Nachbetrachtung zur Veranstaltung "Das verordnete Geschlecht II"

Gut besucht war die vom Referat für Gleichstellungs- und Lebensweisenpolitik des Studentinnenrates der Universität Leipzig, der Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen e.V. und der AG queer bei der PDS Sachsen organisierte Veranstaltung "Das verordnete Geschlecht II" in Leipzig. Mehr als 40 Gäste fanden sich zu einer Diskussion mit Elisabeth Müller (eine der Hauptdarstellerinnen des ebenfalls gezeigten Filmes "Das verordnete Geschlecht") ein.

Natur schafft Vielfalt. Jeder Mensch ist anders. Erst durch gesellschaftliche Konstruktionen und Restriktionen entsteht die Rollenzuweisung und die Festlegung von zwei Geschlechtern. Alles was nicht in dieses Raster paßt, wird stigmatisiert, pathologisiert und durch gewalttätige Eingriffe versucht, der Binärität unseres derzeitigen Denkens zu unterwerfen. Ein besonderer Schwerpunkt dieser Veranstaltung lag auf Glaubensfragen, insbesondere in Bezug auf die christliche Religion. Elisabeth Müller, als Kirchenmusikerin tätig, konnte Diskriminierungen gegenüber Intersexuellen aufzeigen, die aus einseitigen und auch falschen Ableitungen aus der Bibel folgen. "Gott schuf den Menschen als Mann und Frau" stößt Menschen, die nicht in ein solches Schema passen, vor den Kopf – "Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde" ist eine diskriminierungsfreie Alternative. Elisabeth konnte aber auch von vielen positiven Erfahrungen aus ihrer Gemeinde berichten.

Es blieb aber nicht nur bei einer Debatte über Glaubensfragen. Dazu gesellten sich, vielen als banal erscheinende, Fragen (Welche Toilette dürfen Intersexuelle benutzen? Warum wird diese überhaupt binär eingeteilt? ...und warum dann bei Behinderten nicht – haben diese etwa keine Sexualität?) bis hin zu politischen Handlungsansätzen: Ein Rechtsstreit Michael Reiters zur Eintragung von "Zwitter" in den Ausweis, hat den Hintergrund, daß damit gewaltsame Geschlechtsangleichungen bei Intersexuellen mittelfristig verhindert werden könnten – was legalisiert wird, kann nicht pathologisch verfolgt werden. Mehr Aufklärung der Eltern intersexueller Menschen könnte kurzfristig solche Operationen vermeiden. Grundlage langfristiger Projekte muß es sein, so das Ergebnis der Diskussion, die Zweigeschlechterordnung zu hinterfragen und abzuschaffen und damit allen Menschen ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Die weibliche Bezeichnung schließt Menschen aller Identitäten ein.

Free gender - freie Geschlechtlichkeit