Das Schulprojekt zwischen Datenschutz und Sexskandal

Seit zehn Jahren besucht der Dresdner Verein Gerede e.V. Schulen und Gymnasien, um Schülerinnen, Schüler und auch Lehrer über Homosexualität und schwul-lesbische Lebensweisen aufzuklären und um Akzeptanz zu werben. Nun ist dieses Aufklärungsprojekt ins Kreuzfeuer geraten. Anlaß ist ein Artikel in der Sächsischen Zeitung vom 5. Dezember, der über das Projekt, welches schon seinen 10.000. Schüler erreichen konnte, berichtete.

Diesen Artikel der SZ nahm der damalige Sächsische Datenschutzbeauftragte Dr. Thomas Giesen zum Anlaß, sich mit dem Verein und dem Projekt zu befassen. Giesen unterstellte den Mitgliedern des Vereins, daß sie "dabei ca. 14-jährige Schüler zu ihrem persönlichen Sexualleben, ihren Ansichten zu sexuellen Fragen sowie ihren sexuellen Vorstellung" (*1) befragt hätten. Des weiteren wird gemutmaßt, daß die Gefahr bestehe, der Verein könne durch diese Befragungen einen "Überblick über die Sexualität einer ganzen Schulklasse" (*1) gewinnen. Eine solche Befragung sei deswegen von vornherein rechtswidrig, stellt Giesen fest und veröffentlichte seine Mutmaßungen in einer Pressemitteilung, ohne sich vorher bei dem Verein oder den betroffenen Schulen über Form und Inhalte des Projekts zu informieren. Damit schadete er nicht nur dem Verein, sondern brachte auch die engagierten Moderatoren des Projektes in Mißkredit.

Denn was folgte, ist ein Beweis dafür, wie "seriös" gewisse Medien mit heiklen Themen umgehen. Die Dresdner Morgenpost bauschte das Projekt beispielsweise zum "Sexskandal am Gymnasium" (*2) auf. In der Schule müßten sich die Schüler "peinlichen Sex-Interviews" unterziehen, wird geschrieben. Das Resultat: zum einen wird die wichtige und vor allem gute Arbeit des Projektes und damit auch der Ruf des Vereines geschädigt. Zum anderen sind derartige Artikel nicht förderlich, Vorurteile in der Bevölkerung gegenüber Schwulen und Lesben abzubauen. Was vermutlich aber auch nicht das Ansinnen einer Zeitung wie der Morgenpost sein wird. Vielleicht sollten der Sächsische Datenschutzbeauftragte und die Verfasser des Artikels in der MOPO selbst an einer Gesprächsrunde teilnehmen. Aber Vorsicht: es besteht die Gefahr, selbst aufgeklärt zu werden.

Gerede e.V. selbst reagierte sofort auf die Vorwürfe und nahm Kontakt zu den Redakteuren der Zeitungen und dem Datenschutzbeauftragtem auf. Weiterführend stehen klärende Gespräche mit dem Datenschutzbeauftragten und dem Kultusministerium an, bei dem das Projekt seit Jahren bekannt und anerkannt ist. Wie in den vergangenen Projektjahren, gab es von Seiten der Schüler und Lehrer ausschließlich positive und das Projekt stärkende Rückmeldungen. Morena Gutte, Projektleiterin beim Gerede e.V., stellt fest: "Die überängstliche Vorgehensweise des Datenschutzes und die folgende Darstellung in der Zeitung zeigt umso stärker die Notwendigkeit von Aufklärungsarbeit, nicht nur an Schulen."

Deshalb sucht das Projekt ständig engagierte und motivierte junge Leute, die als Moderatoren "aufklären" und in die Schulen gehen.

MM/my

Kontakt:
Gerede e.V.
Tel: 0351/8022251
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Quellennachweis:
(*1) – Pressemitteilung des Sächsischen Datenschutzbeauftragten vom 29.12.2003, AZ 3-6400/40
(*2) – Dresdner Morgenpost vom 30.12.2003

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