Max Spohr Preis für die Deutsche Bank AG

Zum zweiten Mal verlieh der Völklinger Kreis, der Bundesverband der Gay Manager, den Max-Spohr-Management-Preis an ein großes Wirtschaftsunternehmen in Deutschland. Der Preis ist eine Auszeichnung für die Integration des Diversity-Gedankes in das Unternehmenskonzept.

Diversity steht für Toleranz, Vielfalt und Akzeptanz aller unterschiedlichen Mitarbeiter in einem Unternehmen. Nachdem im vergangenen Jahr die Ford-Werke den Preis erhalten hatten, wurde der Max-Spohr-Preis 2002 am 18. April unter der Schirmherrschaft der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger an die Deutsche Bank AG überreicht. Die schwulen Führungskräfte würdigen mit der Verleihung das Managementkonzept des globalen Unternehmens, welches Diskriminierung aufgrund persönlicher Unterschiede seiner Mitarbeiter wie Geschlecht, Hautfarbe, Alter, Kultur, Behinderung, Religion oder sexueller Orientierung nicht nur untersagt, sondern die unterschiedlichen persönlichen Hintergründe seiner Mitarbeiter fördert und bewußt nutzt. In ihrer Laudatio würdigte Lea Rosh, Vorsitzende der Jury und ebenfalls Vorsitzende der Stiftung "Denkmal für die ermodeten Juden in Europa", die Deutsche Bank AG als Unternehmen, welches den Diversity Gedanken mit allen Managementinstrumenten, mit aktiver Vorstandsbeteiligung, aber auch auf allen Ebenen der Mitarbeiterschaft zu einem Kernbestandteil der eigenen Marke erklärt hat. Als exemplarische Belege dafür nannte Rosh die weitgehende soziale Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften innerhalb des Unternehmens, gefordert und dokumentiert im firmeninternen Verhaltenscodex und in zahlreichen speziellen Betriebsvereinbarungen.

Bereits kurz nach Bekanntgabe des Preisträgers wurde auch schon Kritik an der vergabe des Preises an die Deutsche Bank AG angemeldet. Die Arbeitsgemeinschaft Schwulenpolitik des whk erklärte unter der Überschrift "War Auschwitz "Diversity Management?", daß die Ehrung der Deutschen Bank mit dem Max-Spohr-Preis aufgrund der Vergangenheit der Bank im 3. Reich eine Verhöhnung der NS-Opfer darstelle. Es wurde seitens des whk die sofortige Einstellung des Max-Spohr-Preises gefordert.

Der Kommentar:

Das whk kritisiert die Vergabe des Max-Spohr-Preises durch den Völklinger Kreis an die Deutsche Bank aufgrund deren historischen Mitverantwortung im NS-Reich.

Ein Unternehmen, welches sich aktiv im Dritten Reich beteiligte könne nicht für sich in Anspruch nehmen, mit einem Preis für Toleranz und Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensweisen ausgezeichnet zu werden, dies sei pietätlos und verhöhne die Opfer des NS-Regimes.

Nun ungeachtet der tatsächlichen und unbestrittenen Mitverantwortung des Unternehmens unter Hitler, ist der Max-Spohr-Preis keine Ehrung für die geschichtliche Leistung der Deutschen Bank. Er ist vielmehr ein Preis für das Jetzt und Heute, eine Bewertung und Würdigung einer derzeitigen Firmenpolitik, die sich eben - ganz im Gegensatz zur früheren Verantwortung - aktiv für die Integration aller Mitarbeiter einsetzt und deren unterschiedliche Lebensweisen akzeptiert und fördert.

Die Mittäter von damals sind schon lange nicht mehr in der Deutschen Bank, Management und Firmenphilosophie haben sich geändert. Und man darf die Leistung eines Unternehmens eben nicht nur aus historischer Sicht bewerten, genauso gut könnte man dem heutigen Deutschland die Anerkennung auf dem internationalen politischen Parkett verweigern, mit dem Hinweis auf die unbestrittene deutsche Schuld am 2. Weltkrieg, aber es geht nicht darum, nur noch zurückzublicken, sondern es geht - in der Zeit, wo nationalsozialistisches Gedankengut wieder im Kommen ist - viel mehr darum, nach vorn zu schauen und Ereignisse wie Auschwitz und den 2. Weltkrieg zu verhindern. Und dabei hat die Deutsche Bank durch ihr Diversity Konzept vielleicht auch einen kleinen Anteil.

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