Gedanken zum Naziaufmarsch am 6. April in Leipzig

Auch der dritte Anlauf der Neonazis, durch Leipzig zu marschieren, schlug fehl. Ausschlaggebend waren die Polizeitaktik und vor allem der couragierte Widerstand der Bevölkerung. Die Neonazi-Demonstration durfte nur unter vielen Auflagen stattfinden, darunter auch einige "Verzögerungsauflagen", so durften beispielsweise keine Bomberjacken, Springerstiefel und Fahnen mitgeführt werden. Jeder der etwa 700 Teilnehmer mußte sich einer längeren Leibesvisitation unterziehen, die Personalien wurden aufgenommen und wenn einer aufs Klo mußte, ging die Prozedur wieder von vorn los. So wurden einige Stunden Zeit geschunden, denn die Nazis mußten um 19:30 Uhr aufhören und hatten noch 10 Kilometer Marschroute vor sich. Als nun alle kontrolliert waren, wurden die Ordner überprüft. Ein Ordner pro 50 Teilnehmer, lautete die Auflage. Nur acht der angemeldeten vierzig Ordner konnten zugelassen werden, der Rest mußte aufgrund von Vorstrafen ausscheiden. Anmelder Worch hatte also die Wahl: abbrechen oder mit maximal 400 Leuten loszulaufen. Er entschied sich für die erste Option und besiegelte damit die dritte gescheiterte rechte Demo der letzten sieben Monate.

Nur 200 Meter vom Sammelpunkt der Neonazis entfernt fand ein Jugendfestival des Bündnisses "Jugend ist bunt" statt. Bands wie Die bösen Mädchen oder Volly Tanner spielten so laut für die rund 5000 Gegendemonstranten, daß eine Kundgebung der Rechten unmöglich wurde.

Als später bekannt wurde, daß die Nazis nicht mehr marschieren, wurde die Situation etwas brenzlich. Beim Rückzug der gescheiterten Nazis verloren die 4000 (!) Polizisten die Kontrolle und so kam es zu kleineren Zusammenstößen zwischen den Nazis, welche ihrem Ärger lautstark Luft machten, und Gegendemonstranten. Alles in allem blieb es aber recht ruhig und alle waren zufrieden, daß Leipzigs Straßen nicht zur Bühne für rechts Gedankengut mißbraucht werden konnten. Am Ende blieb eine Rechnung von mehreren Millionen Euro für den Polizeieinsatz und die Gewißheit, daß man bald wieder Courage zeigen muß und wird. Denn Christian Worch hat bereits fünf (!) weitere Demonstrationen angemeldet, die nächste am 8. Juni gegen die Wehrmachtaustellung, welche dann in Leipzig zu Gast sein wird. In den folgenden Monaten soll jeweils der erste Samstag zum Aufmarschtag für die Neonazis werden. Kein Grund sich in den nächsten Monaten davon einschüchtern zu lassen.

Bereits am Vorabend des 6. April hatte die schwuLesBische Gruppe "Queer gegen Rechts" zu einer Party eingeladen, auf der man diskutierte, was am nächsten Tag passieren wird, und bei der rund 200 Leute Motivation tankten. Drei Bands ("Viscus", "D.H." und der "Rattenbarchor") sorgten für tolle Atmosphäre, zwei DJ's ließen den Abend ausklingen und die RosaLinde war voller optimistischer Menschen, die eine tolle Party feierten. So macht Widerstand Spaß!

Daniel, Leipzig