Große Wissenslücken beim Thema AIDS

Vom 15. bis 17. Februar 2002 fanden in der bayerischen Landeshauptstadt die 9. Münchner AIDS-Tage statt. Ein besonderes Thema war dabei das abnehmende Interesse der Bevölkerung an der Immunschwächekrankheit AIDS, worüber sich Mediziner und Gesundheitspolitiker besorgt zeigten. "Nur noch 37 Prozent der Deutschen halten AIDS für eine der gefährlichsten Krankheiten", sagte Elisabeth Pott von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) im Rahmen der Tagung in München.

Konventionelle AIDS-Aufklärungsmaßnahmen erreichen rund ein Drittel der Bevölkerung überhaupt nicht mehr. Bei einem Fünftel der 16- bis 20-Jährigen sind erhebliche Wissenslücken festzustellen. Besorgniserregend: nur noch rund 70 Prozent der Alleinstehenden unter 45 Jahren benutzen bei gelegentlichen Sexualkontakten Kondome. Elisabeth Pott: "Die aktuelle Situation in Deutschland ist dadurch gekennzeichnet, daß AIDS in der öffentlichen Wahrnehmung in Vergessenheit gerät."

Des weiteren stellten AIDS-Experten fest, daß die chronische Lebererkrankung Hepatitis C zu einer zusätzlichen Bedrohung für HIV-infizierte Patienten geworden sei. Rund 15 Prozent der etwa 45.000 HIV-Infizierten in Deutschland weisen eine Hepatitis C-Infektion auf, sagte Prof. Jürgen Rockstroh (Bonn). Bei bis zu 20 Prozent dieser Patienten entwickle sich nach längerem Krankheitsverlauf eine Leberzirrhose. Untersuchungen der vergangenen beiden Jahre haben zudem ergeben, daß es bei einer Doppelinfektion mit HIV und Hepatitis C zu einer deutlichen Zunahme von lebererkrankungsbedingten Todesfällen kommt. Gleichzeitig gebe es aber eine hochwirksame kombinierte Behandlungsform für eine Koinfektion bei HIV, die sehr erfolgversprechend sei. Problematisch erweise sich jedoch die eingeschränkten Behandlungsmöglichkeiten der HIV-Infektion mit den wirksamen Kombinationsmedikamenten bei geschädigter Leber.

Zu dem dreitätigen Kongreß waren rund 1800 Ärzte, Psychologen, Sozialwissenschaftler, Juristen und internationale AIDS-Forscher nach München gekommen. Weltweit sind mehr als 40 Millionen Menschen mit dem AIDS-Virus infiziert. Die meisten davon leben in den ärmeren Ländern Afrikas und Asiens. Und diese Betroffenen haben ebenfalls ein Recht auf Behandlung, erklärten Vertreter der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Organisation "Ärzte ohne Grenzen". Die Ärzteorganisation behandelt nach eigenen Angaben derzeit rund 700 Patienten in acht Ländern mit dem "AIDS-Cocktail". Dies beweise, daß auch unter einfachen Bedingungen eine AIDS-Bekämpfung möglich sei. Nur so könne eine Katastrophe in den ärmsten Ländern verhindert werden. Die Ärzteorganisation führte als Beispiel Südafrika an: dort stecken sich täglich 1700 Menschen mit AIDS an. Jährlich kommen 68.000 Neugeborene mit dem HIV-Virus zur Welt.

Christian Flössner
Internationale Apotheke SaXonia

9. Münchner AIDS-Tage