Allein die Welt dazwischen

Seinen Freund zum ersten Mal nach Hause zu seinen Eltern mitzubringen, kostet schon etwas Überwindung, noch dazu wenn die Eltern in der tiefsten Provinz leben und dem schwulen Sohn den Wegzug noch nicht richtig verziehen haben. Etwas Unbehagen ist also nur allzu verständlich, wenn dann doch mal so ein berüchtigter Familienbesuch ansteht.

Klaus und Henry, die seit zwei Jahren ein Paar sind, stehen vor genau solch einem Familientreffen. Die Provinz ist in diesem Falle ein thüringischer Ort namens Oberbirk, ein Ort, der viel zu groß ist, um ein Dorf zu sein, aber bei weitem zu klein, um schon als Stadt durchzugehen - so die bezeichnende Ortsbeschreibung des Autors Peter Hofmann, dessen erster Roman "Berlinsolo" im vergangenen Jahr ebenfalls im Querverlag erschien. Der Leser kann sich also vorstellen, was die beiden "Helden" beim Elternbesuch erwartet.

Dabei fängt alles so hoffnungsvoll an. Henry wird von Klaus' Eltern keineswegs von vornherein als Eindringling abgelehnt. Die Familie vermeidet zu Beginn jedwede Konfrontation, wie sie es bisher immer vermieden haben. Aber die Fassade familiärer Harmonie bröckelt zusehends und lange unterdrückte Vorwürfe und unausgesprochene Enttäuschungen treten zutage. Als die gesamte Familie beim festlichen Sonntagsessen um die Tafel versammelt ist, bahnt sich der Showdown an...

Peter Hofmann beschreibt in seinem neuen Roman "Allein die Welt dazwischen" detailgenau und emotional eine kleinbürgerliche Welt, in der Vorurteile genauso zur Einrichtung gehören wie Gartenzwerg und Häkeldeckchen auf dem Fernseher. Sich dabei selbst wiederzuerkennen, macht das Buch zu einem doppelten Lesegenuß.

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Peter Hofmann
Allein die Welt dazwischen
Roman, 238 Seiten
Querverlag Berlin
ISBN 3-89656-064-6
34,00 DM

Elternbesuch