Der Garten der toten Bäume

Buch-Cover: Jossi Avni - Der Garten der toten Bäume Der Titel gibt dem Leser schon eine gewisse Einstimmung auf das, was ihn auf den 200 Seiten des Buches erwartet: eine tief melancholische, äußerst poetisch Sprache, die viel zu dem Lesegenuß beiträgt, den der Roman beim Lesen erzeugen kann. Man taucht ein, läßt sich vom Autor hinwegtragen und hat danach doch manche Nuß zu knacken.

Erschreckend trostlos wandelt im ersten Teil Jossi von einer Affäre zur anderen - auf der Suche nach dem Mann fürs Leben wird er jedoch immer wieder enttäuscht. Dazu wird er von seiner Übermutter tyrannisiert. Wie authentisch der immer wieder zutage tretende Selbsthaß der Protagonisten im homophoben Israel ist, läßt sich schwer sagen. Auf jeden Fall macht dies ein starkes Moment dieses Büchleins aus, mit dem man erst einmal fertig werden muß.

Eine tragende Rolle spielt die Funktion von Blicken aller Art – leeren, sehnsüchtigen, schmachtenden, haßverblitzten. Am eindrucksvollsten die meisterhafte letzte Story um einen 39-jährigen Professor, der sich in seinen umwerfenden Lieblingsstudenten verliebt.

Ein Vergleich mit Stefan Zweigs "Verwirrung der Gefühle" ist nicht unangemessen. Der Autor versteht es meisterhaft Atmosphäre zu schildern und zeigt, wie wenig Explizität dazu notwendig ist.

schnoe

Jossi Avni
Der Garten der toten Bäume
Roman, 207 Seiten
Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main
ISBN 3-518-39879-2
Euro 8,00

Jossi Avni