Zur Nachahmung empfohlen

Die Begriffe "Frau" und "Mann" sind den meisten Menschen vertraut. Man ordnet sich oft ohne großes Nachdenken den gesellschaftlich vorgeprägten Geschlechterrollen unter, arrangiert sich mit genormten Rollenverhalten. Auch Schwule und Lesben zeigen sich hier zumeist angepaßt, verstehen sich als Männer, die Männer lieben, und Frauen, die Frauen lieben. Doch was ist mit den Menschen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen wollen, die zwischen den Geschlechtern stehen - Menschen, die auch innerhalb der Homo-Szene oft belächelt, ausgegrenzt und somit diskriminiert werden?

Daß dieses Thema viele Leute interessiert, zeigte sich an der regen Teilnahme an der Veranstaltung "Das verordnete Geschlecht", zu der die Studierdendengruppe SchLaU, trans.id und die AG queer bei der PDS Sachsen (mit Unterstützung der PDS Stadtratsfraktion Dresden) eingeladen hatten. Mehr als 50 Menschen kamen zu diesem Diskussionsabend nach Dresden.

Nachdem zunächst der gleichnamige Film mit Erlebnisberichten und zur rechtsstaatlichen Situation von Intersexuellen in Deutschland gezeigt wurde, ging es in der anschließenden Diskussion mit Bertram Rotermund (einer der Regisseure) heiß her. Schnell stellte das Publikum die herkömmliche Einteilung in "Frau" und "Mann" in Frage; Stimmen nach Aufhebung der Geschlechtergrenzen wurden laut. "Lesben und Schwule haben den Vorteil, daß sie einen großen Anteil an der Bevölkerung haben - Intersexuelle sind dagegen vergleichsweise stumm", so eine Teilnehmerin, "deshalb muß es um gleiche Rechte und vor allem Menschenrechte für alle gehen."

Die Gewalt seitens Medizin und Gesellschaft gegenüber Intersexuellen müsse eingestellt und Benachteiligungen im Alltag aufgehoben werden. So wäre es zum Beispiel sinnvoll, "Zwitter" im Paß als Geschlechtsbezeichnung durchzusetzen oder diese besser gleich ganz aus Pässen zu entfernen.

Wichtig ist, daß intersexuelle, transidente und alle anderen Menschen die "anders" sind, Gelegenheit erhalten, ihre berechtigten Forderungen öffentlich zu machen. Lesben und Schwule haben auf Grund ihrer eigenen Diskriminierung, die sie tagtäglich erfahren dürfen, die besondere Verantwortung, selbst Toleranz und Akzeptanz zu üben. Vielleicht kann es mit Unterstützung von Schwulen und Lesben, der SchwuLesBischen Szene und Vereinen möglich werden, mehr Toleranz auch gegenüber anderen Menschen zu erstreiten.

Dieser erste Diskussionsabend wurde jedenfalls sehr interessiert aufgenommen und vielleicht gibt es bei den nächsten Veranstaltungen die Möglichkeit, konkrete Handlungsansätze und Forderungen zu formulieren.

Das verordnete Geschlecht