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Augenmerk des Monats: Tunten, Transen, Vaterglück

Di., 2.10., 20.15 Uhr, Sat 1
Spielfilm
Mein Vater, die Tunte
(D 2000, R: Uwe Janson, D: Jan Gregor Kremp, Matthias Schweighöfer, Pasquale Aleardi, Walter Giller u.a.) Sat 1 bringt hier eine nagelneue TV-Produktion ins Programm, die sich des Themas "Sind Schwule die besseren Mütter?" angenommen hat. Offenbar haben sich die AutorInnen in vielen Details von dem Evergreen "La Cage aux Folles" inspirieren lassen: Obertunte Dietrich ist erfolgreicher Besitzer eines Travestieclubs und steht selbst als sein größter Act auf der Bühne. Sein Freund Max möchte ein Kind adoptieren, aber im Zuge der Recherchen stellt sich heraus, das Dietrich bereits seit 20 Jahren Vater ist. Der Sprössling lebt in einem Dorf bei Lübeck, ist ein Macho, spielt American Football und hält seinen Vater, dem er nie begegnet ist, für einen hartgesottenen Weltenbummler. Als das Footballteam in Berlin ein Spiel bestreitet, will sich Dietrich seinen Sprössling aus der Ferne anschauen. Dieser verwechselt ihn aber mit dem sehnlich erwarteten amerikanischen Talentscout und folgt Dietrichs Spur bis in den Travestieclub. Was der Sender als "witzig-spritzige schwule Beziehungskomödie" preist, ist aus Homoperspektive wenig gelungen. Alles Transige sowie das Szeneleben wirken aufgesetzt und unauthentisch, viele Handlungen unmotiviert. Einziges Highlight: Walter Giller in der Rolle einer gealterten Transe.

Di., 16.10., 22 Uhr, WDR
Spielfilm
Ein Käfig voller Narren
("La Cage aux Folles", Frankreich 1978, R: Edouardo Molinaro, D: Ugo Tognazzi, Michelle Serrault u.a.) Der immer noch unerreichte Klassiker des Tuntenfilms: Renato betreibt mit seinem langjährigen Geliebten Albin/Zaza einen Travestie-Club in Saint Tropéz. Anläßlich der Verlobung von Renatos Sohn Laurent mit der Tochter eines homophoben Politikers kommt es beim ersten gemeinsamen Abend der beiden "Familien" zu einem gnadenlos komischen Verwirrspiel - denn Laurents zukünftiger Schwiegervater ist komplett ahnungslos.

Di., 23.10., 22 Uhr, WDR
Spielfilm
Noch ein Käfig voller Narren
("La Cage aux Folles II", Frankreich 1980, R: Edouardo Molinaro, D: Ugo Tognazzi, Michelle Serrault u.a.) Auf den sensationellen Kassenerfolg von "La cage aux Folles" musste eine Fortsetzung folgen: Diesmal geraten Renato und Albin unfreiwillig in eine Spionagegeschichte und als Lockvögel zwischen die Fronten der Geheimdienste. Ein gegenüber der ersten Folge recht konstruiert wirkende Geschichte, dennoch spielen die Hauptdarsteller wieder hinreißend und überraschend authentisch.

Mi., 3.10., 22.35 Uhr, ORB
Spielfilm
Coming Out
(DDR 1989, R: Heiner Carow, D: Matthias Freihof, Dagmar Manzel u.a.) Am Tag des Mauerfalls hatte Carows mutiger Film seine Premiere im Kino International: Der Lehrer Matthias fühlt sich zu Männern hingezogen, wagt aber erste Annäherungen nur heimlich. Er beginnt er eine Beziehung mit seiner Kollegin Dagmar, aber zu seiner großen Liebe wird Philipp, dem er auf einem seiner verstohlen Ausflüge in die Ostberliner Schwulenszene begegnet. Im Zwiespalt seiner Gefühle zwischen Liebe und Angst verliert er sowohl Philipp als auch Dagmar und die Sicherheit seiner unbescholtenen Existenz, bevor er sich am Ende des dornigen Weges zu seinem Schwulsein bekennen kann.

Sa., 6.10., 23 Uhr, ORB
Spielfilm
Hollow Reed
(GB 1995, R: Angela Pope, D: Sam Bould, Martin Donovan, Joely Richardson, Jason Fleming u.a.) Der Arzt Martyn Wyatt lebt mit seinem Geliebten Tom zusammen, sein kleiner Sohn Oliver aus einer geschiedenen Ehe lebt bei seiner Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten. Eines Tages mehren sich die Hinweise, dass der Junge von diesem misshandelt wird und Marty nimmt den Kampf um das Sorgerecht für seinen Sohn auf - als offen lebender Schwuler mit wenig Chancen. Ein beunruhigender Film voller Melancholie, Verzweiflung und Wut, aber auch voller Zärtlichkeit, der nicht diffamiert, sondern menschliches Verhalten begreiflich macht.

Sa., 6.10., 0.10 Uhr, Bayern 3
Spielfilm
Die Frauen
("The Women", USA 1939, R: George Cukor, B: Anita Loos, Jane Murfin, D: Norma Shearer, Joan Crawford, Rosalind Russell u.a.) Dem schwulen Hollywood-Regisseur George Cukor gelang hier ein wahrhafter Kult-Klassiker des Komödiengenres, ein Feuerwerk aus Scharfzüngigkeit und Wortwitz und eine geniale Satire auf die feine Gesellschaft. An seinem Film wirkten mehr als 30 Schauspielerinnen mit, aber nie kommt ein einziger Mann ins Bild. Dennoch dreht sich alles um das vermeintlich "starke" Geschlecht: Wie frau es zu Ehemännern machen kann, es als Gatten und Ernährer behält und wie sich Rivalinnen aus dem Feld schlagen lassen.

So., 7.10., 1.30 Uhr, ZDF
Spielfilm
Wenn die Nacht beginnt
("When Night is Falling", Kanada 1995, R: Patricia Rozema, D: Pascale Bussières, Rachael Crawford u.a.) Eine schöne lesbische Liebesgeschichte, zwischen der kühlen Alltagswelt Torontos und der magischen Atmosphäre eines kleinen Wanderzirkus angesiedelt: Camille ist Lehrerin an einem christlichen College und seit mehreren Jahren mit ihrem Kollegen Martin liiert. Durch Zufall begegnet sie der geheimnisvollen Schönheit Petra, die als Artistin in einem Wanderzirkus arbeitet, und ebenso einfallsreich wie eindringlich um sie zu werben beginnt. Dies stürzt die (noch) zaudernde Camille inmitten all der starren, christlichen Konventionen in einen seelischen Konflikt.

Do., 11.10., 23 Uhr, ARD
Spielfilm
Oi! Warning
(D 1998, R: Dominik und Benjamin Reding, D: Sascha Backhaus, Simon Goerts, Sandra Borgmann u.a.) Dieser ungewöhnliche Film der Brüder Reding gewann zahlreiche internationale Festivalpreise: Der 17-jährige Janosch flüchtet aus seinem Heimatort am Bodensee zu seinem alten Freund Koma nach Dortmund. Koma ist Skinhead, er ist stark und lässt sich von niemanden etwas gefallen. Janosch ist fasziniert von dieser verwirrend neuen Welt aus Gewalt, Musik und Alkohol und übernimmt ihre Ästhetik und Verhaltensmuster. Als er den Bauwagenpunk Zottel kennen lernt und es zwischen beiden zu einer zarten Annäherung kommt, gerät seine neue Welt wiederum aus den Fugen. Koma schaut Janoschs Treiben nur kurze Zeit untätig zu.

Sa., 13.10., 22.35 Uhr, Arte
Spielfilm
Die Untreuen
("Les Infidèles", Frankreich 1997, R: Randa Chahal Sabbag, D: Jean-Marc barr, Thibault de Montalembert u.a.) Nichts ist so provokant wie die Liebe zwischen zwei Feinden: Der französische Diplomat Charles trifft sich in Kairo mit dem islamischen Extremisten Farid, der dem Geheimdienst Informationen über Terroristen im Austausch gegen die Freilassung seines Freundes angeboten hat. Bei ihren Zusammenkünften prallen die Unterschiede zwischen Orient und Okzident heftig aufeinander - im Glauben, in politischen Ansichten, in der Mentalität. Zugleich fühlen sich die beiden Männer stark voneinander angezogen. Charles Frau Juliette wird dabei in der von Männern dominierten Welt des Orient in die Rolle der Außenseiterin gedrängt.

Mo., 15.10., 23.30 Uhr, RTL
Reportage
AndersTREND
Die Produktionsfirma "center TV" kehrt mit einer neuen Staffel des Magazins um homosexuelle Lebenswelten zurück und verspricht "mehr Lifestyle und mehr Genussorientierung". Der Moderator wird zuvor noch per TED von den Zuschauern der Sendung "money TREND" gewählt (ab dem 17.9.). Die angekündigten Themen der ersten Folge: "Schön durch Anabolika und Six-Pack-Implantate: Die neuen Leiden des schwulen Body-Kults" oder "Vom Table-Dance zum Tunten-Tango: Die schwulen Nightlife-Highlights in Deutschland" oder "Top 5 of Love & Hate: Was Homosexualität so anziehend und so abstoßend macht".

Do., 18.10., 20.15 Uhr, 3sat
Spielfilm
Peter's Friends
(GB 1992, R: Kenneth Branagh, D: Emma Thompson, Stephen Fry, Kenneth Branagh u.a.) Sechs Freunde aus Collegezeiten treffen sich nach zehn Jahren wieder, um auf Peters noblem Familiensitz gemeinsam Silvester zu feiern. Was mit großem Hallo beginnt, wird bald zu einer emotionalen Odyssee durch die Lebensproblematiken der einstigen Freunde. Zuletzt hat der homosexuelle Peter (herausragend: Stephen Fry) eine traurige Ankündigung zu machen, die die Sorgen aller relativiert. Branagh hat mit leichter Hand eine typisch britische Komödie inszeniert, bissig, witzig und vergnüglich trotz des thematischen Tiefgangs.

So., 21.10., 0.50 Uhr, Sat 1
Spielfilm
Blood and Donuts
(Kanada 1995, R: Holly Dale, D: Gordon Currie, Fiona Reid, Justin Louis, David Cronenberg, Helen Clarkson) Seit 1969 schläft der bisexuelle Vampir Boya friedlich in einem Seesack, als ihn ein Golfball aus seinem Schlummer reißt. Trotz des vom langen Liegen schmerzenden Rückens macht er sich auf in die Nacht, um das seit den Sechzigern völlig veränderte Toronto zu erkunden. Er steht einem Taxifahrer bei, der mit der örtlichen Mafia aneinandergeraten ist und verhilft einer Doughnutverkäuferin, die den Glauben an das Gute im Menschen verloren hat, zu neuer Lebensfreude. Dem Freundestrio droht aber nicht nur Gefahr vom lokalen Gangsterboss, sondern auch von Boyas eifersüchtigem Ex-Lover, dem Boyas neuer Lebenswandel arg misfällt.

Di., 23.10., 1.05 Uhr, ARD
Spielfilm
Wunderbare Augenblicke der Luftfahrt
("Great Moments In Aviation", USA/GB 1993, R: Beeban Kidron, D: Rakje Ayola, Jonathan Pryce, John Hurt u.a.) Regisseur Kidron ("Oranges are not the Only Fruit", "To Wong Foo...") verfilmte hier ein Drehbuch der lesbischen Autorin Jeanette Winterson über eine junge Frau aus Grenada, die in den 50er Jahren auf einem Dampfer nach England reist, um dort Pilotin zu werden. Durch einen Irrtum teilt sie die Kabine mit einem geheimnisvollen Fremden. In einer Nebenhandlung geht es um zwei ältliche Jungfern (Dorothy Tutin und Vanessa Redgrave), zwischen denen es zu einem rührenden Coming-Out kommt.

Sa., 27.10., 20.15 Uhr, 3sat
Show
On the Run - Eine Reise ins Glück
"Die Geschwister Pfister und das Johannes Roloff Trio": Aufzeichnung einer Show in der Berliner "Bar jeder Vernunft" im Mai 2001. Die Geschwister Pfister - Ursli und Toni Pfister, Fräulein Schneider - auf der Flucht vor den Eitelkeiten des Showbiz. Auf der Suche nach ihrer verlorenen Identität tauschen sie Designeroutfit gegen Altkleider und ziehen mit einem Planwagen durch die imaginären Lande - singend, tanzend, lachend und kochend.

Texte Anne-K. Jung

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