Zu Besuch im Sex-Studio

Der eine hat schon mit dem Gedanken gespielt, für den anderen ist es ein regelmäßiges Vergnügen: der Besuch in einem Studio, welches Sex-Dienstleistungen anbietet. Obwohl die Prostitution dem Gesetz nach nicht mehr sittenwidrig ist, stellen sich doch einige Fragen. Hier gibt es Tips und Hinweise, um eine Orientierung zu ermöglichen.

Wer Sex-Dienstleistungen in Anspruch nimmt, sollte wissen, daß er einen privatrechtlichen Vertrag eingeht. Das heißt, ähnlich wie bei der Bestellung eines Autos geht der Kunde einen verbindlichen Vertrag ein, wenn er einen Termin mit dem Studio oder dem Callboy macht. Wird der Termin nicht wahrgenommen, kann der Anbieter ggf. ein Ausfallgeld einklagen. Auch umgekehrt ergibt sich für den Studio-Betreiber die Pflicht, die bestellte Dienstleistung zu erbringen oder Ersatz zu leisten.

Kontakte kann man über Inserate in Tageszeitungen (z.B. Morgenpost) oder das Internet (z.B. www.homo.de, www.erados.com) herstellen. Allerdings verraten diese Anzeigen nicht viel über die Qualität der Angebote. Als Kunde kann man aber die Spreu vom Weizen trennen, indem man sich vorher informiert. Auch hier bietet das Internet verschiedene Möglichkeiten. Allein die Eingabe des Namens und der Stadt des Anbieters in eine Suchmaschine zeigt, wie präsent jemand ist und wie viele Informationen es zu diesem Anbieter gibt. Insbesondere eine eigene ausführliche Homepage und Erwähnungen in überregionalen Medien sind eine gute Referenz (z.B. www.wahreliebe.de).

Jeder seriöse Anbieter wird weiterhin einen kostenlosen Besuch in seinen Räumen ermöglichen, damit sich der Kunde vorab über Sauberkeit, Hygiene und die Einrichtung informieren kann. Im Gespräch kann man dann auch Kenntnisse und Fähigkeiten erfragen, z.B. Massage-Ausbildung, Erste-Hilfe-Kurs. Zusätzlich können Profis Untersuchungen im Gesundheitsamt und eine Meldung beim Finanzamt nachweisen. Auch diese Scheine sollte man sich zeigen lassen. Über Preise und die gewünschte Dienstleistung sollte vorab eine Vereinbarung erfolgen. Beim Profi liegen die Tarife zwischen 40 und 110 Euro pro Stunde.

Werden die Preise vorab nicht genannt oder wird man zu einer Telefonzelle bestellt, dann ist von diesem "Vergnügen" eher abzuraten. Einen seriösen Anbieter erkennt man daran, daß er seine Adresse mitteilt. Ein Profi schickt Kunden durchaus auch mal nach Hause, wenn diese stark angetrunken oder durch Drogen beeinträchtigt sind. Ebenso werden vorher abgesprochene Grenzen eingehalten. Dies gilt besonders für den Klinik- und SM-Bereich. Vereinbarte Code-Worte steuern das Spiel und beenden es sofort, wenn der Kunde dies wünscht.

Unerfahrene Kunden werden vom Profi auf Risiken hingewiesen und angelernt. Safer Sex sollte sich von selbst verstehen. Daher findet kein "Bareback" statt, auch Dildos werden nur mit Gummi benutzt. Ein Profi wird mitgebrachte Kondome immer ablehnen, weil diese nicht genug Sicherheit bieten. Er weist den Kunden auf unerwünschte Spuren hin, die z.B. bei Peitschenhieben entstehen können. Der Kunde kann dann selbst entscheiden, ob er dies in Kauf nehmen will.

Beim Besuch im Studio ist durchaus auch der Partner/die Partnerin willkommen. Hausbesuche sind ebenfalls möglich, kosten aber mehr. All dies kann vorab abgesprochen werden. Wer sich rechtzeitig informiert und den Anbieter abcheckt, der hat am Ende mehr Spaß und weniger Risiko.

Fragen zum Thema beantwortet das Projekt "Von Mann zu Mann" der AIDS-Hilfe Dresden e.V. unter (0351) 4416141, immer montags von 17 bis 19 Uhr.

Matthias Schwager - AIDS-Hilfe Dresden e.V.

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