Bühne

Seid nett zu Mr. Sloane Auf dem Leipziger Theaterspielplan steht auch in der neuen Saison wieder ein schwules Stück. Im "Horch und Guck" ist ein Werk des selbst schwulen Autors Joe Orton, eines der sogenannten "angry young Men" der englischen Literatur, zu sehen. Die Ambivalenz des englischen Originaltitels "Entertaining Mr. Sloane" läßt sich der deutschen Übersetzung leider nicht ansehen. Eben jener Sloane ist jung und natürlich gutaussehend, hinter dieser Fassade aber skrupellos und darauf aus, sich auf Kosten anderer durchzuschlagen. In der alternden und einsamen Kath findet er eine ideale "Gastgeberin", deren Sehnsucht nach Zuneigung er gnadenlos ausnutzt. Er läßt sich willig von ihr verführen und zu ihrem 'Baby' machen.

Ja, und dann ist da der schwule Bruder Ed. Selbstredend verfällt auch Ed den Avancen Sloanes, läßt sich zu seinem Chauffeur machen – ohne wirklich zu bekommen, was er sucht. Doch dann wird Kath schwanger, das Doppelspiel fliegt auf. Als Sloane im Zorn auch noch den Vater der beiden erschlägt, haben ihn die Geschwister in der Hand und teilen ihn und seine Dienste als Liebhaber zynisch unter sich auf. Aus dem "unter- bzw. ausgehaltenen" Mr. Sloane wird der "unterhaltende" Sloane. Letzteres ist auch sehr schön auf der Bühne umgesetzt, als zum Schluß der Sozialhai Sloane seinen schönen Körper entblättern und nur im Slip den beiden herrschaftlich auf dem Sofa thronenden, frohlockenden Geschwistern zu Füßen kriechen muß.

Überhaupt haben die Leipziger eine gelungene Inszenierung auf die Bühne gebracht, auch die Schauspieler überzeugen in ihren Rollen und, was vielleicht auch nicht ganz unwichtig ist, beide Herren sind auch wirklich nett anzusehen.

Schnoe

Seid nett zu Mr. Sloane