... gibt überhaupt es noch ein Coming Out?

In Zeiten, wo das schwule Pärchen plötzlich gern als Mieter des schicken Lofts gesehen ist, wo der eingetragene Partner das Auskunftsrecht über seinen hospitalisierten Freund hat, wo Anomalie, Geisteskrankheit, oder Perversion kein Synonym für Schwulsein mehr ist, wo sich in jeder Vorabendserie Will & Jack gute Nacht sagen, wo der Homoporno via Internet ins Wohnzimmer kommt, wo Schwulendemos keine Forderungen mehr artikulieren (müssen?), wo die Herrenkollektion warm und die Partnerbörse rosa ist? Muß man sich als etwas anderes bekennen (= outen), wo man doch so gut wie integriert ist?

Noch vor acht Jahren waren die eben beschriebenen Dinge nicht selbstverständlich. Das machte es vielen sehr schwer, die eigene (abweichende) Orientierung erst wahrzunehmen, dann mit viel Mut anzunehmen und mit der Inkaufnahme von Repressalien oder Isolation diese dann auch nach außen hin zu leben. Jeder hat das persönlich anders erlebt, und sicher wohnt diesen Schilderungen hier auch bewußt etwas Übertreibung inne. Was jedoch nicht vergessen werden darf, ist, daß trotz unserer nunmehr liberaleren Gesellschaft der Schritt ins mannmännliche bzw. fraufrauliche Leben noch für viele ein schwieriger, auch schmerzlicher Schritt ist. Wer nicht in einer bunten Stadt, sondern in einer stickigen Gemeinde lebt, sich seit eh und je in einer heterosexuellen Beziehung befindet, ..., der kann aus eigener Kraft auf einen neuen Lebensweg finden, er kann aber auch Beratung und Begleitung hierfür benötigen.

Gerade in der Zeit der Christopher-Street-Days, der Zeit schwul-lesbischen Feierns und Demonstrierens, möchte die AIDS-Hilfe Dresden e.V. in ihrem Beratungsangebot "Schwule Männer beraten (schwule) Männer" Appetit darauf machen, bei Lust aufs eigene Geschlecht die Berater zu Coming Out, schwuler Gesundheit und schwulem Leben "auszufragen". Im Monat Juni wird sich montags zwischen 17 und 19 Uhr alles um diese Themen drehen. Dort ist ein Berater mit Coming Out-Trainingserfahrung für alle Eure Fragen da, der Euch gern auch über das Angebot des Gerede e.V. Dresden sowie die dort für Oktober geplante Coming-Out-Gruppe informiert.

Aktuell zum Thema Coming-Out bietet die Mediothek des Gerede e.V.
im Juni eine Vorstellung ausgewählter Bücher dazu.
Geöffnet: jeden Mittwoch 18.30 - 20 Uhr
im Stadtteilhaus, Infoladen der AIDS-Hilfe

AIDS-Hilfe Dresden e.V.
Bischofsweg 46
"Schwule Männer beraten (schwule) Männer": immer Mo. 17 – 19 Uhr
Themenmonat Juni: "Coming Out & Co."

Das postmoderne Coming Out