Am ersten Oktober beginnt die "Sanfter Verführer 2001"-Tournee und am 29. Oktober erscheinen unter dem Titel "Es könnte ein Anfang sein" zwei Maxi-CDs mit sieben neuen Stücken des Duos. Wir haben uns die Titel vorab angehört und uns mit Anna und Peter in Berlin getroffen.

FeB

DAS INTERVIEW

GP: Wenn man Eure beiden neuen Maxi-Singles hört, stellt man im Vergleich zu "Kassengift" fest, daß die Musik ruhiger geworden ist...
Peter: Genau, wir haben "Kassengift" sehr opulent und ausladend produziert. Jetzt wollten wir einfach mal wieder zwei Balladenmaxis machen - mehr auf Annas Gesang reduziert und ziemlich akustikgitarrenlastig. Das Ganze hat wirklich viel Spaß gemacht, das ist Musik auf den Punkt gebracht.
GP: Kann man daraus den Schluß ziehen, daß es auch bei Euch etwas ruhiger geworden ist? Mit der steigenden Popularität nach dem Zucker-Album denkt man ja eher, daß der Rummel jetzt erst richtig losgeht.
Peter: Ganz im Gegenteil, beim nächsten Album lassen wir es wieder richtig krachen, das wird überhaupt nicht ruhig.
Anna: Man ändert ja seine Stimmung auch nicht unbedingt stündlich. Aber ruhig um uns oder mit uns, das wird es so schnell nicht werden. Auch persönlich nicht.
GP: Auf einer Maxi ist auch "Paff, der Zauberdrachen" von Marlene Dietrich. Wie seid ihr gerade auf dieses Lied von ihr gekommen?
Anna: Weil es so schön ist. Das war, glaub ich, der einzige Grund.
Peter: Die Melodie läßt dich nicht wieder los, wenn du sie einmal gehört hast. Vornehmlich war es aber der Text - das Sinnbild für Freundschaft. Freundschaft ist auch das Wichtigste im Leben überhaupt. Dieses Sich-binden-können ist etwas, was den Menschen auszeichnet. Einige sagen, das wäre so ein trauriges Lied, aber das finde ich gar nicht. Schließlich wurde die Freundschaft bis zum Ende gelebt.
GP: Mit "Oktober" gibt es wieder einen "Monats-Titel" - wie lange wird es noch dauern bis das "Jahresalbum" erscheint?
Anna: (lacht) Frühestens nach dem Dezember-Song natürlich
GP: Aber der ist noch nicht in Sicht?
Peter: Zunächst kommt ja das Studio-Album - mit "November" natürlich - aber danach wird das sein, denke ich. In welcher Form das Jahresalbum dann erscheinen wird, wissen wir selbst noch nicht. Wir wollen uns ja auch selbst etwas überraschen. Es wäre schlimm, wenn wir jetzt einen Fünf-Jahres-Plan entwickeln würden oder so. (lacht) Das hat ja auch die Geschichte gezeigt, daß das nicht klappt.
Anna: Sehr witzig.
GP: Diesmal habt ihr eine französische Version von "Engel der Schwermut" mit auf eine Maxi gepackt - hattet Ihr nicht auch mal an ein französisches Album gedacht?
Anna: Ja, geplant ist das noch immer, wir können uns aber noch etwas Zeit damit lassen und an das Album relativ druckfrei herangehen. Zumal wir fast sämtliches Material schon haben und uns jetzt aussuchen können, was wir noch machen möchten. Und wenn uns irgendwann danach ist, werden wir das Ding auch veröffentlichen - wenn die Zeit reif ist für uns.
GP: Im Oktober beginnt Eure Deutschland-Tour. Was können die Besucher auf den Konzerten erwarten?
Peter: Auf keinen Fall eine Fortsetzung der Kassengift-Tour. Auch das Setlisting wird komplett neu sein. Natürlich gibt es die Songs, auf die wir und das Publikum nicht verzichten können, aber wir werden auch viel Neues spielen.
GP: Wird das Dresdner Konzert wieder so einmalig wie vor zwei Jahren in der Jungen Garde?
Anna: Dieses Mal sind wir ja, wie letztes Jahr, in der Eissporthalle - zieht Euch also warm an (lacht). Wir würden auch lieber in der Jungen Garde auftreten, aber dieses Konzert ist, auch wegen der unglaublichen Wetterlage, wohl nicht zu toppen - das geht einfach nicht. Das ist ein All-time-favourite Konzert von uns überhaupt.
Peter: Wir kommen aber auf jeden Fall noch einmal in die Junge Garde. Das sei an dieser Stelle versprochen.
GP: Ihr habt in der letzten Zeit viele gemeinsame Produktionen mit anderen Künstlern gemacht - bleibt Rosenstolz ein Duo?
Anna: Nein, wir sind generell ein Duo. Das werden wir auch immer bleiben. Die Stücke mit Nina Hagen oder Hella von Sinnen waren ja auch musikalisch gesehen Duette. Wir werden weder Marc Almond, noch Nina Hagen, noch Hella von Sinnen in unser Duo aufnehmen - sonst wäre es ja auch kein Duo mehr. Auf der Tour haben wir natürlich unsere Band dabei. Da sind allerdings einige Zugänge zu verzeichnen: es ist eine neue Backgroundsängerin dabei und ein neuer Gitarrist.
GP: Für wen schreibt Peter Plate Texte?
Anna: Für uns - in erster Linie.
Peter: Wenn man anfängt zu texten, dann macht man das aus einem inneren Bedürfnis heraus und schreibt dann in erster Linie für sich selbst. Natürlich sind die Texte, die ich für Kim Fisher schreibe, anders als die, die ich für Anna schreibe. Bevor die Arbeit mit Kim begann, haben wir uns öfters getroffen, um herauszufinden, ob und was ich überhaupt für sie schreiben kann, was zu ihr paßt. Aber auch da muß man erst einmal eine Eigenmotivation spüren - Texte schreiben als Auftragsarbeit, das geht so nicht.
GP: Man kann also davon ausgehen, bald mehr von dir zu hören?
Peter: Nein, ihr müßt aber keine Angst haben - singen werde ich nicht (lacht)
GP: Vielen Dank für das Gespräch.
Ein Oktober voller Rosenstolz