Gegen Ausgrenzung und Diskriminierung

Auch in diesem Jahr wird am 1. Dezember der Welt-AIDS-Tag begangen. Hintergrund ist die Tatsache, daß die Immunschwäche-Krankheit AIDS weltweit noch immer auf dem Vormarsch ist. Nach UN-Angaben tragen derzeit 40 Millionen Menschen das HI-Virus in sich, darunter drei Millionen Kinder unter 15 Jahren. Im vergangenen Jahr haben sich fünf Millionen Menschen neu infiziert - etwa 10 pro Minute. Während sich in Deutschland jährlich etwa 2.000 Menschen anstecken, ist in anderen Regionen der Erde ein dramatischer Anstieg der Neuinfektionen zu verzeichnen. Am schlimmsten betroffen sind das südliche Afrika sowie Süd- und Südostasien. In Osteuropa sind etwa eine Million Menschen HIV-positiv.

"Ausgrenzung macht krank" lautet das Motto zum Welt-AIDS-Tag 2002. Aktionen, Projekte und Veranstaltungen machen darauf aufmerksam, daß überall auf der Welt Menschen mit HIV und AIDS herabgewürdigt und ausgegrenzt werden. Das gilt besonders für Migranten und Migrantinnen. In Deutschland machen Menschen nichtdeutscher Herkunft einen immer größeren Anteil an HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen aus, und diese Menschen sind in besonderer Weise vielfältigen Benachteiligungen ausgesetzt. Aber Diskriminierung verletzt und macht Angst. Ausgrenzung kann dazu führen, daß sich Menschen nicht vor einer HIV-Infektion schützen, denn wer nicht genug Geld zum Leben hat oder sich ständig vor Abschiebung fürchten muß, hat andere Probleme. Und wo Infizierte diskriminiert werden, wird meist nicht über das Virus und die Schutzmöglichkeiten gesprochen. Hinzu kommt: Diskriminierung schwächt das Selbstwertgefühl, doch nur wer sich selbst schätzt, schützt sich auch.

Für die AIDS-Hilfe Dresden e.V. bildet die Arbeit mit Menschen, die aus anderen Ländern und Kulturen zu uns kommen einen besonderen Schwerpunkt, denn auch in Dresden hat der Anteil HIV-positiver Migranten zugenommen. In den Jahren 1998 bis 2002 haben 24 Menschen ausländischer Herkunft die Hilfe der Mitarbeiter der Beratungsstelle in Anspruch genommen. Die meisten kamen aus Afrika, gefolgt von Asien und Europa. Diese Menschen geben doppelten Anlaß für Diskriminierungen: einerseits allein dadurch, daß sie Ausländer sind und andererseits durch ihre HIV-Infektion. Sie fühlen sich überfordert durch bürokratische Hürden und bedroht durch Ablehnung in der Gesellschaft. Besonders schwer haben es Asylsuchende mit HIV/AIDS. Untergebracht in Gemeinschaftsunterkünften leiden sie unter der Angst, daß ihre Infektion bekannt werden könnte. Abschiebung kann bedeuten, daß eine begonnene Therapie abgebrochen wird, weil entsprechende Medikamente im Heimatland nicht zur Verfügung stehen. Die Folge dieser Verunsicherung sind Dauerstreß und Depressionen bis hin zu Suizidgedanken. HIV-positive Migranten haben im Vergleich zu einheimischen Infizierten einen wesentlich schlechteren Gesundheitszustand.

Die Mitarbeiter der Beratungsstelle der AIDS-Hilfe Dresden und anderer AIDS-Hilfen machen in ihrer Arbeit keinen Unterschied zwischen betroffenen Einheimischen und Migranten. Jeder, der HIV-positiv ist, wird, wenn er es wünscht, beraten und unterstützt.

Es wäre gut, wenn auch außerhalb einer Beratungsstelle für Betroffene Solidarität und Toleranz mehr Platz in der Gesellschaft bekämen. UNAIDS, die AIDS-Organisation der Vereinten Nationen formuliert es so: "Nur wenn Stigma und Diskriminierung wirkungsvoll bekämpft werden, kann der Kampf gegen HIV/AIDS gewonnen werden."

Welt-AIDS-Tag 2002