Im Gespräch mit "anders beraten"

Wer unter 40 Jahre alt ist erhält vom Staat seit dem 1. Januar 2001 im Falle einer Berufsunfähigkeit deutlich weniger Geld als vorher. Aber niemand der arbeitet, auch wenn er über 40 ist, mag sich mit dem Thema "Berufsunfähigkeit" beschäftigen. Gerade auch Lesben und Schwule neigen dazu, dieses Thema zu verdrängen.

Anders dagegen die Versicherungsgesellschaften. Es wird ein Kaufargument nach dem anderen erfunden, um damit dem Kunden wie der Teufel hinter der armen Seele hinterher zurennen.

Über den Sinn oder Unsinn von Berufsunfähig-keitsversicherungen haben wir mit "anders beraten" gesprochen.

Gegenpol: Die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit wird in den Medien immer als wichtiges Thema dargestellt.

anders beraten: In der Vergangenheit schied jeder zweite Erwerbstätige vorzeitig aus seinem Berufsleben aus. Gerade Schwule sind sehr aktiv, beruflich engagiert, leben oft als Singles und sind über die gesetzliche Rentenversicherung als Angestellte nur unzureichend abgesichert, es ist also schon ein wichtiges Thema.

Gegenpol: Was muß man denn dabei beachten?

anders beraten: Nach unabhängigen Tests kann man heute nicht mehr gehen. In Deutschland tummeln sich weit über 70 Anbieter.

Fast die Hälfte der getesteten Versicherungen hat irgendwo schon einmal fünf Sterne oder ein sehr gut bekommen. Darunter sind auch Gesellschaften die keine Erfahrungen im Umgang mit Berufsunfähigkeitsversicherungen haben oder solche, die noch vor einem Jahr sehr schlechte Bedingungen hatten. Ein weiterer Punkt ist die Prozeßfreudigkeit. Einige Versicherungsgesellschaften scheinen im Leistungsfall nicht gerne zahlen zu wollen, sie prozessieren lieber. Das kommt aber in den gängigen Tests nicht zum Ausdruck.

Gegenpol: Gibt es für Schwule und Lesben besondere Einschränkungen?

anders beraten: Wir stecken in einem Dilemma. Gehe ich zu einem spezialisierten Versicherer und oute mich, ist dieser meist vorurteilsbehaftet und lehnt mich ab oder belegt meine Prämie mit einem saftigen Zuschlag. Gehe ich zu einem "gay-friendly" Versicherer, bietet dieser meistens nur mittelmäßige Absicherungen an. Entdeckt man dann einen leistungsstarken Versicherer in einem existierenden Schwulenkonzept muß man feststellen, daß auch hier mit versteckten Risikozuschlägen gearbeitet wird.

Gegenpol: Es gibt also immer noch Diskriminierung?

anders beraten: Unserer Meinung nach ist das Berufsunfähigkeitsrisiko unabhängig von der sexuellen Orientierung. Viele Versicherer sehen das aber anders und erheben Risikozuschläge wenn sie von der Homosexualität erfahren. Wir konnten auf den Versicherungsanträgen dazu keine direkten Fragen finden.

Trickreich wird es erst, wenn Gesundheitsfragen negativ beantwortet werden und die Versicherungsunternehmen anfangen nachzufragen, um dann Rückschlüsse zu ziehen. Heikel sind hier natürlich die sexuell übertragbaren Krankheiten.

Gegenpol: Welche Rolle spielt eigentlich der Preis?

anders beraten: Ähnlich wie in der privaten Krankenversicherung spielt der Preis bei der Neukundengewinnung eine wichtige Rolle. Aber neue Kunden werden oft mit günstigen Prämien gelockt, die sich dann innerhalb weniger Jahre drastisch erhöhen können.

Ob das für den Kunden tragbar ist oder nicht spielt keine Rolle.

Gegenpol: Welche Rolle spielt die Beratung?

anders beraten: Gerade bei der Berufsunfähigkeitsversicherung geht es um ein angemessenes und passendes Konzept, Standardlösungen gibt es hier nicht.

Themen wie z.B. die Höhe der Absicherung, die passende Laufzeit oder die richtige Berufsgruppe lassen sich vom Verbraucher schwerlich selbst klären, wobei die Gesundheitsthematik bis jetzt noch gar nicht berücksichtigt ist.

Gegenpol: Eigentlich hat ja jeder irgendein Zipperlein.

anders beraten: Ja leider, denn nach unseren Erfahrungen stellen sich die Versicherungsgesellschaften bei rund 20 Prozent unserer Kunden an. Die notwendige Absicherung der Berufsunfähigkeit bei Vorerkrankungen wie beispielsweise Rückenleiden, Bandscheibenvorfall oder Asthma ist nur sehr schwer zu versichern. Es ist leider eine Tatsache, daß es für manche Menschen mit schweren Erkrankungen nicht möglich ist eine Absicherung zu erhalten.

Gegenpol: Wir danken für das Gespräch.

Berufunfähig - Na und ?