Prävention mit neuen Wegen

Am 22. Februar diesen Jahres feierte der Lederclub Dresden e.V. im Bunker eine Premiere. In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Leipzig e.V. fand erstmalig in Dresden die "Safe Night" statt. Der Lederclub übergab in diesem Rahmen einen Scheck über 150 Euro an die AHL. Neben dieser Spende durften die Gäste aber noch mehr erleben: unter anderem eine Videopräsentation und ein kleines Gewinnspiel, welches von der Clubsauna "Man's Paradise" und Gundis Erotik-Paradies unterstützt wurde. Der Lederclub-Mitarbeiter hatten an diesem Abend jedenfalls alle Hände voll zu tun, so daß sich keine Möglichkeit für ein Interview bot. Aber das haben wir nun zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. In entspannter Runde unterhielt sich Myrko Anfang März mit Holger und Lutz.

Gegenpol:

Im Februar fand bei Euch zum ersten Mal die "Safe Night" statt, bei der Ihr intensiv mit der AIDS-Hilfe Leipzig kooperiert habt. Wie war die Resonanz auf diese Aktion?

Holger:

Überraschend gut. Erstaunt hat mich die ungewohnte Zusammensetzung der Besucher. Leute, die sonst oft am Freitag zu den Stammgästen gehören, blieben aus, aber zahlreiche unbekannte Gesichter füllten die Lücken. Das Publikum reagierte nach meinen Beobachtungen sehr offen und neugierig. Peter von der AHL verstand es gut, mit Leuten ins Gespräch zu kommen - Berührungsängste gab es kaum.

Gegenpol:

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der AH Leipzig, gibt es da mit der AIDS-Hilfe Dresden nicht einen viel näher liegenden Kooperationspartner?

Lutz:

Na ja, eigentlich gibt es ja wirklich die AHD, aber irgendwie sind wir nie wirklich zusammen gekommen. Die AHD und der Vorstand des LCD hatten nach der verpatzten Safer Sex Party im November 2000 auch schon einmal einen Gesprächstermin, bei welchem wir auch konkrete Vorschläge gemacht haben. Auch zu unserer Zehn-Jahres-Party im Juli haben wir den Vertreter der AHD noch mal angesprochen, aber es hat immer keine weiteren Kontakte gegeben.

Ich habe dann auf dem Leipziger Hauptbahnhof zufälligerweise die AH Leipzig in Aktion gesehen und war begeistert von Ihrem Auftreten und Engagement. Und da wir ja jedes Jahr eine AIDS-Hilfe unterstützen, haben wir eben diesmal den Scheck über 150 Euro nach Leipzig gegeben. Und Peter Thürer von der AH Leipzig war auch sofort von dem Vorschlag begeistert, in unserem Bunker eine Veranstaltung zum Thema AIDS durchzuführen. Es hat alles wunderbar funktioniert und wir sind sehr zufrieden. Also nochmals vielen Dank an die AHL.

Holger:

Nach meinem Dafürhalten mischt sich die AHD einfach nicht genug ein. Ich sage es deutlich: wir merken oftmals nicht, daß es sie überhaupt gibt.

Gegenpol:

Ist eine weitere derartige Veranstaltung im Gespräch?

Lutz:

Hoffentlich und an uns soll es nicht liegen. Wir haben das nötige Geld, die Location und den Willen, etwas zum Thema AIDS und Prävention zu tun. Auch die AHD ist uns herzlich willkommen. Wir arbeiten gern mit jedem zusammen, der mit uns professionell etwas bewegen will.

Gegenpol:

Im März-Gegenpol wurde der LCD namentlich im Zusammenhang mit der Schließung des little sharlie und des Klub Kix genannt. Wie steht Ihr zu den Vorwürfen des Betreibers, die Lokale durch gezielte Verleumdung torpediert zu haben?

Lutz:

Nun ja, das mit dem Little Sharlie und dem Kix ist wirklich schade und sehr bitter. Man muß sich im Nachhinein noch mal das Szenario vorstellen: Da kommt jemand aus Bonn im Sommer 2000 und erklärt allen (noch heute sehr erfolgreichen) Betreibern schwuler Locations, er werde ihnen jetzt mal zeigen, wie Marktwirtschaft funktioniert und wie man schwule Clubs betreibt. Und dann, nach 1 1/2 Jahren, gehen seine Lokale wieder ein. Das hat doch schon Dimensionen einer griechischen Tragödie. Und daß dann das persönliche Versagen und die eigene Niederlage natürlich auf andere Unbeteiligte geschoben wird und selbstverständlich niemals die Ursachen und Gründe in der eigenen Person gesehen werden, ist nun mal ein Problem der menschlichen Psyche. Ich finde es auf alle Fälle schade, das Dresden nun wieder weniger Anlaufpunkte bietet. Trotzdem wünsche ich Alexander viel Erfolg und viel Glück auf seinem weiteren Weg.

Holger:

Ich kannte Sch. nicht, als er nach Dresden kam und war völlig unvoreingenommen. Sein Benehmen und seine Kommentare gegenüber dem Barpersonal während seiner Bunkerbesuche haben ausgereicht, daß sein Aufnahmeantrag für den LCD vom damaligen Vorstand geschlossen abgelehnt wurde. Das ist im LCD bis heute einmalig.

Gegenpol:

Könnte man nicht durch eine bessere Zusammenarbeit und Absprachen zwischen den Locations ein viel besseres Angebot für die Szene organisieren? Wie seht Ihr den Zusammenhalt innerhalb der Szene?

Lutz:

Ganz schwere Frage. Natürlich könnte es immer eine bessere Zusammenarbeit geben. Weitere Versuche haben wir jetzt zur Safe Night mit Siggi vom "Men's Paradise" gemacht. Das kam, glaube ich, sehr gut an und beide Seiten waren zufrieden. In einem Gespräch zwischen Siggi und mir vor kurzem haben wir uns auch zu eventuellen weiteren Geschichten in dieser Richtung ausgetauscht und werden das wohl auch sporadisch weiterführen. Des weiteren gibt es auch eine gut funktionierende Zusammenarbeit mit dem Roses und wir sind auch gern gegenüber allen anderen Vorschlägen offen. Es kann ja eigentlich nur besser werden in Dresden. Aber so etwas muß dann von Fall zu Fall abgesprochen werden.

Holger:

Reserven gibt es unbestritten. Man möge uns als Verein zugute halten, daß wir ausschließlich Ehrenamtler sind und unsere Arbeit allein aus Zeitgründen nicht immer perfekt sein kann. Dieses Zeitproblem ist auch Ursache dafür, daß wir den CSD finanziell, nicht aber personell unterstützen können.

Gegenpol:

Was sind Eure nächsten Pläne?

Lutz:

In nächster Zeit stehen für den Bunker weitere Umbau- und Reko-Maßnahmen an. Wir werden auch beginnen, unser Mobiliar zu ersetzen und noch einige "Spielsachen" mehr anzuschaffen.

Die sehr erfolgreichen Event-Reihen wie Rubber Party und Nacked-Night werden fortgeführt und wir denken auch schon über neue Events wie z.B. Sneaker oder Uniform-Partys nach.

Am 27. April wird ein neuer Vorstand gewählt. Nach dem Wegzug zweier Vorstandsmitglieder und dem Rücktritt unseres Finanziers haben wir das Datum etwas vorverlegt. Es wird wahrscheinlich auch eine komplett neue Mannschaft antreten, die dann mit neuen, frischen Kräften hinterlegt ist und somit auch konstruktive und kreative Ideen entwickeln kann, ohne das Bewährte zu vernachlässigen.

Holger:

Unser 1. Vorsitzender stellt sich unter den Scheffel. Nach knapp zwei Jahren Amtszeit ist der immer noch wie ein neuer Besen und scheucht den Rest des Vorstandes...

Gegenpol:

Unser letztes längeres Gespräch liegt ja nun schon gut eineinhalb Jahre zurück. Was habt Ihr denn in der Zwischenzeit so gemacht.

Lutz:

Das alles aufzuzählen würde jetzt wohl den Rahmen dieses Interviews etwas sprengen. Aber soviel in Kurzfassung vielleicht:

Wir haben den Bunker räumlich etwas umgestaltet, was bei den Besuchern sehr gut ankam; es wurden neue "Spielsachen" gekauft; unsere Homepage hat ein neues Outfit bekommen; neue Veranstaltungsreihen wurden initiiert; Special-Events wie die Safe-Night oder die S/M-Party veranstaltet; unsere Clubausfahrt im letzten Mai war ebenfalls ein voller Erfolg; es gibt seit Januar letzten Jahres eine eigene Clubzeitung für alle Mitglieder. Kurz und gut: mindestens einmal im Monat ist in den Räumen des Bunkers eine Spezialveranstaltung, manchmal sogar bis zu drei Events wie jetzt im Februar und wir hoffen, damit möglichst vielen Interessen in der Szene gerecht zu werden. Aber es hat auch nicht alles funktioniert wie wir uns das gedacht haben. So war unser zusätzlicher Öffnungstag am Donnerstag eben nicht von Erfolg gekrönt.

Gegenpol:

Vielen Dank für das Gespräch