Braucht Dresden oder die Gesellschaft in Deutschland noch einen CSD?

Mario (22):

Diese Frage ist mit einem "Ja" zu beantworten. Zum einen, wenn man sich die Diskussionen in den Medien um die Homo-"Ehe" anschaut. Zum anderen muß man die Signalwirkung einer solchen Veranstaltung sehen. Das Motto "Du bist nicht allein" wird so am besten deutlich gemacht und hilft mit großer Sicherheit manchem bei seinem Outing. Die Gesellschaft ist heute zwar über vieles informiert, dafür haben Prominente aus Politik und dem Showbiz gesorgt. Dennoch sind nach wie vor Vorurteile präsent.

Die kann man auch nicht mit einem CSD verringern. Die Forderung nach einer toleranteren Gesellschaft kann nur zelebriert werden. Wichtig ist die Veranstaltung schon. Vielleicht auch deshalb, weil sie auch Anziehungspunkt für eine Menge von Leuten ist, die genauso fühlen wie Du und ich - ein Treffpunkt für so viele unterschiedliche Menschen. Wo findet man so etwas, außer bei der Loveparade oder größeren Veranstaltungen? Dresden ist ein ganz besonderes Beispiel. In einer eher konservativ geprägten Stadt ist der CSD der wichtigste Magnet für Schwule, Lesben und alle anderen. Es sollte gezeigt werden, daß wir auch in dieser Stadt leben und ein bestimmtes Anrecht auf unser Leben und unser Vergnügen haben.

Daniel (24):

Ein CSD ist heute genau genommen nicht mehr nötig.

Schließlich ging es ja mal darum, für die Akzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft zu kämpfen. Gleiche Rechte, Toleranz und so. In dieser Beziehung geht es uns ja heute ziemlich gut.

Ich kann zumindest nicht meckern.

CSD - Straßenfest Ich will damit aber nicht sagen, daß wir uns auf den Lorbeeren ausruhen sollten. Nur glaube ich nicht, daß wir mit einer Veranstaltung wie dem CSD die Politik beeinflußen oder den Normalbürgern ihre Vorurteile nehmen können.

Aber so ein CSD mit vielen bunten, schrillen, auffälligen aber auch ganz "normal" aussehenden Leuten ist natürlich perfekt geeignet, den Menschen zu zeigen, daß es uns gibt.

Und daß wir uns nicht verstecken.

Na und Spaß macht es natürlich auch. Von daher bin ich sehr froh, daß es den CSD noch heute gibt.

Mike (19):

Der ganze politische Kram interessiert mich eigentlich nicht.

Ich will doch nur, daß man mich in Ruhe läßt mit den Demos und so. Außerdem hab ich keine Lust, mir wieder einmal die neuesten Homoehe-Forderungen der Vereine und Parteien anzutun, das interessiert mich nicht. Jetzt will ich erst mal meinen Spaß, alles andere kommt später.

Claudia (32):

Ja klar brauchen wir hier in der Provinz noch den CSD.

Gerade hier in der Provinz. Hier besitzt der CSD es wenigstens noch einen Hauch politischer Demonstration, und ist nicht nur Party wie in Berlin oder Köln.

Gerade hier muß man doch zeigen, daß sich Lesben und Schwule nicht verstecken müssen.

Ich wird auf jeden Fall dabeisein, und nicht nur zu den Parties, sondern auch bei der Demo in der Dresdner Innenstadt.

Gerd (45):

Wenn man CSD als reines Straßentheater interpretiert, so braucht man diese Veranstaltung sicher weniger. Wichtig ist dieser Tag aber, wenn er als ein Tag verstanden wird, der das schwule und lesbische Leben ins gesellschaftliche Bewußtsein bringt. Dies ist auch heute noch nötig. Ich denke da zum einen an junge Leute, die außerhalb der Großstädte immer noch um eine Aktzeptanz ihrer Homosexualität kämpfen müssen und zum anderen an die Kirchen, wo es immer noch Vorurteile gibt und eine homosexuelle Partnerschaft für viele Gläubige nicht als christlicher Lebensweg möglich ist.

Beim CSD sind also alle Schwulen und Lesben aufgerufen ihre Lebenseinstellung zu vertreten und diese variiert bekanntlich wie die Farben des Regenbogens.

Robert (30, Hetero):

Ja, wir brauchen den CSD! Dem spricht nicht die Tatsache entgegen, daß die schwul-lesbische Bewegung heute mehr denn je anerkannt ist. Sie ist lediglich formal akzeptiert. Tatsächlich sind Schwule im Lebensalltag noch immer nicht akzeptiert. Zwar können sie sich in Sachsen im Regierungspräsidium als Lebenspartner eintragen lassen - nicht jedoch anschließend händchenhaltend durch die Straßen gehen.

Der CSD ist zumindest als Institution geeignet, Bewußtseinserweiterung in den Köpfen der Heteros zu betreiben und den Schwulen Mut zu machen.

CSD 2002 Umfrage