callboy

Callboy -
der lustvolle Job?

Berufsbezeichnung: Stricher, Callboy, Prostituierter - es gibt viele Worte für diese Art von Job. Und genauso viele Vorurteile und Ressentiments: Anschaffen zu gehen, gilt als unmoralisch und schlecht. Aber was treibt die meist jüngeren Männer dazu, Sex und ihren Körper zu verkaufen, und wie sieht eigentlich der Alltag eines Callboys aus? Gewöhnlich erfährt man nicht viel darüber, da nur wenige öffentlich über diesen Job sprechen.

Tino vom Gegenpol hatte Ende Januar die Gelegenheit, mit Christoph* (19), der letztes Jahr seine Ausbildung in Leipzig beendet hat, zu sprechen.

(*Name von der Redaktion geändert)

Gegenpol: Wie kam es denn dazu, daß Du Dir diesen Job ausgesucht hast?

Christoph: Das lag wohl besonders daran, daß ich immer wenig Geld hatte. Und ich dachte, so hätte ich die Gelegenheit, leicht Geld zu verdienen. Oft haben mir meine Kumpels gesagt, daß ich gut aussehe und das hat dann die Entscheidung auch beeinflußt.

Gegenpol: Wie alt warst Du denn, als du angefangen hast?

Christoph: Ich mach das jetzt, seitdem ich achtzehn bin, also ein Jahr jetzt.

Gegenpol: Welche Erwartungen haben denn Deine Kunden Dir gegenüber?

Christoph: Erst einmal daß man ihnen ihre Wünsche erfüllt, das heißt, daß man sie begleitet, mit ihnen Zärtlichkeiten austauscht und ihre meist "ganz gewöhnlichen" Sexwünsche erfüllt.

Die harten Typen sind eher die Ausnahme. Den meisten ist es wichtig, daß sie einen jungen Boy haben, der mit ihnen spricht und die Zeit mit ihnen verbringt.

Gegenpol: Wer sind denn Deine Kunden?

Christoph: 90 Prozent sind älter als 40 und alleinstehend. Vom Aussehen her liegen sie eher etwas unter dem Durchschnitt.

Zum einen gibt es viele, die wohlhabend sind und zum anderen wollen sich viele auch mal einen persönlichen Wunsch erfüllen.

Gegenpol: Ist Dir bei deinem Job schon mal was Verrücktes passiert?

Christoph: Verrückt insofern, daß manche Kunden mir mehr bezahlt haben, als vorher ausgemacht war.

Gegenpol: Hat der Job Auswirkungen auf Dein privates Sexleben?

Christoph: Ja das kann man sagen. Manchmal hab ich überhaupt keinen Bock mehr auf Sex.

Gegenpol: Hast Du schon mal etwas gemacht, was Du privat nicht machen würdest und wenn ja was?

Christoph: Nein, auf gar keinen Fall. Wer besondere Praktiken sucht, der ist bei mir an der falschen Adresse. Ich achte auch sehr darauf, das meine Kunden ein gepflegtes Äußeres haben.

Gegenpol: Welches Verhältnis hast Du denn zu deinen Kunden?

Christoph: Kein privates, es ist halt ein Job. Es gibt auch recht viele, die sagen, sie hätten sich in mich verliebt und meinen, daß sie nun nicht mehr für mich zahlen müßten.

Gegenpol: Wie läuft es eigentlich ab bei einem Treffen?

Christoph: Na zuerst kann sich der Kunde Bilder von mir ansehen, dann reden wir über den Preis und anschließend treffen wir uns und quatschen miteinander. Oft gibt's erstmal etwas zu essen. Ganz wichtig ist, daß man sich Zeit läßt zum Reden und auch beim Sex. Sie wollen das Gefühl haben, das man gerne bei ihnen ist.

Gegenpol: Welche Auswirkungen hat der Job auf Dich? Willst Du dabei bleiben?

Christoph: Seit ich hier in Leipzig bin, versuche ich ein neues Leben anzufangen, deshalb will ich weg von dem Job. Ich kann einfach die Angst nicht mehr ertragen, wenn man jemanden unbekanntes aufsucht, da man nicht weiß, was das für ein Typ ist. Es ist auch manchmal einfach eklig und man fühlt sich abgewertet.

Gegenpol: Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Christoph: Na, wie gesagt, den Callboyjob will ich nicht mehr weiterführen. Jetzt, wo meine Lehre zu Ende ist, will ich mir einen richtigen Job suchen und da sieht es ganz gut aus. Außerdem will ich eine feste Beziehung aufbauen.

Gegenpol: Vielen Dank für das Gespräch.

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