Comics vom Arsch der Welt

Cover: La Hiena Nicht nur hierzulande unbemerkt feierte im April in Argentinien das weltweit erste monatlich erscheinende Schwulen-Comic seinen ersten Geburtstag. Nun mag der Name des Heftes, La Hiena (zu deutsch "Die Hyäne"), nicht sehr anregend sein. Die Geschichten darin sind es sehr wohl. Keine Knöllchennasen á la Ralf König - nein! Bei den heißen Typen, die dort vorgeführt werden, geht es richtig zur Sache. Mit allem Drum und Dran.

Auch wenn Tom of Finland, wie der Herausgeber des Blattes, Hernán Lascano, uns gegenüber eingestand, als Vorbild Pate stand, ist La Hiena alles andere als ein billiger Abklatsch desselben. Zwar brauchen die Typen in puncto Geilheit, Muskelausstattung und der an gewissen anderen Stellen (Knackarsch und ordentliche Kanone) den Vergleich mit Tom in keiner Weise zu scheuen, aber sie sind mehr und bringen mehr rüber: vor allem auch den Spaß und ihre Wollust. Und was ihr Äußeres angeht, sind sie natürlich auch eher auf der Höhe der Zeit, da jeden Monat frisch aufs Papier gebracht. Und dabei erscheinen die Kerle nicht so unnahbar wie manche bei Tom und sind auch nicht auf eine bestimmte Subszene eingegrenzt, sondern schwimmen eher im Mainstream. Jetzt gibt es auch einen durchgängigen Helden, der nicht von ungefähr auch Toro ("Stier" oder wie wir sagen würden "Hengst") heißt und dessen Abenteuer sozusagen als Fortsetzungsroman erzählt werden. Naja, nicht wirklich Roman, aber die Typen unterhalten sich schon in den Geschichten, es ist also ein vollwertiger Comic inklusive Sprechblasen!

Allerdings wollen die Macher nicht nur für Platzmangel in der Unterwäsche ihrer Käufer sorgen, sondern den Prüden unter ihnen gleichzeitig eine gute Entschuldigung an die Hand geben, warum man dieses Heft am Zeitungskiosk (ja!, in Argentinien bekommt man La Hiena - zwar mit dem Hinweis "Nur an über 18-Jährige" an ausgewählten Zeitungskiosken - und natürlich in der Szene) ersteht. Deshalb gibt es in jedem Heft neben den drei Comic-Geschichten jeweils noch einen heißen "psychologischen" Test, eine Satirekolumne Gaytudeces (ungefähr sowas wie "Wie man als Schwuler ins Fettnäpfchen treten und treffen kann"), Beiträge zu schwulem Lifestyle, Hygiene, Wellbeing und Sex(toys). Für all das sowie die Sprechblasen zeichnet Chef und Initiator Hernán Lascano verantwortlich. Unterstützt wird er von Facundo Lozano, genannt "El Chuncho" (nichts weiter als ein Spitzname). Der war früher Theatermaler an der Oper und ist sozusagen das zeichnerische Herz des Ganzen. Die von ihm gelieferten Bilder schließlich werden von Chefdesigner Nacho, Hernáns Bruder, der auch das Design des gesamten Heftes unter sich hat, graphisch aufgepeppt. Alle drei kommen übrigens aus der Werbung und quersubventionieren ihr Heft derzeit noch mit Einnahmen aus ihrer gemeinsamen Werbeagentur, die sie im Jahre 2000 aus der Taufe hoben.

Wie kommt man nun dazu, einen Schwulen-Comic "Hyäne" zu nennen. Ganz einfach: Die Idee zu diesem Heft entstand im Dezember 2001, als Argentinien gerade von einer der schwersten ökonomischen Krisen heimgesucht und erschüttert wurde. Von heute auf morgen wurden die Dollarkonten der Bevölkerung eingefroren und die gesetzliche Bindung der Landeswährung Peso an den Dollar aufgehoben, woraufhin diese über Nacht nur noch ein Drittel wert war. Auch die Hyäne, so Hernán weiter, hat es nach menschlichem Ermessen nicht leicht, muß sich von Kadaver ernähren, und ist dennoch zufrieden mit sich und der Welt. Mit ihren ebenso geilen wie humorvollen Geschichten und redaktionellen Beiträgen will La Hiena ihren "Lesern" zumindest für die Dauer der Lektüre das Lachen zurückgeben.

Seit April 2002 kann sich die argentinische Schwulengemeinde jeden Monat auf ein neues Heft von La Hiena freuen (und das zu einem wohl gerade mal symbolischen Preis - 80 Seiten für 1,50 Euro). Seit neuem wird das Heft auch in Madrid verkauft und bringt den Machern so wenigstens ein paar Devisen ein und man könnte, meint Hernán Lascano, langsam aber sicher aus den roten Zahlen kommen.

So wünschen wir denn an dieser Stelle Facundo, Hernán und Nacho alles erdenklich Gute zum ersten Geburtstag ihres Sprößlings sowie viele kreative Einfälle und beste Erfolge für die Zukunft.

Schnoe

Geile Strichmännchen