Interview mit dem CSD-Verein

Nach dem Christopher Street Day 2003 baten wir Jens Kaden, Vorsitzender des CSD Dresden e.V., uns einige Fragen zu beantworten. Das Gespräch führte Myrko.

Gegenpol: Das 10-jährige Jubiläum in Sachsen ist gleichzeitig der zweite CSD unter der Organisationsleitung des CSD Dresden e.V. War es für Euch nach den ersten Erfahrungen im vergangenen Jahr nun etwas leichter das Event zu organisieren? Welche Probleme mußten dabei gelöst werden?

Jens Kaden: Der CSD Dresden e.V. wurde ja Ende November 2001 gegründet. Daher liefen einige Sachen für den CSD 2002 noch über den Gerede e.V., wie zum Beispiel Anträge und einige Finanzierungen. Die eigentliche Arbeit wurde jedoch schon die ganze Zeit vorher durch das ehrenamtliche Vorbereitungsteam geleistet. Und da die "Stammcrew" ziemlich gleich geblieben ist, wird man natürlich von Jahr zu Jahr professioneller.

Jens Kaden (links) auf der CSD-Parade
Jens Kaden (links) auf der CSD-Parade

Der CSD-Verein ist dazu die Plattform und der Vorstand versucht, neben der Arbeit am CSD auch gleichzeitig den Verein weiter zu entwickeln. So haben wir zum Beispiel Ende 2002 endlich den Status der Gemeinnützigkeit erreicht. Der Verein hat auf jeden Fall den Vorteil, daß die ehrenamtlichen Helfer rechtlich abgesichert sind (Haftungsfrage) und der Gerede e.V. entlastet ist. Zum anderen muß man aber sehen, daß Vereinsarbeit wirklich Arbeit heißt und vor allem der Vorstand dadurch doppelt belastet ist. Außerdem möchte ich an dieser Stelle mal allen danken, die sich in ihrer Freizeit so engagieren, denn wir können weder auf hauptamtliche Mitarbeiter, Praktikanten oder ein Büro zurückgreifen.

Gegenpol: Zum Umzug gab es überwiegend positive Stimmen, das Programm des Straßenfestes stand da eher im Kreuzfeuer der Kritiken. Wie schätzt der CSD e.V. den diesjährigen CSD ein.

Jens Kaden: Der Umzug muß als voller Erfolg gewertet werden. Noch nie waren so viele Teilnehmer und Fahrzeuge auf den Straßen von Dresden unterwegs und haben "Farbe bekannt". Wir hatten dieses Jahr neun Fahrzeuge, davon sechs LKWs in der Parade und auch die Teilnehmerzahlen haben sich trotz des wechselhaften Wetters gegenüber dem Vorjahr erhöht. In diesem Jahr haben wir auch die längste Strecke, seit Bestehen des CSD in Dresden absolviert. So konnten wir aber alle wichtigen Punkte der Stadt erreichen. Der Weg quer durch die Neustadt war ja schon im letzten Jahr ein voller Erfolg.

Eine länger Strecke bedeutet natürlich auch mehr Zeit und da haben wir uns etwas verschätzt. Eigentlich sollte das Straßenfest um vier beginnen und die "Einkaufspassanten" mit einbeziehen. Auf Grund des schlechteren Wetters und der kürzeren Ladenöffnungszeiten (übrigens war es der letzte Samstag mit kürzeren Öffnungszeiten) waren viele schon nach Hause gegangen. Was die einzelnen Programmpunkte betrifft, so kann man es nie allen Recht machen. Schon gar nicht in unserer Szene. Insgesamt sind wir zufrieden und möchten uns bei allen Künstlern, insbesondere bei Antonio Caputo und den beiden DJ's bedanken.

Gegenpol: Erstmals fanden CSD-Veranstaltungen und Parties auch in den anderen großen Städten Sachsens statt. Kann sich der Verein vorstellen, daß Umzug und Straßenfest vielleicht auch einmal in einer anderen Stadt, zum Beispiel Leipzig, stattfinden könnte?

Jens Kaden: Das ist ein Punkt über den man sicher nachdenken kann. Ich möchte an dieser Stelle aber keinen Standpunkt vertreten und die Community vielmehr dazu aufrufen, uns ihre Meinung dazu mitzuteilen. Entweder direkt per Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder über unser Gästebuch auf www.csd-sachsen.de.

Gegenpol: Es wurde vielfach kritisiert, daß sich OB Roßberg, immerhin offizieller Schirmherr des diesjährigen CSD, nur durch ein Grußwort und nicht persönlich bei der Parade oder der Straßenfest zeigte, was sicher auch mehr Medienaufsehen erregt hätte. Warum war Roßberg nicht vor Ort?

Jens Kaden: Herr Roßberg konnte leider aufgrund anderer Termine an diesem Tag nicht in Dresden sein, wie uns seine Pressereferentin mitteilte.

Er hat aber ein persönliches Grußwort an alle CSD-Teilnehmer gerichtet, in dem er sich unter anderem für die Eintragung der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft im Standesamt anstatt dem Regierungspräsidium aussprach. Wir würden uns freuen, wenn OB Roßberg auch im nächsten Jahr wieder die Schirmherrschaft übernehmen würde, vielleicht klappt es dann ja auch, daß er persönlich anwesend ist.

Gegenpol: Zum Abschluß ein Ausblick auf das nächste Jahr?

Jens Kaden: Ich wünsche mir, daß wir noch einige sächsische Städte mit einbeziehen und die Zusammenarbeit mit Chemnitz und Leipzig intensivieren können.

Auf jeden Fall streben wir wieder eine ganze CSD-Woche und einen großen Umzug an. Der Termin steht schon mal fest und den sollte keiner verpassen! - Samstag, 05.06.2004!

Vielen Dank für das Gespräch.

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