Prostitution Minderjähriger im deutsch-tschechischen Grenzgebiet

Das Problem der Prostitution an der deutsch-tschechischen Grenze ist bekannt: Dabei geht es aber nicht nur um Frauen, sondern auch um die zunehmende Prostitution minderjähriger Mädchen und Jungen in der Tschechischen Republik, wie ein von Karo und Unicef vorgelegter Bericht aufzeigt.

Bereits der 1994 erschienene tschechisch-französische Dokumentarfilm "Not angels but angels" und der Film "Mandragora" beschreiben die Situation jugendlicher Prostituierter in der tschechischen Hauptstadt Prag. Freier sind demnach zumeist deutsche Touristen. Von Seiten der tschechischen aber auch der deutschen Regierung wurden sofort nach Vorlage des Berichtes die getroffenen Aussagen dementiert. Es gäbe nur vereinzelte Fälle von Prostitution von Kindern und Jugendlichen, die mit der notwendigen Härte des Gesetze verfolgt würden.

In vielen Euro-Beitrittsstaaten ist Prostitution mittlerweile zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige geworden. Allein in der Stadt Cheb mit 36.000 Einwohnern gibt es 98 Nachtklubs, hinzu kommen Bars und Tankstellen, die ebenfalls für das Geschäft mit zumeist deutschen Sextouristen herhalten. Prostitution ist fast normale Erwerbsarbeit. Dies gilt allerdings nur, so lange sie selbstbestimmt erfolgen kann, was bei Minderjährigen nicht der Fall ist. Auch erwachsene Prostituierte werden häufig durch finanzielle Notlagen und Abhängigkeitsverhältnisse in Prostitution getrieben und gehalten. Ein Phänomen, das auch aus der Bundesrepublik Deutschland bekannt ist.

Vor dem Hintergrund des wichtigen legalen Wirtschaftszweiges Prostitution ist die Reaktion der tschechischen Regierung verständlich. Kinderprostitution paßt hier nicht rein.

Die Zahlen zur Prostitution von Kindern und Jugendlichen divergieren stark. Das Projekt Karo spricht von einigen tausend Prostitutionskontakten mit Minderjährigen. Folgt man den Schätzungen von Kleiber und Wilke, kommt es jährlich zu mindestens 2400 bis 4800 Fällen.

Die Zahl der angezeigten Delikte ist dagegen verschwindend gering. Laut dem Bundesjustizministerium gibt es im Zeitraum 1993 bis 1998 in der Bundesrepublik Deutschland 51 Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Mißbrauchs ausländischer Kinder durch Deutsche im Ausland. Tatortländer sind unter anderem Thailand, die Tschechische Republik, die Philippinen und Sri Lanka. Die Ermittlungsverfahren betrafen 59 Beschuldigte und 148 geschädigte Personen.

Die Situation ist auch im sächsische Staatsministerium und sächsischen Landtag seit Jahren bekannt. Landtagsabgeordnete der PDS beteiligten sich mehrmals im Jahr an der Streetwork von Karo und können die Angaben nur bestätigen.

Auch das Europäische Parlament ist lange informiert.

Am 29.02.2000 erklärte es: "Das Europäische Parlament ist zutiefst besorgt, daß in der Europäischen Union und in den beitrittswilligen Ländern Prozesse in Verbindung mit den extremsten Erscheinungsformen der Pädophilie, bei den Kinder umgebracht werden, äußerst schleppend vonstatten gehen, daß Verfahren bisweilen auf besorgniserregende Weise zum Stillstand kommen, unerklärliche Verletzungen von Richtern und Polizeibediensteten stattfinden, Zeugen verleumdet werden, Personen eingeschüchtert werden, falsche Fährten gelegt werden, Stillschweigen gewahrt wird bzw. von den Medien tendenziöse Informationen verbreitet werden." Als Homosexueller muß man sich mit Recht gegen das Klischee des schwulen Kinderfickers wehren. Allerdings wird auch hier bei vielen – wie bei zahlreichen heterosexuellen Männern – der sexuelle Kontakt zu Minderjährigen eher als Kavaliersdelikt wahrgenommen, statt als Mißbrauch. Gerade die oben erwähnten Filme verweisen auf zumeist männliche Jugendliche, die sich für schwule Freier vor allem aus Deutschland prostituieren. Frauen kommen als Freier, sowohl hetero- als auch homosexuell, weit seltener in Betracht.

Schließlich muß man auch nicht mit Kindern und Jugendlichen ins Bett gehen, um Ausbeutungsverhältnisse zu unterstützen. Viele Paysites schicken Fotografen in arme Länder, um frisches Bildmaterial zu erhalten. Für ein paar Scheine sind dort viele bereit, sich ablichten zu lassen. In Deutschland dürfte es mittlerweile sehr schwierig geworden sein, Bildmaterial Minderjähriger im Netz über Paysites zu verkaufen. Das ändert nichts an dem Fakt, daß häufig auch die verkauften Bilder Erwachsener aus finanziellen Notlagen gerade in ärmeren Ländern entstanden sind.

Wer auf kostenlose Sites zurückgreift, unterstützt solche Paysites, da sich diese kostenlosen Angebote meist über Banner für diverse Paysites finanzieren.

Bleibt schließlich auf ein größeres Problembewußtsein in der LesBiSchwulen Community, wie auch in der gesamten Gesellschaft, zu hoffen und die tschechische Regierung und die sächsische Landesregierung aufzufordern, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dazu ist ein Erhalt und Ausbau der Jugend- und Beratungsstrukturen dringend erforderlich und eine liberale Asylpolitik in der Bundesrepublik anzustreben, die es Migrantinnen ermöglicht, hier selbstbestimmt zu leben und nicht in Abhängigkeitsverhältnisse zwingt.

Heinz-Jürgen Voß für den Gegenpol

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