personen doch noch drei glückliche Paare finden.

Obwohl sich das Ganze nun stark nach billigem Boulevard-Theater anhört, ist es beim genauen Hinsehen jedoch weitaus mehr; nämlich eine feinsinnige Studie und tiefgründige Kritik am Zeitgeist und Lebensgefühl der ausklingenden 90er Jahre, in der wohl ein jeder von uns, egal ob hetero-, homo- oder bisexuell, ein Stück von sich selbst wiederfindet.

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"Bob" - Andreas Möckel, "Prudence" - Ute Baggeröhr, "Bruce" - Daniel Schröder

Regisseur Oliver Trautwein und dem Ensemble des Chemnitzer Schauspielhauses gelingt es in dieser brillianten Inszenierung und tollen Ausstattung, den Zuschauer so nicht nur zwei Stunden bester Comedy zu servieren, sondern ihn auch mit einem leichten Grübeln wieder in die Nacht zu entlassen. Das Publikum dankte es ihnen mit Standing Ovations bei der Premiere im November letzten Jahres und einem regelmäßig nahezu ausverkauftem Haus.

Alex Roscher und Tibi

Die nächsten Vorstellungen von "Trotz aller Therapie" laufen am 3. April und 18. Mai jeweils um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Chemnitz. Karten gibt es unter 0371/6969696 beim Chemnitzer Theaterservice.

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Trotz aller Therapie ...