über sexuell übertragbare Krankheiten

Über Krankheiten, die beim Sex übertragen werden können, gibt es viele dicke und dünne Bücher, wissenschaftliche Arbeiten und mehr oder weniger allgemeinverständliche Ratgeber. Dieser Beitrag soll keine systematische Abhandlung sein, sondern möchte ein paar Hinweise geben, worauf man beim Zusammensein mit dem "ganz festen" Gefährten, aber auch beim Vergnügen mit dem gelegentlichen, dem einmaligen oder dem anonymen Partner achten sollte, wenn man sich den interessanten Regionen zuwendet. Auch das Gespräch, so es noch zu einem kommt, kann Hinweise auf unangenehme oder gefährliche Erkrankungen geben.

Syphyliserreger unterm Mikroskop Relativ auffällig erscheint die Syphilis, weil sie Hautveränderungen verursacht. Reichlich linsengroße geschwürähnliche Knötchen (Primäraffekte) an Vorhaut, Eichel oder der Analregion, aber auch an der Zunge oder den Lippen sollten den Verstand alarmieren, der sofort das Umschalten von Geilheit auf Vorsicht veranlassen müßte. Die Knoten entstehen dort, wo die Erreger der Syphilis in den Körper eindringen, später kommt es zu Lymphknotenschwellungen und teilweise leicht nässendem Ausschlag an der Haut und den Schleimhäuten und erst jetzt zu Krankheitserscheinungen wie Fieber, Kopf.- und Gliederschmerzen. Unbehandelt verschwinden diese Symptome wieder und erst nach Jahren bricht die Krankheit erneut aus und verursacht schwere Schäden an inneren Organen und dem Gehirn.

Die Ansteckung erfolgt durch Schleimhautkontakt mit den genannten Hautveränderungen, die Erreger (Treponema pallidum) dringen auch durch die intakte Schleimhaut ein, in ca. 5% wird eine Infektion durch gemeinsam benutzte Gegenstände z.B. Trinkgefäße beschrieben.

Die Syphilis, auch Lues genannt ist eine sehr lange bekannte Krankheit, die vermutlich im Mittelalter aus dem neu entdeckten Amerika nach Europa kam, denn bei den Spaniern hieß sie indianische, bei den Franzosen spanische und in Deutschland französische Krankheit. Nach Kriegen und in Notzeiten kam es stets zum Anstieg der Erkrankungszahlen, aber auch in den letzten Jahren wird in Mitteleuropa nach zwischenzeitlichem Absinken von einer Zunahme berichtet. Seit der Entdeckung der Antibiotika ist sie bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut heilbar. Schützen kann man sich vor einer Infektion, indem der direkte Kontakt mit den Hautveränderungen und mit offenen Wunden vermieden wird, also Safer Sex.

Ausfluss bei Tripper Berichtet das "Objekt der Begierde" von Brennen beim Wasserlassen und eitrigem Ausfluß aus der Harnröhre, vielleicht wird letzteres auch bemerkt (es sieht anders aus als der "Vorsaft"), könnte ein Tripper (Gonorrhoe) vorliegen. Die Übertragung der Infektion erfolgt praktisch nur beim Sex. Alle Schleimhäute können betroffen sein, durch die Erreger (Gonokokken) werden heftige Entzündungen an Eichel und Vorhaut, am After und im Enddarm, im Mund und Rachenraum, aber auch an der Augenbindehaut hervorgerufen. Die betroffenen Regionen sind wiederum infektiös und beim Lecken, Blasen, Anal- oder Oralverkehr hat es den nächsten schnell erwischt. Außerhalb des Körpers sterben die Erreger sehr schnell ab, die Ausrede, sich den Tripper auf der verschmutzten Toilette geholt zu haben, taugt nichts. "Wenn schon, dann ist es doch im Bett viel bequemer", sagte unser Professor für Haut und Liebe in der Vorlesung zu dieser Frage.

Der frische Tripper ist gut behandelbar und heilt meist folgenlos aus, unbehandelt kann er schwere Eiterungen und Abszesse verursachen, auch Gelenkentzündungen können auftreten. Schutz vor der Infektion bieten allgemeine Hygiene (Händewaschen) und Safer Sex.

Ähnliche Krankheitserscheinungen wie beim Tripper können auch andere Erreger auslösen. Chlamydien genannte Bakterien sind z.B. heute die häufigste Ursache sexuell übertragener Harnröhrenentzündungen. Sie können aber auch die schon bei der Syphilis genannten Lymphknotenschwellungen in den Leistenbeugen hervorrufen. Ähnlich dem Primäraffekt der Syphilis, auch "harter Schanker" genannt, sieht der weiche Schanker (Ulcus molle) aus, der wieder durch andere Erreger verursacht wird. Für alle gilt, daß sie rechtzeitig erkannt, gut behandelbar sind.

Harter Schanker Juckende kleine Bläschen an der Eichel, der Vorhaut oder am After sind Folge einer sexuell übertragbaren Virusinfektion, ähnlich den sog. Fieberbläschen (Herpes) an den Lippen. Für den sonst Gesunden sind sie lästig, aber nicht sehr gefährlich. Nach der Erstinfektion sind grippeähnliche Allgemeinerscheinungen häufig, die Viren selbst wird man praktisch nie wieder los und in mehr oder weniger großen Abständen kommt es zu erneuten Bläschenbildungen.

Größere Hautveränderungen von Flecken über Papeln bis zu Wucherungen an den gleichen Stellen werden "Feigwarzen" genannt, sie sind auch virusbedingt. Die Infektion erfolgt durch direkten Kontakt, die Erscheinungen treten aber erst Wochen bis Monate danach auf. Die Behandlung ist oft langwierig und erfolgt durch Verätzungen mit bestimmten Lösungen, Kälteanwendung oder auch chirurgisch. Schützen kann man sich vor diesen Infektionen teilweise mit Kondomen, sicherer ist es aber den Kontakt mit den Hauterscheinungen zu vermeiden.

Winzige braune oder weiße Punkte an den Schamhaaren verbunden mit Juckreiz sprechen für Filzläuse, die beim Sex übertragen werden. Sie können auch an anderen Körperhaaren und sogar an Augenbrauen auftreten. Los wird man sie wieder mit laustötenden Mitteln und gründlichster Reinigung der Kleidung und der Bettwäsche. Schützen kann man sich kaum, denn wenn sie bemerkt werden, ist es meistens schon zu spät.

Alle bisher beschriebenen, bei der schönsten Sache der Welt übertragenen Krankheiten sind mehr oder weniger äußerlich erkennbar, obwohl sicher sehr oft zu spät, da die Gedanken auf andere Dinge als Geschwüre, Ausfluß aus der Harnröhre, Knoten in der Leistenbeuge oder Hautveränderungen gerichtet sind und der Partner meistens kaum nach Brennen beim Wasserlassen oder Juckreiz, wo auch immer, gefragt wird.

Überhaupt nicht erkennbar ist aber der gefährlichste Krankheiterreger das HIV, das AIDS verursachende Virus. Lange Zeit, Monate und Jahre befinden sich die Viren in den Organen des Körpers und im Blut, aber auch in anderen Körperflüssigkeiten, ohne den Träger wirklich krank zu machen. Falls er nicht aus irgendwelchen Gründen einen HIV-Test machen läßt, weiß er nichts davon. AIDS ist nach wie vor nicht heilbar, in den letzte Jahren ist es aber gelungen, den Ausbruch der Erkrankung bei HIV-infizierten zu verzögern und auftretende Krankheitserscheinungen oft wieder zurückzudrängen. Aber - das ist die gute Nachricht - vor HIV kann man sich sehr einfach und effektiv schützen. Auch hier gelten die Safer Sex-Regeln:

Analverkehr nur mit Kondom. Beim Oralverkehr nicht in den Mund abspritzen. "Sexspielzeuge" gut desinfizieren oder z.B. Dildos mit Kondom anwenden.

Zu all diesen Fragen informieren die ehrenamtlichen Berater der AIDS-Hilfe Dresden:

Von Mann zu Mann
- jeden Montag 17:00 bis 19:00 Uhr
- 0700 HILFE 351 oder 0351 4416141.

Dr. Eckehard Hütter

Die AIDS Hilfe Dresden berät