television

Do., 2.01., 20.15 Uhr, 3sat
Spielfilm
When Night Is Falling
(Kanada 1995, R.: Patricia Rozema, D.: Pascale Bussières, Rachael Crawford, Henry Czerny u.a) Wunderschöner Lesbenfilm: Camille ist Professorin an einem christlichen College und mit ihrem biederen, netten Kollegen Martin liiert. Als ihr Hund überfahren wird, hat sie bezeichnenderweise das Gefühl, das Wichtigste im Leben verloren zu haben. Sie lernt die schöne Zirkusartistin Petra kennen, die sich auf den ersten Blick in die attraktive Professorin verliebt. Petra wirbt um Camille und stürzt sie damit in Gewissensnöte. Zugleich lernt sie immer mehr von Petras magischer, liberaler (Zirkus-)Welt kennen... Regisseurin Patricia Rozema hat ihren Spielfilm zwischen der kühlen Alltagswelt Torontos und der traumartigen Atmosphäre eines kleinen Wanderzirkus angesiedelt. In poetischen Bildern schildert sie die Entwicklung einer lesbischen Liebe trotz christlich-konservativen Umfelds.

Sa., 4.01., 14.00 Uhr, Phoenix
Dokumentation
Hitlers Frauen - Marlene Dietrich-Die Feindin
Ihr Lieblingsregisseur war Jude, ihre Rollen standen in scharfem Gegensatz zum NS-Frauenideal, ihr freizügiger Lebenswandel hätte jeder anderen den Haß der MachthaberInnen eingetragen - nicht so bei Marlene Dietrich. Als sie sich in Hollywood von ihrem Entdecker Josef von Sternberg trennte, einem aus Deutschland emigrierten Juden, spendete die Nazipresse hämisch Beifall und übermittelte die Bitte Hitlers, sie solle endlich ihre "historische Rolle als Anführerin der deutschen Filmindustrie" in Berlin übernehmen. Die derart Umworbene brach alle Verbindungen nach Deutschland ab und beantragte die US-Staatsbürgerschaft. Aus dem Berliner "Blauen Engel" wurde ein umjubelter Hollywoodstar. Nach Hitlers Kriegserklärung an Amerika begab sich Marlene an die Front und sang für die US-Truppen. Als sie 1960 ihre Heimatstadt besuchte, gab es Protestmärsche auf der Straße.

So., 5.01., 23.55 Uhr, MDR
Spielfilm
Valentino
(GB 1976, R.: Ken Russell, D.: Rudolf Nurejew, Leslie Caron, Michelle Phillips u.a.) New York, 1926. Der (schwule) Schauspieler Rudolph Valentino (Rudolf Nurejew), Idol eines weiblichen Millionenpublikums, ist tot. Der junge Einwanderer aus Italien hat Jahre als Varieteétänzer hinter sich, als ihn die Drehbuchautorin June Mathis für Hollywood entdeckt. Über Nacht wird er zum ersten Kino-Superstar. Die Heirat mit der (lesbischen) Natasha Rambova trägt Valentino eine Anklage wegen Bigamie ein. Auf der Höhe seines Ruhmes ist er Verleumdungen neidischer Geschlechtsgenossen ausgesetzt. Als der legendäre Stummfilmstar 1926 im Alter von 31 Jahren stirbt, verliert Hollywood einen seiner großen männlichen Stars. Fünfzig Jahre nach seinem Tod erlebte Valentino in Ken Russells Film in der Person des (schwulen) Ballettänzers Rudolf Nurejew eine glanzvolle Auferstehung, allerdings fällt das Thema Homosexualität dabei ziemlich unter den Tisch. Die opulente und eigenwillig inszenierte Lebensgeschichte erhebt keinen Anspruch auf Faktentreue. Wie Valentino ist auch Nurejew ein Mythos. Unbestritten gilt der charismatische Russe als der spektakulärste Tänzer der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Nurejew starb 1993 mit 54 Jahren an AIDS.

Mo., 6.01., 10.15 Uhr, Phoenix
Whg.: Mo., 6.01., 04.30 Uhr, Phoenix
Dokumentation
Allah und ich - Muslime in Berlin
(D 2002) Der Film fragt, wie viel Individualismus der Islam den in Berlin lebenden Muslimen erlaubt. Mohamed Askari, einem Musiker aus Ägypten, war die islamische Welt zu eng. Die türkische Barbesitzerin Peri Aliabbasoglu überwarf sich mit ihrem Vater, der ihren Lebenswandel missbilligte. Aziza A. hingegen, eine bekannte Rapperin aus Kreuzberg, liebt die orientalisch-deutsche Wärme des Bezirks, und Sabuha Salam lotet als schwuler Bauchtänzer die Toleranz seiner islamischen Umgebung aus. Geborgenheit in der Familie, aber auch strenge Regeln prägen das Leben.

Mi., 8.01., 22.40 Uhr, arte
Whg.: Sa., 11.01., 01.25, arte
Spielfilm
Lola + Bilidikid
(D 1999, R.: Kutlug Ataman, D.: Baki Davrak, Hasan Ali Mete, Gandi Mukli, Erdal Yildiz, Hakan Tandogan u.a.) Der 17-jährige Türke Murat lebt in Berlin zwischen zwei Kulturen. Er leidet unter dem autoritären Charakter seines Bruders Osman. Murat interessiert sich für Männer. Er ist verunsichert, da Homosexualität in seiner Familie verurteilt wird. Als er erfährt, daß sein älterer Bruder "Lola" wegen seiner Homosexualität von Osman aus dem Elternhaus vertrieben wurde, versucht er, Lola zu finden. Dabei lernt er die Berliner Schwulenszene kennen. Als Lola ermordet aufgefunden wird, findet Murat den Mut, nach Hause zurückzukehren. Er fordert Osman heraus, seine Schuld am Tod des Bruders zu gestehen. - Kutlug Ataman zeichnet das Porträt einer Gruppe von Außenseitern, die als Migranten der zweiten Generation und als Schwule in einem doppelten Exil leben. Mit parallelen Handlungen porträtiert er die Subkultur, ohne dabei oberflächlich oder klischeehaft zu werden. Ataman gilt als einer der begabtesten jungen Regisseure der Türkei.

Fr., 10.01., 22.10 Uhr, Super RTL
Spielfilm
Blindes Vertrauen
(Blind Faith, USA 1998, R.: Ernest Dickerson, D.: Charles Dutton, Courtney B. Vance u.a.) Ein Mordfall im Jahr 1957 stellt den schwarzen Anwalt John Williams vor die schwerste Aufgabe seines Lebens. Sein Neffe Charlie Jr. Williams wird als Täter festgenommen. Er wird beschuldigt, in einem Park in der Bronx einen Weißen getötet zu haben. Obwohl ihm die Todesstrafe droht, verweigert der Angeklagte jede Aussage. Für seinen Vater Charles eine Tragödie. Jahrelang hatte er als erster schwarzer Police Officer um Anerkennung kämpfen müssen, jetzt wird er als Vater eines mutmaßlichen Mörders zum Außenseiter. Anwalt Williams dämmert, daß hinter dem Fall ein homosexuelles Motiv stecken könnte. Er traut seinem Neffen keinen Mord zu, recherchiert hartnäckig und bekommt am eigenen Leib zu spüren, daß Schwarze in den fünfziger Jahren noch keine Rechte haben. - Der Film erhielt den "Publikumspreis Bester Film" auf dem Nantucket Film Festival 1998 sowie den "Paul Selvin Honorary Award 1999" der Writers Guild of America.

Mo., 13.01., 16.00 Uhr, Onyx
Whg.: 14.01., 21.00 Uhr, Onyx
Europride
In der Show, die jeweils unter einem anderen Motto steht, geht es diesmal um den Europride 2002, der letzten Sommer in Köln stattfand. Moderatorin Sinta Weisz besuchte das Kölner "Gloria" und interviewte die Travestie-Künstlerin Heidi Stern. Auch über die Vorbereitungen zum Christopher Street Day berichtet sie. Zur schwul-lesbischen Thematik passend gibt es Videoclips von Queen, Bronski Beat und Erasure.

Do., 16.01., 00.20 Uhr, VOX
Spielfilm/Thriller
Die Zärtlichkeit der Wölfe
(D 1973, R.: Ulli Lommel, D.: Kurt Raab, Jeff Roden, Rainer Werner Fassbinder u.a.) Bochum nach dem Zweiten Weltkrieg. Menschen verschwinden, NachbarInnen flüstern: Ein Werwolf soll umgehen. Fritz Haarmann, mehrfach vorbestraft, arbeitet als Spitzel für die Polizei. Er soll jugendliche Herumtreiber zur Wache bringen, doch er mordet. Man nennt ihn das "zärtliche Ungeheuer". Mindestens 40 Menschen bringt er um: junge Streuner, Arbeitslose, Menschen, die dankbar sind für einen Schlafplatz. "Jedenfalls waren es die schönsten Jungchen, die ich besaß", sagt Haarmann später im Prozeß. Die Körper der Toten verarbeitet er zu Fleischwaren und verkauft sie auf dem Schwarzmarkt. Haarmanns Nachbarin schöpft Verdacht. Ein Lockvogel wird auf das "Ungeheuer" angesetzt... Der Film basiert auf realen Begebenheiten, die später sehr erfolgreich unter dem Titel "Der Totmacher" erneut verfilmt wurden.

Mo., 20.01., 20.45 Uhr, arte
Spielfilm
Kreuz und Queer
(Bedrooms and Hallways, GB/F/D 1998, R.: Rose Troche, D.: Kevin McKidd, Tom Hallander u.a.) Der schwule Londoner Leo ist ein unbefriedigter Single. Um sein libidinöses Problem zu lösen, schließt er sich einer Männer-Selbsterfahrungsgruppe an. Mit dem attraktiven Iren Brendan kommt denn auch Schwung in sein Liebesleben. Brendan ist zwar eigentlich damit beschäftigt, die Trennung von seiner Freundin Sally zu verarbeiten, aber nach einem Ausflug der Männergruppe in die Wildnis vergißt er, daß er heterosexuell ist, und beginnt eine Affäre mit Leo. Das Verhältnis geht in die Brüche, als Sally ihrem Ex nachspioniert und dabei ihrer Jugendliebe begegnet: Leo. Neue Perspektiven tun sich auf: Leo fühlt sich wie früher zu Sally hingezogen. Ist er wieder hetero? Oder ist es nur eine Phase? - Der auf dem Londoner Filmfestival 1998 mit dem Publikumspreis ausgezeichnete Film von Rose Troche ("Go Fish") ist ein verspieltes Plädoyer für die Überwindung der sexuellen Identitätspolitik: Auf die Etiketten "homo" und "hetero" ist kein Verlass mehr, und auf erotischer Orientierung lässt sich kein Lebensstil gründen. Rose Troche griff auf ein pointiertes Drehbuch des Romanautors Robert Farrar ("Watch that Man") sowie eine Riege begabter englischer Jungschauspieler zurück, allen voran Kevin McKidd ("Trainspotting") als Leo und Tom Hollander als Paradiesvogel Darren.

Ingrid Scheffer

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