15 Jahre Vereinsarbeit in Dresden

Der Gerede e.V. ist 15 Jahre alt geworden, aber von Altersschwäche gibt es keine Spur. So präsentiert sich der Verein jünger und dynamischer als zuvor. Seit eineinhalb Jahrzehnten kämpft Gerede nun schon erfolgreich für die Akzeptanz von lesbisch, schwul, transgender und bisexuell lebenden und liebenden Menschen. Spätestens seit ihrem Umzug vor drei Jahren von der Wiener Straße ins Stadtteilhaus Dresden Neustadt hat Gerede seinen festen Platz in der Szene. Für die Akzeptanz des Vereins sind in erster Linie die Sozialpädagogen und Koordinatoren Falk Scholz und Morena Gutte verantwortlich. Die Werbetrommel rührt zur Zeit Ina May. Sie ist Ansprechpartner für alles, was die Öffentlichkeit erreichen soll. Komplettiert wird das Team durch Isabel Bienert, die hier ein Jahr lang einen Freiwilligendienst leistet, und zwei Praktikanten, Marko Pohl und Claudia Warwas, die das Schulprojekt und die Pressearbeit unterstützen.

Die Geredearbeit geht jedoch weit über dieses Team hinaus. Ohne die Unterstützung von Vereinsmitgliedern, ehrenamtlich Tätigen und zahlreichen Spendern wäre es nicht möglich gewesen, den Verein so vielfältig in das Dresdner Stadtbild zu integrieren. Für alle, die Gerede auf ihrem Weg begleiten, veranstaltete der Verein am 21. September das multisexuelle Sommernachtsspektakel - mit Live Musik und Tanz. "Die Veranstaltung gibt den Spendern und Interessenten die Möglichkeit, sich ein Bild vom Verein zu machen und unsere wichtige Arbeit begreifbar werden zu lassen. Wir erhoffen uns dadurch, auch in Zukunft Leute zu motivieren, die sich für den Verein einsetzen und unsere Belange unterstützen wollen", stellt Ina May klar.

Gerede - Eine Chronik

Begonnen hatte alles schon 1983 zum Dresdner Kirchentag, als sich die evangelische Studentengemeinschaft (ESG) mit dem Ziel traf, sich erstmals für die Akzeptanz Homosexueller einzusetzen. So forderte man einen Club für Anders-Liebende. Drei weitere Jahre später wurde die Arbeitsgruppe "Gerede" gegründet. Die erste offizielle Veranstaltung 1987 in der Scheune sollte ein voller Erfolg werden. "Wenn der Dieter mit dem Frieder, und die Froni mit der Loni..." begeisterte 300 Besucher, darunter 100 Homosexuelle, wie die STASI protokollierte.

1990 wurde die Gruppe zum eingetragenen Verein und der "Gegenpol" zum ersten öffentlichen Infoblatt. Doch die neue Verantwortung wollte lange niemand übernehmen, so stand der Verein jahrelang vor großen Problemen. Auf einer Sondersitzung des Vorstandes 1993 wird die neue Satzung zum Rettungsboot. Man besinnt sich auf das eigentliche Ziel: Homosexuelle bei der Integration in die Gesellschaft zu unterstützen. 1995 wird der Verein freier Träger der Jugendhilfe und zählt zwei Jahre später 47 ehrenamtliche Mitarbeiter. 1999 kam mit dem Umzug in das idyllische Stadtteilhaus Neustadt dann auch Licht in die Räumlichkeiten von Gerede.

Gerede heute

Der Verein hat mit seiner Arbeit vieles geschaffen, aber "erst wenn man uns nicht mehr braucht, haben wir unser Ziel erreicht", meint Falk Scholz. Gerede entwickelt sich mit den Veränderungen der Gesellschaft und stellt sich den neuen Herausforderungen.

Manches Engagement dauert schon viele Jahre und so haben Gruppen wie l.u.s.T., Eigensinn, Young Gayneration, Zeitlos und TransID ihren Platz im Terminkalender. Sinn der Treffen ist vor allem das gegenseitige Kennenlernen. Die Gruppen selbst sind dabei autonom. Jede dieser Gruppen steht prinzipiell für alle offen, aber meist treffen sich dort gleichgeschlechtlich liebende Menschen. "Vorwiegend sprechen wir natürlich unsere Zielgruppen an und das ist auch gut so. Denn durch Gerede haben sie die Möglichkeit, sich als Mehrheit zu erleben und Gemeinsamkeiten zu finden, um sich auszuprobieren und entfalten zu können. Das hat nichts mit Diskriminierung der "Anderen" zu tun, sondern soll vielmehr diejenigen stärken, die eben sonst kaum auf gesellschaftliche Unterstützung bauen können", betont Falk.

Beratung und Unterstützung sind nach wie vor Hauptanliegen des Vereins. Morena und Falk sind ausgebildete Sozialpädagogen und geben Rat und Lebenshilfe durch persönliche Gespräche. Das Seelefon bietet anonyme Hilfe und auch für Eltern und Angehörige gibt es stets einen Ansprechpartner am anderen Ende der Leitung.

Außerdem lädt der Verein zum Tanzkurs und Theater-Workshop ein, oder verspricht feinstes Kinovergnügen im Cinemaxx in der Schillergalerie. Die Mediothek und der Infoladen im Stadtteilhaus bieten eine bunte Auswahl les-bi-schwuler und transgender Literatur, visuelle Medien und aktuelles Material.

Seit 1989 hilft das Schulprojekt Vorurteile an der Wurzel anzupacken und gestaltet mit ehrenamtlichen Mitarbeitern "Unterricht zum Anfassen". "Das Interesse war und ist sehr groß. Von den meisten SchülerInnen bekommen wir ein positives Feedback", erinnert sich Marko.

Höhepunkt des Jahres ist neben dem Sommerfest, dem Jugendaustausch und politischen Aktionen vor dem Landtag auch immer der Christopher Street Day. Morena erinnert sich: "Mein Hochpunkt war gleichzeitig mein Tiefpunkt. Die Beteiligung des Gerede am CSD hat wahnsinnig viel Arbeit gemacht, aber mir auch einen der schönsten Momente dieses Jahres beschert."

Trotz der überwiegenden Erfolge läuft die Arbeit bei Gerede nicht immer reibungslos. Das derzeitig bestehende Computerchaos belastet das Arbeitsklima und den einzigen modernen PC zunehmend. Gesucht wird also ein möglichst familienloser "Informatiker", mit viel Zeit und Geduld, der den Kabelsalat für einen kleinen Obolus in Ordnung hält.

Die Wünsche für die Zukunft von Gerede sind nicht immer bescheiden. Neben kontinuierlicher Arbeit ohne Zittern um Fördergelder, wünscht sich Falk ein pinkfarbenes Begegnungszentrum mit Beratungsräumen, Informationsständen, Theater, Tanz und allem was sonst noch dazu gehört. "Ob nun schwul, lesbisch, transgender oder noch ganz anders, wenn dies der Himmel ist der dich glücklich macht, dann ist Gerede die rosarote Wolke, die dich hinbringt", wirbt der Verein.

C.W.

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