Laurent Daniels Bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" spielte Laurent Daniels eine der ersten schwulen Hauptrollen. Seit seinem Ausstieg bei der Vorabendserie widmet sich der 37-Jährige wieder der Musik und brachte quasi auf eigene Kosten die CD "In Progress" auf den Plattenmarkt. Gegenpol hat Laurent Daniels anläßlich des CD-Release zu einem kurzen Gespräch getroffen.

Gegenpol: Viele Stars von TV-Soaps versuchen sich mehr oder minder erfolgreich als Sänger. Nun bringst Du quasi im Eigenverlag eine CD heraus. Was unterscheidet Dich von den anderen singenden Soap-Sternchen.

Laurent: Ich denke daß man in der Kategorie "singende Soap-Stars" selbst schon sehr unterschiedliche Qualitätsstufen antreffen kann.

Natürlich gab und gibt es Soapschauspieler, die ohne eigene Ambition um der schnellen Mark oder des schnellen Euro willen ins Rennen um Chartplazierungen geschickt werden. Oli P. war zu Beginn seiner musikalischen Karriere zweifellos so ein "ferngesteuerter" Act. Darüber hinaus gab es allerdings auch zahlreiche "Versuchsballons" der Marke "Andreas Elsholz, der singende Automechaniker", die zurecht schon vor dem Durchstoßen der Wasseroberfläche einer kurzzeitigen Medienwahrnehmung in den Untiefen des Business versanken. Dann wiederum gibt es Kollegen wie Jeanette, die zwar, wenn Ihr mich fragt, eine unglaublich undisziplinierte Schauspielerin ist, die aber schon vor ihrer Soap-Rolle musikalische Ambitionen gezeigt hat, hart an ihrem Charterfolg arbeitet, und die, auch wenn das Produkt vielleicht sehr stromlinienförmig ausfällt, das Recht hat, als Gesangskünstlerin akzeptiert zu werden. Was mich, meiner Meinung nach, von all dem unterscheidet, ist die Tatsache daß meine ersten musikalischen Schritte lange vor meinem Fernsehruhm stattgefunden haben, daß vor meinem Eintritt in die Serie bereits eigene Songs und Demos vorhanden waren, ja sogar Verhandlungen mit Plattenfirmen stattgefunden hatten, und so die Soap natürlich eine ideale Präsentationsplattform, für meine Musik darstellte, aber eben nicht den Ausgangspunkt.

Gegenpol: Die CD heißt "In Progress" - wohin entwickelt sich der GZSZ-Vorzeige-Schwule Laurent Daniels heute?

Laurent: Ich hoffe nicht, daß ich jemals der Vorzeige-Schwule war. Natürlich ist man sich, angesichts des Mißverhältnisses von positiven schwulen Identifikationsfiguren zu vergleichbaren heterosexuellen Rollen im Fernsehen einer Vorreiterrolle durchaus bewußt, ich möchte jedoch keineswegs nur in dieser Funktion, die für mich bestenfalls eine Episode in meiner Karriere war, wieder und wieder bestätigt sehen. Dafür ist die Herausforderung heterosexueller Rollen viel zu groß, und das Angebot an interessanten Schwulenrollen hingegen viel zu beschränkt. Ich erlebe zur Zeit, wie schwer es ist, sich über dieses Wahrnehmungsklischee in den Köpfen, denen der Caster und Produzenten im Land, aber auch den Köpfen einzelner Fans, hinwegzusetzen, und den bislang unentdeckten Laurent zur Wahrnehmung zu bringen. Ich hoffe daß das Album "In Progress" dazu vielleicht einen Beitrag leisten kann, denn immerhin präsentiert es mich ja als eigenständigen Songwriter, und geht, hoffentlich, über die Erwartungen, die bislang an mich gestellt wurden, hinaus.

Gegenpol: Als Künstler hast Du sicher auch ein Privatleben. Wohin geht der schwule Privatmensch Laurent Daniels aus und ist überhaupt noch Platz in DeinemTerminkalender für die Liebe?

Laurent: Natürlich ist Platz für die Liebe! Wenn dem nicht so wäre, warum sollte man alles andere auf sich nehmen?

Ich bin ja nun seit zwei Jahren glücklich liiert, und schöpfe aus dieser Liebe auch sehr viel Kraft. Wenn ich mit meinem Freund ausgehe, dann sehr gerne ins "Kino International", wo Biggi van Blond an den Turntables steht, ins sogenannte "Steakhouse", besonders wenn Super-Zandy auflegt, oder ins "Irrenhouse", Nina Queers Party im "Bastard".

Ganz besonders freue ich mich, daß es ab dem 15. September wieder Bob Youngs legendäre Partys im "Cafe Moskau" gibt, wo es von jetzt an, an Sonntagabenden wieder richtig rund gehen kann.

Stargeflüster