Melissa Etheridge in Dresden

Ganz ohne "...let's get out of this town..." wurde es möglich: Melissa Etheridge war in Dresden! Am 19. Februar rockte sie mit unverwechselbar samtig-rauher Stimme im Kulturpalast. Ein großartiges Konzert. Melissas leidenschaftliche Art zu spielen: einfach mitreißend und dank dem familiären Kulturpalast war sie zum Greifen nahe!

"Live and alone" ohne Band, doch mit wunderbar rockiger Akustik-Gittarenmusik kam die Etheridge daher und spielte Songs von alten und neuen Alben. Besonders beeindruckend war ihr Trommelspiel auf der Gitarrenrückseite zum Lied "Occasionally"- faszinierend, wie sie es schaffte, mit so einfachen Mitteln einen unglaublichen Rhythmus zu vermitteln. Auch dem Klavier und der Harmonika entlockte sie wunderbare Klänge, wobei ihr Klavierspiel auf eine Videowand schwarzweiß projiziert wurde. Melissa Etheridge rockt mit Leib und Seele und investiert sich selbst mit ganzer Leidenschaft in die Musik. Da ist es kein Wunder, daß sie nach elf Konzerten in 17 Tagen nun in Dresden fast etwas müde wirkte. Trotzdem spielte sie mit voller Kraft und ihre Energie sprang auf die textsicheren Fans über. Mit einem verschmitzen Lächeln bemerkte sie bei "You Can Sleep While I Drive", daß sie die 1. Strophe zum 2. Mal sang. Auch eine gerissene Gitarrenseite wußte sie zu bewältigen. Als ein lauter Ruf durch den Saal hallte "Melissa - I love you", reagierte sie in lebhafter Manier und meinte lachend: "Thank you... but hey, this was a guy???"

Einige Überraschungen hielten die (überwiegend weiblichen) Fans an der Bühne bereit: Bei "I Want To Be In Love" schwebten Luftballons auf die Bühne. Als die Sängerin das erste mal "Bring Me Some Water" aussprach, stand sie in einem Wirbel von bunter Konfetti - die Fans waren wohl ziemlich "Brave And Crazy". Es ist ja auch denkbar selten, daß im Dresdner Kulturpalast die Zuschauer von ihren samtigen Sitzen aufspringen und zur Bühne eilen.

Leider war das Konzert schon nach 90 Minuten zu Ende. Zwei Zugaben wurden noch erklatscht und erjubelt. Zuvor jedoch lief die Künstlerin von einer Bühnenseite zur anderen und streifte die Hände der Fans, die sich ihr vor der Bühne entgegenstreckten. Melissas "Skin"... das fühlt sich an wie "Walking On Water"! Schade, daß Autogrammwünsche unerfüllt blieben und das "All American Girl" so rasch mit einem leisen "Bye bye" auf dem Rücksitz eines silbergrauen Mercedes verschwand.

Bleibt zu hoffen, daß die Etheridge Dresden mal wieder beehrt, vielleicht sogar mit Band?! Denn so schnell wie zahlreiche Melissa-Etheridge-Werbeplakate in dunkler Nacht von Dresdens Straßen verschwanden, muß das Interesse doch wirklich groß sein...

MT

Das 1. Mal ...