DER CSD 2002 IN DRESDEN

Das Kostüm ist verblaßt, der Rausch ausgeschlafen, der Sonnenbrand Schnee von gestern:

mit einem furiosen Auftakt startete die diesjährige CSD-Saison am ersten Juniwochenende in Dresden. Mehr Lesben, Schwule und Transgenders als je zuvor zogen durch die Stadt und präsentierten lustvoll die Vielfalt unserer Community, mehr Parties und Kulturveranstaltungen als zuvor umrahmten die Parade und das Straßenfest und trugen zum Gelingen des neunten Christopher Street Day in Dresden bei. Dabei lagen auch in diesem Jahr Licht und Schatten dicht beieinander, wie die ausführlichen Berichte über die beiden großen CSD-Parties zeigen. Die CSD Parade für jedes Alter Aber am wichtigsten ist doch, daß sich Lesben, Schwule, Transgenders und alle anderen Queers mit einer viel beachteten Demonstration und einem sehr schönen Straßenfest auf sich aufmerksam machten.

Dresden und seine Gäste durften den bisher besten CSD erleben, der schon Vorfreude macht auf das nächste Jahr. Da feiert der sächsische CSD seinen 10. Geburtstag. Dabei sind alle aufgerufen, sich engagiert an den Vorbereitungen zu beteiligen, um den Christopher Street Day weiter wachsen zu lassen.

Demo & Straßenfest

Gelungen, aber mit Hindernissen

Um es gleich vorwegzunehmen, Dresden erlebte die bisher besten CSD-Veranstaltungen in seiner Geschichte. Auch zum Festumzug und Straßenfest stimmte (fast) alles. Der Wettergott bescherte reichlich Sonnenschein und sommerliche Temperaturen, so daß niemand sein Fehlen mit der Ausrede, der Regen würde die Frisur zerstören, entschuldigen konnte. Auch die Stimmung war sonnig, und die ließen sich die mehr als 1000 Schwulen und Lesben auch nicht durch einen einzelnen Flyerverteiler vermiesen, der meinte, uns gleich vor Ort über unsere "gotteslästerliche Veranlagung" aufklären zu müssen (siehe Bericht: Bibel contra CSD - Über sündige Sauger).

Die genannten Hindernisse traten eigentlich alle schon weit vor dem eigentlichen CSD-Termin auf, und es stand lange zu befürchten, daß sich der CSD-Verein davon aufreiben läßt und der CSD 2002 zum Flop wird. Zunächst wurde das Straßenfest von der Stadtverwaltung vom beantragten Altmarkt verdrängt und wurde auf einem Parkplatz hinter dem Postplatz abgestellt, wohin sich außer den feiernden Homos kaum andere Besucher oder Gäste verirrten. Anonymes Lächeln Das tat der guten Stimmung zwar keinen Abbruch, aber es ging ja wohl auch darum, dem sogenannten "Normalbürgen" die Vielfalt der Lebensweisen zu zeigen und unsere Forderung nach Integration und Toleranz zu demonstrieren.

Zum zweiten sagte OB Roßberg aus Termingründen die Schirmherrschaft über den diesjährigen CSD ab, als würdiger Ersatz sprang Frederike Beier in die Bresche, die im vergangenen Jahr selbst als OB-Kandidatin angetreten war. Nun doch zurück zum wesentlichen: denn der CSD-Samstag wurde trotz aller Befürchtungen keineswegs zum Flop, sondern ein großes Ereignis in der CSD-Geschichte Dresdens.

Den Auftakt bildete der Sektempfang am Albertplatz. Bis 12 Uhr sammelte sich rund um den Stand der AIDS-Hilfe Dresden e.V. eine bunte Menschenmenge, wobei die AIDS-Hilfe gleich für die ersten Diskussionen sorgte mit ihrer umstrittenen Aktion "Moralapostel", die wir ausführlich in der nächsten Ausgabe vorstellen werden. Nach etwas Hektik und einigem Durcheinander setzte sich die Menge denn auch fast pünktlich in Bewegung. Erstmals waren auch fünf Wagen beim Umzug dabei, welche den Demonstranten lautstark einheizten. Neu in diesem Jahr dabei der Wagen der Studentengruppe SchLaU, unterstützt vom "Robertos"-Team, und die HT-Kaffeebar, die neben heißen Getränken auch die bekannten HT Spezial Kondome der Marke Blausiegel unter die Leute brachte. Der Gerede-Wagen stand ganz im Zeichen von Rosenstolz. Und auch die Chemnitzer Community zweigte mit einem gemeinsamen Wagen Geschlossenheit.

Bei diesem Umzug war denn auch der Weg das Ziel: die Devise hieß "Schaut ruhig her, wir müssen und wollen uns nicht verstecken" und so traf die Demo auf ihrem Weg vom Albertplatz rund durch die Neustadt, über Königstraße und Theaterplatz zur Wallstraße auf sehr viele überraschte und auch neugierige Zuschauer und Passanten. Dabei gab es natürlich auch wieder jede Menge schöner Menschen in phantasievollen Kostümen zu bestaunen: zum Beispiel Cowboys in Plüsch, Lederkerle mit Sektkelch, Drag-Kings und Queens, Federboa-Träger oder auch die ganz normal Verkleideten. Sogar ein Teufel war mit uns im Bunde, ein gutes Omen?

Auch das anschließende Straßenfest überzeugte die Gäste, besonders das Programm auf der kleinen Bühne konnte sich sehen lassen. Macht Liebe Nach den Ansprachen von Schirmherrin Frederike Beier und Cornelia Ernst (PDS), feierten die Zuschauer begeistert die Drag-Kings of Berlin, die als Matrosen oder Boygroup auftraten. Auch die Show der Chemnitzer Kult-Omas Helga und Elfriede und die Travestie-Show von WIWA aus Leipzig wurden lebhaft beklatscht. Nur der Köln-Import Stefan Runge mit seinem Hit "Der geilste Arsch der Welt" kam scheinbar bei den Dresdnern nicht ganz so gut an. Trotzdem wurde ausgelassen gefeiert, bis um Punkt 18 Uhr die Polizei das Straßenfest abrupt beendete. Die Obrigkeit tolerierte keine Minute Überziehung, der bis 18 Uhr angemeldeten Veranstaltung.

Ja Ordnung wird in Provinz-Dresden halt groß geschrieben, aber die meisten hatten sich zu dem Zeitpunkt sowieso schon nach Hause begeben, um sich für eine heiße CSD-Partynacht vorzubreiten.

CSD VERLOSUNG MIT BLAUSIEGEL

Auf der CSD-Demo verteilte die HT-Kaffeebar die bekannten und beliebten Blausiegel HT Spezial Kondome, für alle, die nicht dabei waren, verlost Gegenpol 10 Wochenendpackungen der Kondome (Inhalt je 10 Stück) und 3 drei Blausiegel-Baumwoll-Shorts im Retro-Look. Viel Glück und vor allem viel Ausdauer mit der Wochenendpackung wünscht die Gegenpol-Redaktion.

Um zu gewinnen, schickt Ihr einfach eine Postkarte an die Redaktionsadresse oder eine eMail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , das Stichwort ist CSD-Blausiegel. Einsendeschluß: 20.07.2002.

DER CSD 2002 IN DRESDEN