Wunderbares Coming Out im Theater

Der erste Kuss zwischen Ste (Ricardo Endt) und Jamie (Franz Friedrich) In den 90er Jahren lief im Kino wie auch im Fernsehen erfolgreich der ebenso bedrückende wie ermutigende Film "Beautiful Thing". Nun machte sich ein Jugendtheaterprojekt des Theatrium in Leipzig-Grünau daran, diesen Stoff auf die Bühne zu bringen. Am 13. April war die Premiere.

Jamie ist anders als die anderen, und jeden Mittwochnachmittag wird ihm das um so schmerzhafter bewußt, wenn Sport auf dem Stundenplan steht. Gerade hier wird er als "Arschficker" oder "Hinterlader" gehänselt und seine Tasche zum Spielball. Auch Ste, der Nachbarssohn, beteiligt sich, wenn auch widerwillig, an den Hänseleien. Ste hat daheim nichts zu lachen, leidet unter seinem versoffenem Vater und älterem schlagenden Bruder. Beständig sucht der die Spuren der geschwisterlichen und väterlichen Gewalt zu verbergen. Und auch Ste ist anders als die anderen.

Jamies Mutter - in ihrer mütterlichen Fürsorglichkeit wie in ihrer Unsicherheit überzeugend dargestellt von Alexandra Hromek - kann sein Leid nicht mit ansehen und nimmt ihn zu sich, wo er mit Jamie das Bett teilen muß. Unsicher, verängstigt und zugleich befangen durch die angelernten Rollenklischees lernen die beiden nur langsam mit der Situation um- und aufeinander zuzugehen. Gerade diese Zwiespältigkeit der Jugendlichen - vor den anderen Jungs und den Eltern den Macker spielen zu müssen und andererseits zutiefst verängstigt zu sein - stellen die beiden Hauptdarsteller Franz Friedrich (Jamie) und Ricardo Endt (Ste) mit beeindruckender Überzeugungskraft dar.

Wegen ihrer herausragenden schauspielerischen Leistung verdient Doreen Klose in der Rolle der lesbischen Stänkerin Leah besondere Erwähnung. Überhaupt sind das Engagement und der Mut der zwölf jugendlichen Akteure und ihrer Projektleiter mit Martin Frolowitz an der Spitze anzuerkennen, das schwierige Coming Out schwuler Jugendlicher inmitten von gescheiterten, desillusionierten Existenzen und auf Macho gedrillten Altersgenossen auf der Bühne zu thematisieren.

Schnoe

Dolles Ding
nächste Vorstellungen: 16. und 17. Mai
sowie 29. und 30. August, jeweils 20 Uhr
im THEATRium Leipzig-Grünau
Miltitzer Allee 52, 04205 Leipzig

Foto: (c) Beate Roch
Sensibel inszeniert: Der erste Kuß zwischen Ste (Ricardo Endt l.i.B.) und Jamie (Franz Friedrich)

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