AnNa und Peter im Gespräch

Nachdem Mitte Juli das neue Rosenstolz-Album eingespielt war, trafen wir uns in Berlin mit Anna und Peter und sprachen mit Ihnen über das neue Album, die Tournee und die Macht der Liebe.

Gegenpol: Auf dem Album sind auch zwei Titel, die mit Inga Humpe von 2Raumwohnung entstanden sind. Vorher gab es ja auch schon einige Remixe, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Peter: Ja, es gab einen Remix von "Du atmest nicht". Kennengelernt haben wir uns auf der Popkom. Da wurden wir hochoffiziell vorgestellt - dann haben wir gemerkt, daß es auch menschlich zwischen uns stimmt. Mittlerweile sind wir sogar befreundet. Wir treffen uns so einmal im Monat und stellen uns gegenseitig die neuen Demos oder auch fertige Songs vor. Einmal waren wir bei Inga und Tommy in der Wohnung, und hatten auch mächtig viel Wein getrunken, da meinte Inga "Macht Liebe" fänd' sie ja ganz toll und irgendwie wäre ihr auch ein zweiter Teil zum Refrain dazu eingefallen. Aber leider waren wir nicht mehr in der Lage das aufzunehmen, also haben wir das bei Ulfs Handy auf die Mailbox gesungen und uns am nächsten Morgen dann nochmal angehört. Das hat uns so gefallen, daß wir gesagt haben, daß wir das wir das gemeinsam machen. Die Zusammenarbeit entstand also sehr spielerisch ohne Hintergedanken. Aus Spaß eigentlich, aber den mußt du dir als Künstler auch nehmen.

Gegenpol: Euer Album ist fast zeitgleich mit dem von 2Raumwohnung erschienen - seht Ihr euch gegenseitig als Konkurrenz?

Peter: Nein, im Gegenteil. Das alle deutschen Acts wie 2Raumwohnung, Paula und Rosenstolz zur gleichen Zeit erscheinen ist etwas doof (lacht). Aber ich hoffe, Sie kaufen sie alle.

Gegenpol: Wieso habt Ihr gerade "Macht Liebe" als Albumtitel gewählt?

Anna: Klingt toll.

Gegenpol: Aber auch etwas plakativ....

Anna: Das muß ja nicht falsch sein.

Peter: Liebe machen ist etwas ganz schönes, also nicht nur der Sex, der aber ganz besonders (lacht). Aber auch sonst ist es wichtig, Liebe zu haben und zu machen.

Anna: Oder Liebe zu verbreiten - Liebe zu nehmen und zu geben, und durch Liebe negative Gefühle und Mächte, die man in sich hat, in positive zu verwandeln. Und die Macht positiv zu nutzen.

Gegenpol: Inwieweit man Liebe machen kann, ist ja fraglich - schließlich ist das etwas, was auch von innen herauskommt.

Peter: Das Machen hat ja auch viel mit zulassen zu tun. Jeder hat Liebe in sich, aber man vergißt oft, in dieser hektischen Welt diese auch zu zelebrieren. Sicherlich kann man nicht sagen: 'es ist 3.15 Uhr - ich mach jetzt Liebe', aber kann man darauf hinarbeiten. Indem man sich einfach die Zeit nimmt - zum Beispiel, um Freunde zu treffen und eine gute Zeit zusammen zu haben.

Gegenpol: Das Abschlußkonzert Euer "Macht-Liebe Tournee" wird in Dresden sein. War das Euer Wunsch?

Anna: Ja, Premiere, zum ersten Mal nicht in Berlin.

Peter: Irgendwo muß das Abschlußkonzert ja sein. Und wir haben gesagt Dresden wäre endlich mal an der Zeit. Zumal wir ja auch versprochen hatten, wieder in die Junge Garde zu kommen... (lacht) ...aber das wäre im Winter ja nicht das Ideale. Das ist aber nicht vergessen und wir hoffen, daß wir es dann nächstes Jahr schaffen, in die Junge Garde zu kommen.

Anna: Das Regen-Konzert ist immer noch unser absolutes Highlight. Wir haben danach nie wieder ein Open Air im Regen gespielt. *(Anm. der Redaktion: Konzert 1998 zur "Alles Gute Tournee")

Gegenpol: Ist die Band immer noch die gleiche oder gibt es Veränderungen?

Anna: Eigentlich ist es immer noch die gleiche, aber ein paar Veränderungen gibt es schon.

Wir haben einen neuen Lead-Gittaristen, einen neuen Schlagzeuger, einen zusätzlichen Bassisten und einen zusätzlichem Keyboarder.

Sonst bleibt alles beim alten - also Anne und Lorenzo sind immer noch dabei.

Gegenpol: Es wird also voller auf der Bühne...

Peter: Ja, das gibt uns die Möglichkeit, auf das Publikum einzugehen. Vor allem der Bassist war sehr wichtig.

Bislang wanderte der Baß immer von einem zum anderen. Es ist langweilig ein Album so zu präsentieren, wie es auch auf der Platte ist, die können sich die Leute ja auch so anhören - ich denke, mit einem richtigen Baß fetzt es mehr.

Gegenpol: Das klingt so, als wird es wieder neue Versionen alter Titel geben...

Anna: Auf jeden Fall !!!

Gegenpol: Auf Euern Singles die im August erschienen sieht man Euch in schicken Trainingsanzügen - wie seit Ihr denn auf den Geschmack gekommen?

Peter: Die Idee ist über das Video zu "Sternraketen" gekommen. Wir haben uns die Sachen zwar schon vor dem Videodreh zur Fotosession schicken lassen, um zu schauen, ob die passen. Wir haben dem Fotografen gesagt: mach mal ein paar Fotos...

Anna: ...damit wir schon mal was in der Hand haben....

Peter: ...und dann fanden wir die Aufnahmen einfach cool.

Gegenpol: Die Ferienzeit steht an - wie verbringt denn Rosenstolz den Urlaub?

Anna: Das mußt du uns schon getrennt fragen. Ich werde nach Tunesien fahren und dort vielleicht auch Tauchen lernen.

Peter: Oh je, ich muß morgen schon um neun am Flughafen sein, ich weiß gar nicht, wie ich das nach den stressigen Interviews schaffen soll. Es macht zwar unheimlich viel Spaß, aber es strengt auch ganz schön an. Ich bedaure hiermit offiziell alle Hollywoodstars, die das wochenlang machen müssen, wenn sie ihren neuen Film vorstellen. Aber wenn ich den Flieger kriege, dann geht's nach Barcelona. Ich liebe Barcelona. Ich liebe diese Klischee wie Sommer, Sonne, Meer... Ich fahre jetzt schon das zehnte Jahr nach Barcelona.

Gegenpol: Dann wünschen wir gute Erholung und viel Kraft für die Tournee.

Anna: Wir freuen uns schon auf Dresden.

* Das Interview wurde ursprünglich für unsere August-Ausgabe aufgezeichnet. Leider fiel es dann aber dem Stromausfall im Gegenpol-Büro während der Hochwasserkatastrophe zum Opfer. Wir bitten um Verständnis. Die Redaktion

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