2raumwohnung im Gespräch über ihr neues Album "in wirklich"

Gute Musik zu machen und dabei fröhlich zu bleiben, ist ja nicht immer einfach. Inga Humpe und Tommi Eckhart alias 2raumwohnung wissen aber, wie das geht: man denkt sich was beim fühlen. Nachdem die beiden mit "kommt zusammen" 2001 eines der spannendsten Alben des Jahres abgeliefert und bei Publikum wie Kritikern einen Überraschungshit gelandet hatten, legen sie nun mit "in wirklich" nach: Elektro mit deutschen Texten, Herz, Hirn und hübschen Hintern. Gegenpol hatte ein paar Fragen:

RF: Das erste was mir auffiel: Die neue CD ist nicht ganz so locker und leicht wie "kommt zusammen", schwerer irgendwie.

Inga: Die CD heißt ja auch "in wirklich". Wir haben halt die Musik gemacht und die Texte geschrieben, die wir auch erlebt haben.

2raumwohnung Tommi: Es ist beides: Eigentlich positiver UND trauriger, als das erste Album. Es gibt größere Extreme was die Themen anbelangt. Die Musik ist glaub ich geschlossener.

Inga: Club-orientierter, Groove-orientierter.

RF: Aber Songs wie "Die Schwere", sind schon sehr melancholisch.

Inga: Das ist vielleicht ein Moment, den man von uns nicht erwartet, daß wir so etwas auch empfinden. Aber extrem heißt auch, mal sehr traurig und sehr negativ zu sein.

Tommi: Das war das Konzept, daß wir was machen wollten, was sehr echt ist, real, mit dem wirklichen Leben zu tun hat. Klar gibt es da erstmal Liebe und Freundschaft, aber wir wollten nicht so tun, als gebe es alles Andere nicht.

Unser erstes Album ist glaub ich von vielen Leuten als Stimmungs- und Freudeplatte gehört worden, obwohl es auch da schon traurige Momente gab.

RF: Wo würdet Ihr Eure Musik selber einordnen: Ist das Neuer Techno-Pop, Pop-Musik mit deutschen Texten, Elektro-Pop oder einfach Pop-Musik?

Beide: (lachen) ALLES!!!

Inga: Also neuer, elektronischer Club-Musik-Techno-Pop mit deutschen Texten (lacht).

Tommi: Wir versuchen es einfach so zu machen, wie wir es gerne überall hören würden: Auf der Straße, im Club, im Radio oder bei Freunden. Das ist die stilistische Idee. Ob man das dann Pop nennt oder - wie's im Moment ja viele Leute tun - Elektro, ist egal. Und Elektro-Pop ist ja kein neues Wort, das gibt es seit Kraftwerk.

RF: Was macht die schwul-lesbische Community für Euch interessant?

Tommi: Es geht bei uns um Gefühle übersetzt in Clubmusik, und gerade bei Schwulen und Lesben ist oft ein größeres Interesse für musikalische Innovationen da, überhaupt für Entwicklungen:

Wie geht das Leben weiter? Wie entwickeln sich die Gesellschaftsformen, in denen wir leben? Wie werden wir freier, wie werden wir besser?

Inga: Es gibt auch eine größere Toleranz, größere Freiräume. Ich werde nicht so schnell beurteilt, kann mich widersprüchlicher darstellen. Jemand der schwul oder lesbisch ist, ist halt - trotz aller Entwicklung - innerhalb der großen Hetero-Gemeinschaft immer noch anders als die Masse.

Es gibt da ja immer diese Versuche alles über einen Kamm zu scheren und ich bin nun nicht direkt lesbisch, aber auch anders. Ich fühle mich da mehr zuhause, kann einfach mehr ich selbst sein in einer Gemeinschaft von Leuten die das auch sind - und das auch leben, statt sich nur anzupassen.

*(Das Gespräch führte Ralf Freitag)

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