Peter Cameron: Die Stadt am Rande der Zeit

Buch-Cover: Peter Cameron - Die Stadt am Rande der Zeit Omar Razaghi ist ein liebenswerter Tollpatsch, wie er im Buche steht - und hat gerade ein Stipendium bekommen für sein Projekt: eine Biographie eines kaum mehr bekannten Schriftstellers Jules Gund. Da er jedoch wider Erwarten die Autorisierung der Nachlaßverwalter Gunds - seiner Frau, seiner Geliebten und seines Bruders - nicht erhält, macht er sich auf nach Ochos Rios, ein gottverlassenes, idyllisches Dorf in der weitläufigen Pampa von Uruguay, wo die gesamte Sippschaft lebt. Vielleicht kann er sie ja umstimmen. Sein Erscheinen dort bringt das Leben der Familie gehörig durcheinander, und alles gerät in Wallung, erwacht scheinbar erst durch ihn zum Leben. Durch ihn denkt Gunds Frau beispielsweise erstmals darüber nach, was sie hier, nachdem ihr Mann mit seiner Geliebten auftauchte, eigentlich noch verloren hat. Bewegung gerät auch in die Beziehung von Gunds älterem Bruder Adam und Pete, seinen jungen asiatischen Geliebten. Eine recht witzige Figur im übrigen. Und auch Omar selbst findet durch seine Reise nach Uruguay offenbar endlich zu sich. Das Buch besticht insbesondere durch die eingefangene Atmosphäre, man fühlt sich der Welt entrückt, in eine ganz eigene Welt versetzt. Thematisch geht es - am Aufhänger der zu schreibenden Biographie - um Geheimnisse und das Recht des Einzelnen, solche zu haben. Den kleinen Geheimnissen und Kleinkriegen in der Familie der Gunds folgt man dabei nicht ohne Interesse.

schnoe

Peter Cameron
Die Stadt am Ende der Zeit
Roman, 313 Seiten
Aufbau Verlag Berlin
ISBN 3-35102-95-27

Geheimnisse