TV Tips des Monats

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Augenmerk des Monats: WARHOL-SPEZIAL

Mi., 7. Nov., 22.45 Uhr, Arte
Spielfilm
I shot Andy Warhol
(USA 1996, R: Mary Harron, D: Lili Taylor, Jared Harris u.a.)
Die vielversprechende Psychologiestudentin Valerie Solanas bezieht schon im Jahr 1957 konsequent-radikalfeministische Positionen, mit der sie ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus ist. Mit provozierend nachlässiger Kleidung treibt sie sich im New York der frühen 60er auf den Straßen als Bettlerin herum. Über den befreundeten Transvestiten Candy Darling knüpft sie erste Kontakte zu Pop-Art-Künstler Andy Warhol und seiner "Factory". Einem Auftritt in einem seiner Avantgarde-Filme folgt jedoch die Ernüchterung, als dieser die Produktion ihrer eigenen Bühnenstücke ablehnt und der Kreis um Warhol sie mehr und mehr als verrückte Fanatikerin abkanzelt. Zuletzt sieht sich die lesbische Vordenkerin als Opfer einer Verschwörung, hinter der sie Warhol als treibende Kraft vermutet, und verübt auf ihn ein schwerwiegendes Pistolenattentat. Eine visuelle und musikalische Hommage an die Kunstszene der 70er von der früheren Musikkritikerin Mary Harron.

Sa., 10. Nov., 23.30 Uhr, N 3
Dokumentation
Nackte Tanzlust
(von Horst Königstein, Al Corley)
"Nackte Tanzlust" ist die filmische Rekonstruktion von Nächten in des New Yorker "Studio 54". Der Ruf dieser nur ein Jahr existierenden Edeldisco ist legendär. Jede Nacht war ein neues Abenteuer: Bin ich verrückt genug angezogen (oder ausgezogen), um den Türsteher zu passieren? Werde ich auf den Sex-Balkon oder in die "Unterwelt" gelassen? Welche Droge besorge ich mir auf der Uni-Sex-Toilette? Nimmt Warhol mich in die "Factory" auf oder tanzt Truman Capote mit mir? Horst Königstein und Al Corley interviewten 44 Personen, die - im Gegensatz zu sehr vielen inzwischen an AIDS oder Drogen gestorbenen - das "Studio 54" überlebt haben.

Do, 1. Nov., 2.30 Uhr, N 3
Dokumentation
Schwul und katholisch – Leben unter einem Tabu
(von Wilfried Köpke)
Homosexualität und katholische Kirche - das geht nun wirklich nicht. Wie ein homosexueller Mensch Teil einer Gemeinschaft von Gläubigen sein kann, die deren/dessen Identität bzw. deren Ausführung als Sünde verurteilt wird, ist für die meisten Schwulen und Lesben nicht zu verstehen. Wilfried Köpkes Dokumentation soll sowohl strenggläubige, homofeindliche Katholiken wie auch nichtgläubige Homos ansprechen und Toleranz für gläubige Schwule und Lesben schaffen.

So., 4. Nov., 5.50 Uhr, Sat1
Spielfilm
Ein ungleiches Paar
(The Dresser, GB 1093, R: Peter Yates, D: Albert Finney, Tom Courtenay)
London 1940: Nach den Angriffen der deutschen Luftwaffe werden zahlreiche Künstler und Schauspieler einberufen; auch das Ensemble um den von allen nur "Sir" (Albert Finney) genannten, greisen Mimen besteht vorwiegend aus Alten, Behinderten und Kindern. Unzufrieden mit der desolaten künstlerischen Lage tyrannisiert der alte Theaterstar seine Kollegen und vor allem seinen aufopferungsvollen Garderobier, den schwulen Norman (Tom Courtenay), ohne dessen Hilfe er schon längst verloren gewesen wäre. Für den Abend seines 227. Auftritts hält Sir jedoch eine besondere Demütigung bereit ... Dieses atmosphärisch dichte Drama wurde unter anderem mit mehreren Oscar-Nominierungen und einem Silbernen Bären belohnt.

Mo., 5. Nov., 23.00 Uhr, RTL 2
Reportage
Unten ohne – Ich und mein bestes Stück
Freimütig und unbefangen äußern sich ganz unterschiedliche Vertreter des männlichen Geschlechts über ihr "bestes Stück": Junge und Alte, Heterosexuelle und Schwule, Kleine, Große, überdimensional Bestückte oder Impotente. Mal nackte, mal angezogene Männer zwischen 17 und 73 vermitteln auf amüsante Weise, wie männliche Sexualität von Männern erlebt wird.

Di., 6. Nov., 22,25 Uhr, 3Sat
Spielfilm
East Palace, West Palace – Verhör im Dunkeln
(Dong gong xi gong, China 1996, R: Zhuang Yuan, D: Si Han, Hu Sun, Ye Jing)
"East Palace" und "West Palace" stehen als Codewörter für Klappen östlich und westlich des Tiannamen-Platzes in Peking. Bei einer der allabendlichen Razzien trifft der regimetreue Polizist Shi (Hu Sun) auf den provozierend offen schwulen A-Lan, verhaftet ihn und unterzieht ihm einem langen, grotesken Verhör. Schon bald wird deutlich, daß nicht nur polizeilicher Ermittlungseifer, sondern unterschwellige sexuelle Neugier den Polizisten leitet, dessen Opfer gleichfalls Gefallen an seinem Peiniger findet. Je länger das Verhör andauert, desto mehr steigert es sich in ein sadomasochistisch gefärbtes Rollenspiel hinein. Obwohl "East Palace, West Palace" mit schmalen Budget gedreht wurde, ist dieses Zwei-Personen-Kammerspiel ein Aushängeschild des fernöstlichen Kino.

Sa., 10. Nov., 1.00 Uhr, N 3
Spielfilm
Jeanies Clique
(The Foxes, USA 1980, R: Adrian Lyne, D: Jodie Foster, Sally Kellermann, Randy Quaid u.a.)
Jeanie (Jodie Foster) und ihre Freundinnen Madge, Deirdre und Annie pubertieren fröhlich vor sich hin: Nach Außen hin gehaben sie sich super-cool, reden freizügig über angebliche sexuelle Eskapaden. Alle haben jedoch sowohl mit persönlichen als auch sozialen Problemen zu kämpfen. Jeanie ist die Anführerin und der Rückhalt dieser Clique.

Jodie Foster, selbst fast noch im Teenie-Alter, stellt als butche Protagonistin in "Jeanies Clique" ihr außerordentliches Schauspieltalent unter Beweis, ähnlich wie ihre beindruckende Leistung (Oscar-Nominierung!) für die Nebenrolle der Kinderstrichnutte in "Taxi Driver".

So., 11. Nov., 21.00 Uhr, B 1
Charity - Festliche AIDS-Gala mit Loriot
Für alle, die am Vorabend, dem 10. November, nicht an der traditionellen AIDS-Gala in der Deutschen Oper in Berlin teilgenommen haben, zeigt B 1 heute Abend einen zweistündigen Mitschnitt. Vicco von Bülow alias "Loriot" wird natürlich wieder als Conferencier und Interpretator klassischer Musik brillieren, und natürlich wird wieder jede Menge dringend notwendiges Spendengeld zukommen. Kleiner Tip: Wenn Ihr vor dem Fernseher schon kostenlos dabei seid, spart Euch doch auch noch die Chips-Tüte und den Rotwein und spendet ebenfalls!

So. 11. Nov., 23.05 Uhr, MDR
Spielfilm
Sebastian
(Schweden, R: Svend Wam, D: Hampus Björck, Nicolai Cleve Broch)
Der 17jährige Sebastian (Hampus Björck) wird von seinen Eltern gespannt beobachtet - wann wird er sich wohl das erste Mal verlieben? Doch Sebastian ist es schon längst: In seinen besten Freund Ulf (Nicolai Cleve Broch). Nach einem ausgelassenen Abend kommt es zwischen den beiden Teenies sogar zu einem Kuß. Beflügelt outet sich Sebastian bei seinen Eltern, die - ganz moderne Eltern - versuchen, ihrem Sohn Verständnis entgegen zu bringen. Ihre Betroffenheit können sie trotz allem nicht verbergen. Wichtiger ist für Sebastian allerdings, wie sich Ulf beim nächsten Treffen verhalten wird, und ob seine Clique zu ihm steht. Ein liebevoller und unspektakulär erzählter Film, der, obwohl im "aufgeklärten Skandinavien" angesiedelt, die Problematik des Coming-outs verdeutlicht.

So., 18. Nov., 9.10 Uhr, Vox
Zwillinge – Leben im Duett
Der feine Unterschied
Michael und Martin sind Zwillinge, die sich von Kindheit extrem ähnlich sahen, gleich sprachen und sich identisch kleideten. Aber als sie älter wurden, entwickelten sie sich plötzlich völlig unterschiedlich: Michael ist heute gläubiger Katholik, Geschäftsmann und verheiratet. Martin hingegen ist Autor einer TV-Comedyserie und schwul. Diese BBC-Produktion setzt sich mit der modernen Zwillingsforschung auseinander, deren Ergebnisse Aufschlüsse darüber geben können, welche Rolle Genetik und Vererbung tatsächlich spielen.

So., 18. Nov., 20.45, Arte
Spielfilm
Tod in Venedig
(Morte a Venezia, Italien 1970, R: Luchino Visconti, Dirk Bogarde, Silvana Mangano)
Um 1920 sucht der kranke Komponist (Dirk Bogarde) Erholung in Venedig. Künstlerisch wie privat ist er ausgelaugt. Doch bald erwacht wieder Unruhe in ihm: Der eigenwillige Künstler verfällt der Schönheit des jungen Tadzio (Björn Andresen). In "platonischer" Verehrung kann Gustav den Jungen nicht aus den Augen lassen, während die Cholera die Herrschaft über seinen Körper gewinnt. Nach der Novelle von Thomas Mann von Luchino Visconti verfilmtes Meisterwerk im Ambiente der "Belle epoque".

Di., 20. Nov., 22.25 Uhr, 3sat
Spielfilm
Yentl
(USA 1983, R: Barbra Streisand, D: Barbra Streisand, Mandy Patinkin, Nehemiah Persoff, Amy Irving)
1904, irgendwo in Osteuropa. Die junge Jüdin Yentl (Barbra Streisand), von ihrem Vater heimlich in die Lehren des Talmuds eingeführt, nimmt nach dessen Tod entschlossen ihr Schicksal in die Hand: Da sie als Frau nicht auf eine Talmudschule aufgenommen werden darf, schneidet sie sich ihre Haare ab und wird "Anshel". Auf der Schule verliebt sich der hübsche und intelligente Avigdor in die (immer noch als Frau unerkannte) begabte Schülerin. Die Komplikationen dieser Cross-Dressing-Geschichte sind abzusehen ...

Knapp 15 Jahre benötigte Barbra Streisand, um das Geld für diese Musical-Produktion zusammenzutrommeln. Belohnt wurde der Aufwand für Streisand, die sowohl Regie führte, Co-Szenistin war, und natürlich die Hauptrolle sang und spielte, mit einem Oscar für den besten Soundtrack als auch mit diversen Nominierungen.

Fr., 23. Nov., 22 Uhr, RTL II
Spielfilm
Interview mit einem Vampir
(Interview with a vampire, USA 1994, R: Neil Jordan, D: Tom Cruise, Brad Pitt)
Im San Francisco unserer Tage erzählt der 200 Jahre alte Vampir Louis (Brad Pitt) einem Journalisten seine umfangreiche "Lebens"geschichte: wie er von dem attraktiven Lestat "vampirisiert" wurde; wie Louis das kleine Mädchen Claudia, daß der sich von Tierblut ernährende Louis verschmähte, zur Untoten machte; wie sich das Mädchen rächte, und ihren "Mörder" umbringt; wie ... Regisseur Neil Jordan geht bei seinem Werk auf klare Distanz zum klassischen Horrorfilm und setzt wenig Wert auf Schockeffekte, sondern vielmehr auf opulente Bildschwelgereien. Nett: Die krypto-schwule Beziehung von Louis und Lestat.

Sabine König

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