Interview

GP: Die 1. Dresdner AIDS-Gala – wie kam es dazu?

Matthias Schwager: Michael kam mit sehr konkreten Ideen auf uns zu. Das war genau das, was wir schon lange wollten: Unterstützung durch einen bekannten Partner aus dem Kulturbereich. Nur so ist Benefiz möglich.

Michael Frowin: Ich habe mich schon in anderen Städten für die AIDS-Hilfe engagiert, und an den Orten, wo ich Theater gespielt habe, ähnliche Veranstaltungen organisiert. Mir war es dabei immer wichtig, möglichst viele Menschen für diese Aktion zu gewinnen.

GP: War das auch die Idee für Dresden?

Michael Frowin: Ja, Dresden hat eine überschaubare Szene und auch die Organisationen, die direkt oder indirekt mit dem Thema zu tun haben, sind nicht allzu viele. Da ist es besonders wichtig, daß man miteinander arbeitet. Das Schöne war ja, daß die AIDS-Hilfe sofort mit großem Engagement eingestiegen ist. Dann, daß Herr OB Roßberg die Schirmherrschaft übernommen hat.

Matthias Schwager: Allmählich haben immer mehr Institutionen, Kneiper und Geschäftsleute ihre Unterstützung zugesagt. Wenn man sich jetzt die Liste mit Sponsoren und Gruppen ansieht, die an der Veranstaltung mitarbeiten, dann ist das schon eine sehr schöne Anzahl.

GP: Ist es schwer, über ein Thema wie AIDS, eine Gala zu machen.

Michael Frowin: Das kommt drauf an. Man kann ja ein Programm machen, das mit dem Thema nichts zu tun hat. Also beispielsweise Opernarien singen oder ein Rockkonzert veranstalten - das wäre der klassische Benefiz-Abend. Und die Hälfte des Eintritts geht für Champagner, Hummer und die Organisatoren drauf. Das finde ich - pardon - eine etwas peinliche, absurde Angelegenheit, obwohl ich weiß, wieviel Geld da gesammelt wird! Wir wollen das anders machen. Erstmal verdient bei uns niemand etwas und jeder Euro geht an die AIDS-Hilfe. Die Werbung wurde komplett gesponsort, auch die Hotelzimmer, selbst die Blumen! Die Herkuleskeule stellt Bühne, Technik, Kartenverkauf kostenlos zur Verfügung. Das heißt, es geht kein Cent verloren. Und auch die Eintrittskarten sind nicht teuer. Das ist das eine.

GP: Das andere ist das Programm ...

Michael Frowin: Genau. Wir wollen das Publikum an diesem Abend sehr gut unterhalten, uns aber auch nicht um die traurigen Seiten des Themas drücken.

GP: Die wären?

Michael Frowin: AIDS ist mit zwei Tabus behaftet: Sexualität und Tod. Zwar ist Sex heute scheinbar überall verfügbar, aber das heißt ja nicht, daß der Einzelne im Umgang mit Sex frei und souverän ist. Die Gesellschaft verlangt zwar die völlige Tabulosigkeit beim Sex – Naddel wiegt öffentlich die Titten - aber damit sind doch die Ängste und Probleme, die es gerade auch beim Sex gibt, nicht aus der Welt.

Matthias Schwager: Wir erleben das ähnlich: Gerade bei jungen Leuten klafft eine riesige Lücke zwischen ihrer teilweise sehr zotigen Sprache und ihren realen Erfahrungen im Bereich Liebe, Partnerschaft und Sexualität.

Michael Frowin: Das zweite ist der Tod. Wenn Menschen schon mit dem Altwerden solche Schwierigkeiten haben, dann ist der Tod natürlich ein sehr großer Schrecken. Und da der Tod nicht zu begreifen ist, sollte man ihn unbedingt in das Leben einbauen.

GP: Das klingt ja nun nicht gerade nach einem fröhlichen Programm.

Michael Frowin: (lacht) Stimmt. Aber keine Sorge! Wenn ich mir meine Liebesbeziehungen ansehe, gibt es einiges zu lachen ...

GP: Es wird ein Abend über Liebesbeziehungen?

Michael Frowin: Auch, natürlich. Wir stellen uns großen Themen: Liebe und Leid, Leben und Tod, Treue und Verrat, ... (lacht) wir hätten doch einen Abend mit Opernarien machen sollen. Nein, im Ernst: das ist so gewollt: das Schwarz und Weiß, die Gegensätze. So ist das Leben: Lachen und Weinen liegen nah beieinander.

GP: Also eine ganz andere Herkuleskeule an diesem Abend.

Michael Frowin: Ein bißchen anders sicher. Aber klar: auf Kabarett werden wir nicht verzichten – man sagt uns ja nach, daß wir das ganz gut können sollen – und gesungen wird eh viel – wie in unseren Programmen. Wir können also nicht aus unserer Haut. Aber allein durch unsere Stargäste, Gisela May und Rainer Bielfeldt, kriegt der Abend einen anderen Charakter.

GP: Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Michael Frowin: Ich kenne beide schon lange. Bei Gisela May war ich Meisterschüler und mit Rainer hab ich Songs geschrieben. Beide waren gleich bereit, nach Dresden zu kommen.

GP: Was ist das Besondere an der Veranstaltung in Dresden? Also zum Beispiel im Vergleich zu Berlin?

Michael Frowin: Zwei Dinge: Daß sich eine solche Institution wie die Herkuleskeule für das Thema engagiert und daß so viele Menschen mitmachen. Es wird ein Ereignis.

Matthias Schwager: In Berlin ist es sicher einfacher, solche Projekte auf die Beine zu stellen. Für Dresden ist es ein Quantensprung. Wir sind gespannt und freuen uns drauf.

Die 1. Dresdener AIDS-Gala