Onkel Ralf und die Szene

Das Markenzeichen "Onkel Ralf" war leider für so manchen wie ein rotes Tuch. Schon im Vorfeld hatten manche Veranstaltungen, die von Ralf Koppetzki und seinem Team organisiert wurden, bei Schwulen gegen schlechte Meinungen oder übersteigerte Erwartungen anzukämpfen, die ein Veranstalter wirklich nur schwerlich erfüllen kann. "Mein Selbstverständnis als Partyveranstalter liegt darin", meint Ralf Koppetzki dazu, "daß meine Parties den Gästen Spaß bringen sollen. Dabei sind die Geschmäcker aber verschieden und ich kann natürlich nicht jeden Wunsch befriedigen. Die Vielfalt liegt eben auch in der Verschiedenheit und Anzahl der Macher."

So war 2002 - oberflächlich betrachtet - kein besonders gutes schwules Jahr für den Szeneveranstalter Ralf Koppetzki.

Zu guter letzt hat er nun seine Bar Queens verkauft und den "Gay on Monday" aufgrund der DownTown-Konkurrenz eingestellt. Andere Veranstaltungen außerhalb der direkten Schwulenszene, wie zu Beispiel der sehr erfolgreiche Germanclub, welcher mittlerweile aus dem Netzwerk der bekanntesten deutschen Clubs nicht mehr wegzudenken ist, werden einfach ausgeblendet. Dabei weiß man nicht genau, was man Onkel Ralf eigentlich übel nimmt: sein Engagement außerhalb der Szene oder andererseits, daß er nicht noch mehr Veranstaltungen für Schwule und Lesben macht? Oder daß er mit der Szene Geld verdient?

"Mir ist aufgefallen, daß es, egal welche schwulen Angebote man machte, es in der letzten Zeit sehr wenige zufriedene Gäste gab" sagt Onkel Ralf, "und zur Zeit habe ich zwar Verständnis aber keine Lust mehr für notorisch Jammernde, denen ich es von vornherein nicht recht machen kann. Es ist mit Sicherheit bedingt durch ein momentan sehr schlechtes Lebensgefühl unter den Leuten, die Gründe dafür sind ja allen bekannt, aber ich kann es eben auch nicht ändern."

Deshalb nimmt sich Ralf jetzt erst einmal eine kurze kurze Auszeit, um sich auf seine anderen Projekte zu konzentrieren.

So begründet er auch den Verkauf seiner Bar "Queens" als Entscheidung aus Zeitmangel: "Ich denke, Jan kann als neuer Betreiber frischen Wind in den Laden bringen."

Aber auch in Zukunft wird sich Ralf Koppetzki nach eigenen Aussagen nicht vollständig aus der schwulen Szene zurückziehen. Ab dem Frühjahr ist eine neue wöchentliche Party geplant, diesmal in der Innenstadt. Andere Events, so beispielsweise zum CSD in Dresden, sind in Vorbereitung. Und "natürlich ist auch jeder Schwule und jede Lesbe, die eine lockere und entspannte Party genießen wollen, im Germanclub oder auf meinen anderen Parties und Events willkommen", lädt Ralf zum Ende des kurzen Gegenpol-Gesprächs ein.

GP

Winterpause