Ausstellung im Hygiene-Museum Dresden

Im November eröffnete im Dresdner Hygiene-Museum eine Sonderausstellung mit dem Titel "Sex - Vom Wissen und Wünschen". Ist die schönste Nebensache der Welt wirklich reif fürs Museum? Die Organisatoren möchten das Gegenteil beweisen. Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem geänderten Umgang mit Sexualität im letzten Jahrhundert und interessiert sich für sexuelle Praktiken und Wünsche in einer Zeit, in der man die Sexualität von der Fortpflanzung komplett trennen kann - schließlich existieren die unterschiedlichsten künstlichen Befruchtungsmethoden, die in jedem Labor durchgeführt werden können. Klingt prickelnd...

Eröffnet wird der Ausstellungsbereich mit Andy Warhols Film "Kiss" in einer äußerst nüchternen Lobby, die weitere Raumgestaltung ist ebenfalls eigenwillig, jedoch sehr interessant. Der erste große Saal ist wie eine Bibliothek eingerichtet - hier wird das historische Wissen über die Sexualität in seinen geschichtlichen Kontext eingeordnet. So sind zum Beispiel jugendgefährdende Schriften mit dem Titel "Brunst-Fieber" aus den Siebzigern zu sehen - heute lächeln wir darüber. Oder ein Anti-Onanier-Apparat; seht selbst, was man darunter zu verstehen hat. Mit der Biografie über Lili Elbe wird im nächsten Saal ein Dresdner Schicksal näher beleuchtet. Einar Wegener/ Lili Elbe war der erste Mensch der Welt, der sich 1930 in Dresden einer erfolgreichen Geschlechtsumwandlung unterzog. Im letzten Raum werden auf mehreren Ebenen künstlerische Arbeiten gezeigt, die sich ebenfalls nur um eins drehen - Sex. In Filmen und Videos, unter anderem von einer Performance von Yoko Ono, werden die menschlichen Begierden ganz unterschiedlich dargestellt und verarbeitet. Alles in allem ein sehenswertes Potpourri über den Menschen und seine Sexualität, in (fast) allen ihren Spielarten.

ML

"Sex - Vom Wissen und Wünschen"
Sonderausstellung im Hygiene-Museum Dresden
noch bis 11.08.2002
weitere Infos unter www.dhmd.de

Alles dreht sich um SEX