Schwule Erzählungen aus ganz Europa

Das vorliegende Lesebuch enthält 30 Erzählungen von 25 europäischen Autoren, 18 Stücke davon liegen erstmals als deutsche Übersetzung vor. Zum Teil sind es Ausschnitte aus Romanen, die meisten sind jedoch eigenständige Kurzgeschichten.

Mit diesem Buch ist es wie mit einem guten Musik-Sampler: das eine oder andere Stück trifft nicht jedermanns Geschmack, aber der geneigte Leser liest diesen Sampler der zeitgenössischen schwulen Literatur teils mit einem dicken Schmunzeln auf dem Gesicht, teilweise aber mit einem beklemmenden Gefühl, daß man dies leider auch schon erleben mußte. Die gesamte Konfliktbreite des schwulen Alltags wird geschildert: Umgang mit Religion, Männlichkeit und Homosexualität, Gewalt gegen Schwule etc. Von Land zu Land fällt auch der unterschiedliche Umgang mit dem Schwulsein auf; so wird es als Selbstverständlichkeit geschildert oder auch als unbekannte Dimension, deren Entdeckung zu einem Befreiungsschlag wird.

Beim Lesen ist mir oft der Gedanke gekommen, daß dieses Buch in jeden Bücherschrank gehört, da es in kurzen Storys einen sehr breit gefächerten Einblick in das schwule Leben Europas bietet. Von Jugenderinnerungen wird eine gekonnte Brücke ins Heute geschlagen, der alltägliche Wahnsinn wird ebenso beschrieben, wie die unbekannte Begierde unter Fremden, manchmal nicht ganz jugendfrei - wobei dies erfreulicherweise die Ausnahme bildet. Verbale Spanner sind bei dieser Lektüre falsch, wer am schwulen Alltag interessiert oder ein Teil dessen ist, wird sich gut aufgehoben fühlen, wenn sie/er an einem kalten Herbstabend "Sodom ist kein Vaterland" zur Hand nimmt.

ML

Dirck Linck (Hrsg.)
Sodom ist kein Vaterland
Literarische Streifzüge durch das schwule Europa
336 Seiten
Querverlag Berlin
ISBN 3-89656-066-2
39,80 DM