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TV-Tips des Monats: 2 Klassiker

Do., 9. Mai, 8.00 Uhr, Kabel 1
Spielfilm
Der Tod in Venedig
(I 1970, R: Luchino Visconti, D: Dirk Bogarde, Bjrn Andresen, Silvana Mangano u.a.) Noch in den 90ern war Viscontis geniale Verfilmung der Novelle von Thomas Mann absolut unverzichtbares schwules Kulturgut. Vor der zeitlos morbiden Kulisse Venedigs erzählt Visconti die tragisch-schöne Geschichte des Komponisten Gustav von Aschenbach, der dem hübschen, androgynen Knaben Tadzio in unerfüllbarer Liebe verfällt, während seinen von Krankheit geschwächten Körper die Kräfte immer mehr verlassen.

So., 12. Mai, 13.50 Uhr, ZDF
Spielfilm
Mädchen in Uniform
(D/F 1958, R: Géza von Radvány, D: Romy Schneider, Lilli Palmer, Sabine Sinjen, Therese Giehse) Remake des gleichnamigen Lesbenklassikers von Leontine Sagan aus dem Jahr 1931, nach dem Bühnenstück "Gestern und heute" von Christa Winsloe: Nach dem Tod ihrer Mutter wird Manuela von Meinhardis auf ein preußisch-streng geführtes Mädcheninternat geschickt. Die einzige Wärme und Zuwendung erfährt Manuela hier von der etwas moderner eingestellten Lehrerin Fräulein von Bernburg, die sich fürsorglich ihrer annimmt. Die aufkeimende Liebe Manuelas zu der von ihr angeschwärmten Lehrerin ist jedoch nicht vereinbar mit der rigiden Moral ihrer wilhelminischen Umwelt und führt zu einer dramatischen Zuspitzung der Situation.

Mi., 1. Mai, 22.15 Uhr, Vox
Spielfilm
Heavenly Creatures
(D/Neuseeland 1994, R: Peter Jackson, D: Kate Winslett, Melanie Lynskey, Peter Elliott u.a.) Ein laut FAZ-Kritik "nie zwiespältig, doch aufregend zweigleisiger" Spielfilm nach einem authentischen Kriminalfall aus dem Jahre 1954: Juliet Hulme und Pauline Parker, zwei Teenager im neuseeländischen Christchurch, flüchten sich gemeinsam in eine immer agressiver werdende Phantasiewelt. In ihrer Obsession für ihre Imaginationen und füreinander verlieren sie zunehmend den Kontakt zur Realität. Der Versuch der Eltern, die beiden zu trennen, führt zu einer Katastrophe.

Do., 2. Mai, 20.45 Uhr, Arte
Spielfilm
Cocktail für eine Leiche
("Rope", USA 1948, R: Alfred Hitchcock, D: James Stewart, Farley Granger u.a.) Die beiden (homosexuellen) Studenten Brandon und Philip strangulieren kaltblütig einen Kommilitonen, nur um die Theorie ihres ehemaligen Professors in die Tat umzusetzen, daß geistig höher stehende Individuen das Recht hätten, geringere zu eliminieren. Mit ihrem vermeintlich perfekten Verbrechen wollen sie der Welt ihre Überlegenheit beweisen. Sie verstauen die Leiche in einer Kiste unter dem Tisch in ihrem Loft und laden Freunde, Eltern und Verlobte nebst besagtem Professor zu einer Cocktailparty ein. Das Drehbuch basiert auf einer wahren Begebenheit und bot Altmeister Hitchcock das ideale Setting für eine bühnenähnliche Konzeption und eine geniale intellektuell-spielerische Machart.

Mo., 6. Mai, 20.15 Uhr, Kabel 1
Spielfilm
Kaffee, Milch & Zucker
("Boys on the Side", USA 1995, R: Herbert Ross, D: Whoopi Goldberg, Mary-Louise Parker, Drew Barrymore) Die schwarze lesbische Musikerin Jane sucht eine Mitfahrgelegenheit von New York nach Kalifornien ... und findet sich wieder im Auto der recht braven Maklerin Robin. Unterwegs schließt sich ihnen Janes durchgeknallte Freundin Holly an, deren gewalttätiger Freund an den unbeabsichtigten Folgen eines Handgemenges mit den dreien stirbt. Die Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, wachsen auf der gemeinsamen Flucht zu einer Gemeinschaft zusammen, bis Robins HIV-Infektion sie zum Abbruch der Reise zwingt. In einem gemeinsam gemieteten Haus in Phoenix versuchen sie, das Beste aus der ihnen verbleibenden Zeit zu machen.

Mo., 6. Mai, 22.45 Uhr, Arte
Dokumentarfilm
Gotteszell - Ein Frauengefängnis
(D 2001, von Helga Reidemeister) In dieser mehrfach mit Festivalpreisen ausgezeichneten Dokumentation porträtiert die Filmemacherin sechs im Frauengefängnis "Gotteszell" - einem ehemaligen Frauenkloster bei Schwäbisch Gmünd - inhaftierte Frauen, denen allen Totschlag, Mordversuch und Mord zur Last gelegt worden sind. Die Frauen sprechen über ihr Leben vor der Haft, ihr Verhältnis zur Tat, den Alltag im Knast, ihre Wünsche und Hoffnungen. Durch die Biografien der verurteilten Frauen zieht sich ein roter Faden von erlittenen Drohungen und Verletzungen bis hin zu jahrelang ertragener physischer und psychischer Gewalt.

Di., 7. Mai, 21.50 Uhr, 3sat
Kurzfilm
Reibereien
("Roces", Peru 2000, R: Alvaro Velarde, D: Rebeca Raez, Ernesto Ko ester u.a.) An einer nächtlichen Bushaltestelle warten sechs ganz unterschiedliche Personen auf den Bus - ein tätowierter junger Mann, eine schick gekleidete Frau, ein Arbeiter, ein Geistlicher, ein Schwuler und ein Geschäftsmann. In kürzester Zeit entwickeln sie heftige, auf Vorurteilen basierende Abneigungen gegeneinander und versuchen, sich aus dem Weg zu gehen. Als der Bus schließlich eintrifft, müssen sie auf engstem Raum gemeinsam die Fahrt antreten.

Sa., 11. Mai, 22.10 Uhr, ARD
Spielfilm
In & Out - Rosa wie die Liebe
(USA 1997, R: Frank Oz, D: Kevin Kline, Tom Selleck, Matt Dillon u.a.) Leichte Feelgood-Komödie mit Kevin Kline in der Rolle eines College-Lehrers, der versehentlich landesweit geoutet wird, noch bevor er selbst auch nur daran denkt, schwul zu sein. Ausgerechnet am Vorabend seiner lange geplanten Hochzeit fallen die Medien in seine beschauliche Kleinstadtidylle ein und bringen sein Selbstbild folgenschwer durcheinander. Allen voran der smarte schwule Fernsehreporter Peter Malloy (gut besetzt mit Tom "Ich-bin-nicht-schwul" Selleck !).

Mi., 15. Mai, 23.55 Uhr, 3sat
Dokumentation
Indian Queens
(Schweiz 2000, von Chitra-Lekha Sarkar) In Indien ist Homosexualität noch immer offiziell verboten und ein Ausbruch aus Prüderie und Unterdrückung ist schwer, auch wenn Wirtschaftsliberalisierung und mediale Entwicklung den Weg zu mehr sexueller Freizügigkeit in der indischen Kultur zu ebnen scheinen. Die ungewöhnliche Dokumentation beleuchtet die Situation in Indien am Beispiel der vergleichsweise jungen Homo-Subkultur Bombays.

So., 19. Mai, 20.45 Uhr, Arte
Spielfilm
Ein besonderer Tag
("Una giornata particolare", Italien/Canada 1977, B+R: Ettore Scuola, D: Marcello Mastroianni, Sophia Loren u.a.) Am 8. Mai 1938 feiert ganz Rom den Besuch Adolf Hitlers, der sein Bündnis mit Italien pompös bekräftigt. Nur zwei Bewohner eines Mietshauses in einer römischen Vorstadt sind an diesem historischen Tag nicht dabei: Antoinetta mußte daheim bleiben, um ihre Kinder zu versorgen ... und Gabriele, ein wegen seiner Homosexualität von den Faschisten entlassener Rundfunksprecher, der an Selbstmord denkt. Der Zufall führt die beiden zusammen, die trotz aller Unterschiede verzweifelt auf der Suche nach menschlichem Halt sind. Ein einfacher, aber kraftvoller Film über Freundschaft, Liebe und Hoffnung in schwierigen Zeiten.

So., 19. Mai, 20.15 Uhr, Sat 1
Spielfilm
Der bewegte Mann
(D 1994, R: Sönke Wortmann, D: Joachim Król, Til Aschweiger, Katja Riemann, Rufus Beck u.a.) Selten wurde ein Kult-Comic so gelungen und erfolgreich verfilmt wie "Der bewegte Mann" von Szeneliebling Ralf König - gleich drei Bundesfilmpreise und ein Bambi brachte er ein und verhalf so den bundesdeutschen Homos zu viel wohlwollender Aufmerksamkeit. Wer die köstlich-komische Geschichte um einen verwirrten Hetero unter tuntigen Schwulen noch nicht kennt, hat eine homokulturelle Bildungslücke von hier bis zum Kölner Dom und sollte sie unbedingt bei dieser Gelegenheit beheben.

Do., 23. Mai, 0.00 Uhr, Vox
Spielfilm
Coming Out
(DDR 1989, R: Heiner Carow, D: Matthias Freihof, Dagmar Manzel u.a.) Am Tag des Mauerfalls hatte Carows mutiger Film seine Premiere im Kino International: Der Lehrer Matthias fühlt sich zu Männern hingezogen, wagt aber erste Annäherungen nur heimlich. Er beginnt er eine Beziehung mit seiner Kollegin Dagmar, aber zu seiner großen Liebe wird Philipp, dem er auf einem seiner verstohlen Ausflüge in die Ostberliner Schwulenszene begegnet. Im Zwiespalt seiner Gefühle zwischen Liebe und Angst verliert er sowohl Philipp als auch Dagmar und die Sicherheit seiner unbescholtenen Existenz, bevor er sich am Ende des dornigen Weges zu seinem Schwulsein bekennen kann.

Do., 23. Mai, 1.35 Uhr, ARD
Spielfilm
Die Bankiersfrau
("La banquière", F 1980, B+R: Francis Girod, D: Romy Schneider, Jean-Louis Trintignant u.a.) Paris im Jahr 1921: Die schöne und Kluge Emma Eckhert heiratet nach Absitzen einer Haftstrafe wegen einer lesbischen Liaison einen 15 Jahre älteren Geschäftsmann - eine Ehe, die ihr den Zugang zu Reichtum und zur feineren Gesellschaft eröffnet. In der Oberschicht angekommen, verwirklicht Emma ihre hochfliegenden Pläne: Von ihrer neuen Geliebten Camille mit einem beträchtlichen Vermögen unterstützt, gründet sie eine eigene Bank, hat aber in dem einflußreichen Bankchef Monsieur Vannister einen gefährlichen Gegner, der sie schließlich über eine öffentlich angestrengte Untersuchung zu Fall zu bringen versucht. Ein herausragend besetztes historisches Gesellschaftsporträt.

Sa., 25. Mai, ab 20.15 Uhr, ARD
Show
Grand Prix Eurovision
Der große Abend der Entscheidung beginnt traditionell mit einer einstündigen Übertragung von der deutschen Grand-Prix-Party auf der Hamburger Reeperbahn, bevor es ab exakt 21 Uhr in Tallin zur Sache geht und Corinna May mit ihrem Titel "I can't live without music" (Produzent: Ralph Siegel, Texter: Bernd Meinunger) für Deutschland um Punkte buhlt. Wünschen wir ihr und allen hiesigen Fans möglichst viele "douze points"! Um Mitternacht ist dann der Siegertitel noch einmal abschließend erklungen; und wer sich nicht trennen mag, darf noch eine weitere Stunde Party mit Axel Bulthaupt aus Hamburg schauen.

Mo., 27. Mai, 23.30 Uhr, RTL
Magazin
AndersTREND - das MännerMagazin
Nach fast halbjähriger Pause gibt es nun einen frischen Versuch, das Montag-Abend-Sendefenster auf RTL männlich-homosexuell zu füllen. Der erst im Herbst gecastete Moderator Frank Lukas mischt mit seiner Berliner TV-Produktionsfirma inzwischen kräftig konzeptionell mit und verspricht einen "bunten Mix aus Boulevard und Entertainment für die Zielgruppe Mann, vornehmlich den schwulen." .... mit Themen, die "spannend, interessant und überraschend sind und die Zielgruppe emotional ansprechen." Gutes Gelingen wäre ehrlich zu wünschen!

Anne-K. Jung

TV Tips des Monats