Kino

Mit "Mein wahres Leben in der Provinz" bringen Olivier Duscatel und Jacques Martineau einen Film im Stile eines Homevideos auf die Leinwand, um die wunderbare Geschichte eines Coming outs zu erzählen. Szene aus: Mein wahres Leben in der Provinz Nach dem Erfolg des Roadmovies "Felix" hatten die Regisseure die Idee einen Film zu drehen, der so aussieht, wie der Unfug, den ein 16jähriger mit seiner Digitalkamera treibt. Ein Amateurvideo, eine Spielerei, die Eindrücke eines Teenagers, wie dieser seine Welt erlebt und wofür er sich interessiert. Darum ist es auch eigentlich kein richtiger Film, sondern eine Aneinanderreihung aus Erfahrungen, Experimenten und Gestelltem. Deshalb ist auch die Anfangsfrage "Geht's schon los?" durchaus berichtigt. Gestellt wird sie von Etiennes Mutter Caroline, die unsicher in die Digi-Cam glotzt, die ihr Sohn eben von der Oma zum Geburtstag bekommen hat. Ja irgendwie geht es los, mit all den Fehlern, die ein Heranwachsender und seine Familie eben so machen, wenn sie versuchen ein neues technisches Gerät zu bedienen.

Etienne, gespielt von Jimmy Tavares, bringt seine ganze Welt vor die Linse. Szene aus: Mein wahres Leben in der Provinz Die Familie, die Küste, den Friedhof, sich selbst, einen Jahrmarkt und die Stadt. Nichts soll eine Handlung abgeben, es gibt keine Dramaturgie und keine Stringenz. Der rote Faden jedoch ist die hingebungsvolle Ader, seinen besten Freund und den Geographielehrer vors Visier zu nehmen. Auch Bauarbeiter und Feuerwehrmänner kommen ihm immer öfter vor die Linse. Erhebliche Zeitsprünge zeigen damit das Erwachen von Etiennes Sexualität über die er sich immer mehr wundert. Kann ein Mann einen anderen Mann lieben? Mit dieser Frage wird der Film beendet und vermittelt doch das Gefühl eines neuen Anfangs. Mit geringem Aufwand wurde in diesem Werk eine große Wirkung erzielt. Es ist ein Teenagerportrait mit leichtem Doku-Touch, das auf Grund des Drehbuchs und den hervorragenden Schauspielern (Jimmy Tavares, Ariane Ascardi, Johnathan Zaccai) so authentisch wirkt, daß man die Inszenierung nach wenigen Minuten vergißt.

aro

"Mein wahres Leben in der Provinz"
läuft vom 28.08. bis 03.09.
im Kino im Dach, Dresden, 22.15 Uhr
ab 04.09. in der Schaubühne im Lindenfels Leipzig,
wechselnde Anfangszeiten

Eine Liebe in Rouen