Olivia Kleinknechts Kabale und Liebe

Buch-Cover: Olovia Kleinknecht - Der Regisseur Vittorio Angelotti ist ein Machtmensch; als Regisseur und Schauspieler erfolgreich, bei Frauen und Männern begehrt, selbstsicher, wortgewandt. Er hat die Fäden seines Lebens und das der anderen um ihn herum in der Hand. Und das nutzt er teils gedankenlos, teils ohne Rücksicht aus. Er kontrolliert, manipuliert, mißbraucht. Neben seiner Arbeit interessiert ihn nur sein eigenes erotisches Vergnügen, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Dabei schreckt er auch vor einem Mord nicht zurück, in der Hoffnung, neue Sinneserfahrungen zu machen.

Während er anfangs allmächtig erscheint, sich ihm die Figuren in nahezu masochistisch-selbstzerstörerischer Weise freiwillig unterwerfen, sträubt sich das Leben schließlich selbst gegen seine Regie. Angelotti entgleitet die Kontrolle über die Folgen seiner Handlungen und er kann zunehmend nur noch reagieren. Die Lawine der Ereignisse, die er losgetreten hat, kann er nicht stoppen und mit ihm werden auch die anderen Figuren tragisch, wenngleich nicht schuldlos, in die Tiefe gerissen. Olivia Kleinknecht debütierte 1998 mit dem Roman "Liebeslohn", in "Der Regisseur", erschienen bei Verlag Ludwig, begibt sich die Autorin sprachlich meisterhaft in die Abgründe menschlicher Leiden(schaften). Mit zynischem Wortwitz, gewandt und doch sensibel spielt sie mit den Gefühlen der Lust und den allzu menschlichen Trieben nach Macht und Befriedigung. Besonders gelungen sind in diesem Blickwinkel die eingestreuten detailreich geschilderten Filmszenen aus "Il Papa", ein Rückblick auf das erfolgreichste und umstrittenste Werk des Regisseurs Angelotti, in dem es um einen machtbesessenen Papst in Rom des Mittelalters geht, der seine Position für seine erotisch-gewalttätige Vergnügungen und Phantasien ausnutzt. Dieser Papst ist das Pendant zur Hauptperson Angelotti, idealerweise auch gespielt von ihm selbst.

Weiter-Link zum Interview mit Olivia Kleinknecht